Das Unesco-Biosphärenreservat Rhön hat eine komplexe Aufgabe. Unter dem Motto "Der Mensch und die Biosphäre" geht es um die Balance zwischen Schutz und Nutzung, Ökonomie und Ökologie, gleichzeitig zu bewahren und zu entwickeln, das verlangt weitsichtige Planung und kluge Weichenstellungen. Genau darum geht es bei dem Rahmenkonzept, das im Jubiläumsjahr ein großer Workshop vorbereiten sollte. Dies teilte das Biosphärenreservat, das heuer sein 25-jähriges Bestehen feiern kann, mit.

Wertvolle Impulse für Leitbilder, Ziele, Projekte und Initiativen geben unter anderem zehn Arbeitsgruppen mit Mitgliedern aus möglichst allen gesellschaftlichen Gruppen der drei Rhön-Bundesländer. Kürzlich trafen sie sich arbeitsgruppen- und vor allem themenübergreifend zu einem zweitägigen Workshop in Oberelsbach.


Zusammen diskutieren

Rund 180 Anmeldungen waren eingegangen, überwiegend von Mitgliedern der Arbeitsgruppen. Die hatten einige Monate zuvor bereits einzeln getagt, jetzt wollte man einmal zusammen diskutieren, Themen, die alle betreffen, beleuchten und konkreten gemeinsamen Leitbildern und Zielen näher kommen.

Dazu hatten die Organisatoren über die zwei Tage verteilt 22 parallele Sessions zu den zu diskutierenden Handlungsfeldern eingerichtet. Deren inhaltliches Spektrum reichte von "Regionale Produkte und Wertschöpfungsketten" über "Naturschutz in landwirtschaftlichen Gebieten" sowie "Demographie & Migration" bis hin zu "Wirtschaft, Innovation und Infrastruktur". Für die Sessions waren Diskussionspapiere vorbereitet worden. Zu jedem Themenfeld fand man darin erste Entwürfe eines zusammenfassenden Leitbildes, gefolgt von Zielen und sich daraus ergebenden Maßnahmen.


Unterschiedlichste Berufsfelder

Dieses inhaltliche Ideengerüst stand in Oberelsbach für alle zur Diskussion. Die verlief auch deshalb so lebhaft, weil die Teilnehmer aus den unterschiedlichsten Berufsfeldern stammten und ihre spezifischen Sichtweisen einbrachten. Vertreten waren unter anderem Landwirte, Naturschützer, Forstleute, Touristiker, hochrangige Vertreter vieler Dienststellen und Ämter der drei Bundesländer, Bürgermeister, Lehrer, Funktionsträger von Verbänden, Ärzte und nicht zuletzt die Mitarbeiter der drei Verwaltungsstellen und Trägervereine des Biosphärenreservats.


Gut strukturiert und vorbereitet

Die in den Gruppensitzungen vorgetragenen Ideen und erzielten Kompromisse wurden gleich an Ort und Stelle niedergeschrieben und für alle sichtbar auf eine Leinwand projiziert. "Unsere Workshop-Sessions waren nicht nur gut besetzt, sondern auch sehr produktiv", freut sich Ulrike Schade aus der bayerischen Verwaltungsstelle, die den Workshop als Projektkoordinatorin des neuen Rahmenkonzepts vorbereitet hatte. "Wir sind in jedem einzelnen Themenbereich weitergekommen."


Landschaftsbild

Als erfreulich produktiv bezeichnet auch der Leiter der bayerischen Verwaltungsstelle, Michael Geier, den zweitägigen Workshop. "Als wir die Arbeiten an dem neuen Rahmenkonzept starteten, war es uns ein Anliegen, die detaillierte Zukunftsplanung auf eine möglichst breite Basis zu stellen. In der nun nochmals größeren Runde des Workshops hat sich dieser konstruktive Input potenziert. Dabei war es spannend, dass zum Thema Landschaftsbild alle gesellschaftlichen Gruppen gefragt waren."

"Unser bisheriges Rahmenkonzept stammt aus dem Jahr 1995", erläutert Torsten Raab, Leiter der hessischen Verwaltungsstelle. "Seither hat sich das Unesco-Biosphärenreservat Rhön erheblich weiterentwickelt. Es sind etliche neue Aufgabenstellungen hinzugekommen, zum Beispiel im Bereich der Energie, des Klimawandels, der demografischen Entwicklung und auch der Mobilität. Insofern muss unser neues Rahmenkonzept erheblich breiter angelegt sein." Die Unesco-Biosphärenreservate sind in positivem Sinne Experimentierfelder. Sie haben den expliziten Auftrag der Unesco, vor Ort Lösungen zu suchen, um den angestrebten Ausgleich zwischen Schutz und Nutzung zu realisieren. Das alles funktioniere aber nur, wenn es unter den regional Beteiligten einen Konsens gibt, wo es hingehen soll, betont Karl-Friedrich Abe, Leiter der thüringischen Verwaltungsstelle und dienstältester Verantwortungsträger im Biosphärenreservat.


Fahrplan und Regelwerk

"Genau dafür brauchen wir das Rahmenkonzept. Es ist Fahrplan und Regelwerk in einem. Alle zukünftigen Einzelprojekte und Fördermaßnahmen beziehen sich darauf. Insofern ist das derzeit entstehende Rahmenkonzept für alle rund 226 000 Menschen, die im Unesco-Biosphärenreservat Rhön leben, ein enorm wichtiges Papier. Der große Aufwand, den wir bei der schrittweisen Erstellung treiben, ist auf jeden Fall sachgerecht." Der Workshop - von einem Teilnehmer treffend als "Trainingslager" bezeichnet - endete mit einer Abschlussveranstaltung in der Elstalhalle.


Gemeinsames Ziel

Dort präsentierten die drei Verwaltungsstellenleiter vor großer Runde noch einmal Ergebnisse aus allen 22 Sessions. Dabei zeigte sich: Auch wenn die Teilnehmer in Einzelfragen durchaus unterschiedliche Positionen vertreten, so eint sie alle ein gemeinsames Ziel: das Biosphärenreservat voranzubringen.

Nächste Monate: In dieser Zeit sollen die vielen Anregungen in die Textentwürfe zu den Themenbereichen des Rahmenkonzepts eingearbeitet werden.

Vor der Sommerpause: Die zehn festen Arbeitsgruppen werden vor der Sommerpause erneut zusammenkommen.

Januar 2017: Hier soll dann auf einer Veranstaltung in Thüringen der Entwurf des neuen Rahmenkonzeptes vorgelegt werden.

Zweites Quartal 2017: Die Endfassung des Rahmenkonzepts soll in Hessen präsentiert werden.