Das Corona-Jahr 2020 hat auch beim Verein Natur- und Lebensraum Rhön (VNLR) tiefe Spuren hinterlassen. 2020 war das Jahr der ausgefallenen Termine: Regionalmessen, Jubiläen, Hessentag, Schäfereiexkursion und einiges mehr mussten abgesagt werden.

Auch die Gremienarbeit im Verein hat erheblich gelitten. Viele Beschlüsse mussten im Umlaufverfahren getroffen werden. Damit blieben nicht zuletzt persönliche Gespräche, wichtige Diskussionen und die Abwägung der unterschiedlichen Standpunkte auf der Strecke. Manche Projekte verzögerten sich. Zumindest konnte aber im Herbst noch eine Mitgliederversammlung durchgeführt werden, teilt der Verein in einer Pressemitteilung mit.

Dennoch wurde, so betont der Vorsitzende Hubert Beier, auch und trotz Corona in 2020 viel erreicht. Einige Beispiele werden vom Verein als besonders beispielhaft benannt. So wie die Leader-Regionalförderung: Trotz Pandemie verzeichnete die Regionalmanagerin des VNLR, Ute Raband, eine große Nachfrage von potenziellen Projektträgern und Antragstellern. Mehr als 50 Förderprojekte wurden beraten. Zehn Projekte konnten mit einer Gesamtfördersumme von über einer Million Euro einer Bewilligung zugeführt werden.

Stolz auf das Erreichte

Auch beim Blick auf die gesamte Förderperiode 2014 bis 2020 sind die Verantwortlichen beim VNLR stolz auf das Erreichte. Mit Stand 15. Dezember 2020 wurden beim Verein knapp 2,8 Millionen Euro Leader-Mittel gebunden. Damit liegt der VNLR rund 30 Prozent über den ursprünglich zugewiesenen Mitteln für die gesamte Förderperiode. Hessenweit belegt die Rhön damit Platz 2 der gebundenen Leader-Mittel. Eine aktuelle Prüfung des Regionalmanagements im Dezember durch die "WiBank" Hessen bescheinigte dem Verein zudem eine vollständig beanstandungsfreie Arbeit, heißt es weiter in der Mitteilung.

Neben Leader gehörte die Umsetzung des Regionalbudgets zu den Herausforderungen des Jahres 2020. Rund 170 000 Euro Fördermittel konnte der VNLR im vergangenen Jahr an Vereine und Kommunen weitergeben. Profitiert haben letztendlich 27 kleinere gemeinwohlorientierte Projekte, die jeweils mit einer 80 Prozent Förderung unterstützt wurden. Was das Regionalbudget ausmacht, sind ein vergleichsweise geringer bürokratischer Aufwand und die Stärkung heimischer Vereine sowie der sozialen Infrastruktur in den Kommunen.

Förderung für Vereine

Gefördert wurden zum Beispiel technische Ausstattungen für Sportvereine, Uniformen für eine Musikkapelle, Kinderspielplätze, ein Bauwagen für einen Waldkindergarten, aber auch die technische Aufwertung eines dörflichen Gefrierhauses.

Besonders die geförderten Vereine bestätigen, dass sie mit dem Regionalbudget Investitionen tätigen konnten, die sie ohne die Förderung nicht oder erst viel später hätten umsetzen können. Dies gilt vielerorts auch dort, wo mit den Auswirkungen der Pandemie dem ein oder anderen Verein wichtige Einnahmequellen wegbrechen und gleichzeitig die Sorgen bezüglich der Finanzierung laufender Kosten steigen. Beim VNLR geht man aktuell davon aus, das Bund und Land auch in 2021 ein Regionalbudget zur Verfügung stellen werden.

