"Unser Ziel ist, es kostengünstigen Wohnraum zu schaffen", sagt Gerhard Schneider. Er ist der geschäftsführende Beamte im Bad Kissinger Rathaus und gleichzeitig auch Geschäftsführer der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Bad Kissingen, kurz GeWo.

Beteiligungsbericht

Schneider stellte dem Finanz- und Verwaltungsausschuss des Bad Kissinger Stadtrates am Mittwoch im Rahmen des Beteiligungsberichts die Zahlen der städtischen Tochtergesellschaft für das Jahr 2019 vor. Die Miete für die Wohnungen, die zur Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft gehören, bewege sich "im Regelfall unter dem Markt". Die durchschnittliche Wohnungsmiete lag im Jahr 2019 bei 4,40 Euro pro Quadratmeter.

Kein Mietspiegel

In den vergangenen zwei Jahren habe es eine minimale Steigerung gegeben, aber die Miete liege 2021 immer noch unter fünf Euro pro Quadratmeter. Einen Mietspiegel für Bad Kissingen gebe es nicht.

Anregung der Grünen

Klaus Werner (Grüne) wies in der Sitzung auf die Analyse zum Wohnungsmarkt hin. Dort seien 15 Prozent preiswerter Wohnungsbau vorgesehen, pro Jahr entspreche das zehn Wohnungen im preisgünstigen Segment. Werner schlug vor: "Vielleicht könnte sich die GeWo überlegen, ob über die Stadt ein Grundstück da wäre, wo man diese zehn Wohnungen miteinplanen könnte." Ansonsten sehe er keine Möglichkeit, die 15 Prozent preiswerter Wohnungsbau zu erfüllen.

Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) sagte, dass die Stadt durchaus die Möglichkeit habe zu intervenieren, was günstigen Wohnraum betreffe. Das gilt für die Baugebiete, die neu ausgewiesen werden. "Wir haben einige Gebiete, die zur Erörterung stehen. Dort ist die Möglichkeit im Rahmen des Verfahrens gegeben, bestimmte Bauauflagen zu machen, um die Zielsetzung zu erreichen."

Außerdem verwies Vogel auf die Zahlen der GeWo, was an Wohnungen da sei und was modernisiert werde. Die GeWo sei ein "starker Player."

Im Moment wird saniert

Zur Anregung von Klaus Werner sagt GeWo-Geschäftsführer Gerhard Schneider: "Im Moment liegt unser Fokus auf der Sanierung des Bestandes." Weitere Neubauten außer einem Ersatzneubau sind derzeit nicht geplant. Man wolle die Entwicklung im Blick behalten.

Die GeWo gibt es seit über 70 Jahren. Ein Großteil des Gebäudebestandes der GeWo wurde in den Nachkriegsjahren gebaut. Seit 2018 läuft ein umfangreiches Sanierungsprojekt. "Wir überlegen, wie wir unsere Flächen weiterhin nutzen und ausweiten können", sagt Schneider. "Seit 2018 haben wir fünf Millionen Euro investiert, rund fünf Millionen stehen uns noch bevor."

Ersatz von Häusern, Verdichtung

Das Projekt gehe teilweise mit dem Ersatz von Häusern einher. Bei der Sanierung werde etwa versucht, die Wohneinheiten energetisch günstiger zu gestalten. Über Verdichtung werde zusätzlicher Wohnraum geschaffen. Am Sinnberg soll beispielsweise ein Ersatzneubau in der Schlesierstraße 1 kommen. Dort sollen aus ursprünglich acht Wohnungen zehn Wohnungen entstehen. "Im Zeitraum der nächsten zwei Jahre sollte das realisierbar sein." Durch Corona habe sich der Zeitplan bisher nicht verschoben.

Das sind die Zahlen

588 Wohnungen hat die Wohnungsbaugesellschaft im Bad Kissinger Stadtgebiet. Das entspricht einer Wohn- und Nutzungsfläche von 38 126 Quadratmetern. Ein Großteil der Wohnungen, über 40 Prozent, liegen am Sinnberg. "Im Schnitt sind es etwa 1000 Menschen, denen wir Wohnraum in der Stadt anbieten", sagt Schneider.

