Das Totengedenken am Volkstrauertag auf dem Parkfriedhof wird heuer noch einmal anders ablaufen. Der Grund dafür ist, dass das Ehrenrondell mit den korrigierten Namen der Bad Kissinger Gefallenen des Zweiten Weltkrieges nicht fertiggestellt ist. Die Redaktion hat nachgefragt.

Der Grund für die Neukonzeption des Ehrenmals war der Diebstahl der alten Gedenktafeln durch Metalldiebe vor einigen Jahren. Die Stadt reagierte und installierte eine neue Gedenkmöglichkeit. Diese war - wie Recherchen dieser Redaktion ergaben - voller Fehler und beinhaltete zudem keine Kissinger Namen. Die Stadt entschuldigte sich mit dem Bekanntwerden des 24.500 Euro teuren Fauxpas bei den Angehörigen und plante das Denkmal heuer in aktualisierter und korrekter Form fertigzustellen.

"Das Denkmal ist noch nicht fertiggestellt", sagt Thomas Hack, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Bad Kissingen. Geplant ist, zwei Wände für die neuen Platten mit den Namen der Kissinger Gefallenen zu errichten. Diese sollen das bestehende Rondell umrahmen. Die Namen der über 400 Kissinger Soldaten will die Stadt auf Platten gravieren und an den Wänden befestigen lassen. Zudem soll es eine Info-Stele mit QR-Codes geben, die geschichtsinteressierte Besucher auf eine Internetseite der Stadt verweist, die laut Hack derzeit in der Entstehung ist. Dort sollen Hintergründe zum Denkmal und nochmals alle Namen der im Zweiten Weltkrieg gefallenen Bad Kissinger Soldaten zu finden sein. Zudem möchte die Stadt die drei fehlerhaften Tafeln austauschen, fanden sich auf ihnen doch lediglich Soldaten, die in Kissinger Lazaretten starben. Außerdem sollen Sitzgelegenheiten vor dem Rondell zur Andacht einladen. Laut Stadtratsbeschluss aus dem vergangenen Herbst betragen die Kosten für alle Arbeiten etwa 150 000 Euro.

"Das Vorhaben ist nach wie vor aktuell und soll schnellstmöglich zum Abschluss gebracht werden", sagt Hack. "Der weitere Umbau verzögert sich leider bis ins Frühjahr 2021." Die Ursache für die Verspätung lag nicht am Geld - die Verwaltung stellte bereits Mittel für das Ehrenmal für den diesjährigen Haushalt bereit - sondern an der Corona-Pandemie. Diese führte zu Lieferschwierigkeiten bei den Steinen für den neuen Teil des Denkmals. Zudem musste die Vergabe laut Hack "aufgrund mangelnder Angebote wiederholt werden".

Um sicherzugehen, dass dieses Mal die Namen richtig sind, fanden seitens der Stadt "ausführliche Archivrecherchen" statt. Die dabei entstandene 466 Personen umfassende Liste war im Rathaus einsehbar. Angehörige hatten die Möglichkeit, die Liste auf Vollständigkeit und Richtigkeit zu überprüfen. Diese sei laut Hack genutzt worden. Änderungen an der erarbeiteten Liste habe es nicht gegeben. "Ich gehe davon aus, dass es die Stadt jetzt richtig macht", sagt der 92-jährige Arthur Kaffer, dessen Vater sich auf den geklauten elf Tafeln befand.

Im März 1985 war die Öffentlichkeit noch stärker involviert. Schon damals entstand eine Liste über Vermisste und Gefallene Kissinger. Die Stadt setzte dabei komplett auf das Wissen der Hinterbliebenen. Was mit dem Verzeichnis im Lauf der Jahre geschah, ist nicht klar. Erst der Diebstahl der elf Gedenktafeln und die folgenden Handlungen zeigten, dass die Stadt nicht wusste, welche Namen auf dem Ehrenmal verewigt waren. Statt über 460 fassten die drei neuen Bronze-Tafeln nur 164 Gefallene. Anstelle von Bad Kissinger Einwohnern fanden sich darauf Soldaten aus dem ganzen Reich, die in hiesigen Lazaretten starben. Auch hier unterlief der Stadt ein Fehler, handelte es sich doch dabei nicht um 164, sondern um 184 Soldaten. Und: Derzeit wird ihrer doppelt gedacht, denn auf dem Parkfriedhof sind seit je her für sie in den Boden eingelassenen Namens-Tafeln vorhanden.

Geplant ist, die fehlerhaften Tafeln mit den 164 Namen demnächst einzuschmelzen. Auf den Muschelkalkfundamenten sollen dann neue Bronzetafeln, auf denen sich dann die 184 korrekten Namen der Lazaretttoten finden, verankert werden. "Die vorhanden Gegebenheiten sollen weitergenutzt werden und allen Personen soll so an zentraler Stelle gedacht werden", heißt es aus dem Rathaus. Es sei wichtig, nicht über die Vergangenheit hinwegzusehen, sondern einen würdigen Gedenkort zu erschaffen. Die 184 Steinplatten im hinteren Bereich des Rondells, die bisher an sie erinnerten, sollen weiterhin bestehen.