Ein Meilenstein

Ein weiterer Meilenstein in 2020 war die Fertigstellung des Antrags für ein Biodiversitätsprojekt beim Bundesamt für Naturschutz (BfN). Die Landwirtschaftsberaterin Janet Emig hat dieses Projekt über Jahre vorbereitet, immer wieder abgestimmt und landkreisweit in die verschiedenen Gremien hinein kommuniziert. Landrat Bernd Woide hat nun zugestimmt, dass der Landkreis als Antragsteller des 3,1-Millionen-Projekts fungiert und der VNLR mit der Umsetzung betraut wird. Mit dem Projekt soll insbesondere der Insektenschutz gefördert werden. Schwerpunkte des Projektes werden die Beratung der landwirtschaftlichen Betriebe und der Kommunen sowie Bildungs- und Schulungsangebote für die Bürgerschaft sein. Für die Projektvorbereitung konnte der Verein auf finanzielle Unterstützung des Umweltministeriums und der Biosphärenreservatsverwaltung zurückgreifen.

Schlachtabfall

Exemplarisch verweist der Geschäftsführer des Vereins, Martin Kremer, auf drei weitere Projekte im landwirtschaftlichen Bereich, die sich gut entwickeln und maßgeblich ebenfalls von Janet Emig betreut werden. So nimmt das Projekt der Düngepellets aus Schafwolle Fahrt auf. Gemeinsam mit den Schäfern der Region, der Rhön GmbH, dem Biosphärenreservat und einem Hersteller werden aktuell zwei Tonnen Rohwolle zu kleinen Wollpellets zu verarbeiten, die sowohl im Garten wie auch bei den Topfpflanzen auf der Fensterbank als Dünger zum Einsatz kommen können. Da Schafwolle inzwischen quasi wertlos ist, als Schlachtabfall gilt und kaum noch sinnvolle Verwendungen für Schafwolle bestehen, ist die Verwendung als Dünger eine Option, um Schäfern noch einen Erlös für die anfallende Wolle zu sichern.

Erfolgreiche Genießerwochen

Überaus erfolgreich waren auch die dritten Rhönschaf-Genießerwochen. Schäfer, Gastronomie, Metzger, Rhön GmbH und VNLR arbeiten hier eng zusammen. Die Nachfrage bei den Verbrauchern ist sehr gut und immer wieder waren im Herbst 2020 in einigen Restaurants die Lammgerichte ausverkauft. Schäfer und Gastronomie zeigen sich begeistert und zufrieden.

Gemeinsam mit der Ökomodellregion Landkreis Fulda wirbt der VNLR seit Jahren für ein Heumilchprojekt. Ziel ist die Trocknung von Gras in einem schnellen, schonenden Verfahren, um insbesondere das für die Milcherzeugung wichtige Eiweiß zu erhalten und ein hochwertiges regionales Futter zu gewinnen. Eine erste Anlage befindet sich in Mahlerts im Aufbau. Da bei der Heumilch auf die Fütterung von Soja verzichtet wird und sich die Heumilch einer stetig wachsenden Beliebtheit beim Verbraucher erfreut, verspricht man sich beim VNLR wirtschaftliche Chancen für die heimische Landwirtschaft.

Umzug nach Hilders

Als ein Kraftakt für die Geschäftsstelle erwies sich im Juni 2020 der Umzug von der Wasserkuppe nach Hilders. Rund 500 Umzugskartons wurden beim VNLR ein- und ausgepackt, Möbel abgebaut, verladen und neu aufgebaut. Der Umzug, so betont der Geschäftsführer, hat sich für den VNLR gelohnt. Die Büros sind großzügig und hell, und auch von Hilders lassen sich die Projekte gut betreuen. Ebenfalls wird am neuen Standort die bewährte Zusammenarbeit mit der Verwaltung des Biosphärenreservats nahtlos fortgeführt.

Zur Bilanz des Jahres 2020 gehört der erfolgreich durchgeführte Bildungsurlaub, der gemeinsam mit der Heimvolkshochschule Burg Fürsteneck angeboten und durchgeführt wurde. Behandelt wurden die Themen Landwirtschaft, Naturschutz und Regionalentwicklung im Biosphärenreservat. Auch für 2021 wird dieser Bildungsurlaub wieder in das Programm von Fürsteneck aufgenommen.