Rund drei Prozent der Wohnungen stehen leer. Wobei diese Zahl zu relativieren sei, merkt Schneider an, denn die GeWo würde Leerstände nutzen, um etwa eine Badsanierung zu machen oder neue Böden zu verlegen. Man wolle "moderat den Bestand auf Stand bringen, damit wir auf dem Markt auch konkurrenzfähig sind."

"im grünen Bereich"

Von 2018 auf 2019 gab es laut Beteiligungsbericht einen Zuwachs von über zwei Millionen Euro im Bereich des Anlagevermögens. "Das ist das, was wir in die Sanierung investiert haben", sagt Schneider. "Das kommt aus Aktivierungs-, Bau- und Sanierungsmaßnahmen. In diesem Zusammenhang haben wir auch eine Million an Krediten aufgenommen. Den Rest finanzieren wir aus eigener Kraft aus unseren Rücklagen, die wir für Erneuerungsprojekte ansammeln."

Die Zahlen seien insgesamt "im grünen Bereich". Schneiders Fazit: "Es ist ein sehr solides Unternehmen."

Hohe Baupreise, Holzmarkt macht Schwierigkeiten

Im Moment machten aber die gestiegenen Baupreise Schwierigkeiten. Problematisch sei etwa der derzeitige Holzmarkt, der "leer gefegt" sei. "Es gibt eine große Nachfrage in den USA. Die Preise stehen unter Druck. Das lässt uns den Bleistift spitzen." Aber: "Wir sind an Konzepten dran, wie man eine verträgliche Miete erreichen kann."

Insgesamt sieht Schneider beim Wohnungsmarkt in Bad Kissingen "Potenzial nach oben". Bad Kissingen sei als Wohnstandort attraktiv. "Wir haben Zuzüge, nicht wie eine Großstadt, aber eine stetige Entwicklung. Wir brauchen Wohnungen in allen Segmenten."

Übersicht zur GeWo und zu Beteiligungen der Stadt

Bericht Laut Gemeindeordnung ist jährlich ein Bericht vorzustellen, aus dem ersichtlich wird, an welchen Gesellschaften die Stadt Bad Kissingen beteiligt ist. Dieser Bericht soll transparent machen, welchen öffentliche Zweck die Gesellschaft verfolgt, wer an der Gesellschaft beteiligt ist, welche Personen in der Geschäftsführung sind und wer im Aufsichtsrat ist. Auch eine Gewinn- und Verlustrechnung wird aufgeführt und ob, die Gesellschaft Kredite aufgenommen hat

Beteiligungen Die Stadt Bad Kissingen nimmt einen Teil ihrer kommunalen Aufgaben in Form von Beteiligungen an Unternehmen in der Rechtsform des Privatrechts vor. Sie ist Gesellschafter der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft und zu 75 Prozent an ihr beteiligt. Die anderen 25 Prozent gehören zur Sparkasse Bad Kissingen. Neben der GeWo ist die Stadt an folgenden Gesellschaften beteiligt: Stadtwerke Bad Kissingen GmbH (100 Prozent), Grundstücksentwicklungsgesellschaft Bad Kissingen (60 Prozent), Bayerisches Staatsbad Bad Kissingen (53 Prozent), Rhön-Saale-Gründer- und Innovationszentrum (etwa 44 Prozent), Bäderland Bayerische Rhön (32,5 Prozent).

Organe der GeWo (Stand Geschäftsbericht 2019, Mitglieder bis 2020): Geschäftsführung: Gerhard Schneider, Dr. Joachim Kohn, Frank Lohmüller; Aufsichtsrat: Kay Blankenburg, Alexander Koller, Martina Greubel, Karin Reinshagen, Hans-Joachim Hofstetter, Roland Friedrich, Thomas Bold 

Das aktuelle Gremium setzt sich wie folgt zusammen: Geschäftsführer: Gerhard Schneider und Frank Lohmüller. Aufsichtsrat: Dr. Dirk Vogel, Roland Friedrich, Thomas Bold, Alexander Koller, Nikola Renner, Veronika Richler-Yazeji, Tobias Schneider.