Der Landkreis Fulda will eine Reihe politischer und juristischer Mittel ausschöpfen, um eine übermäßige Belastung des Kreises durch Starkstromtrassen zu verhindern. Eine Kernforderung: Die vieldiskutierte 600 Kilometer lange Nord-Süd-Trasse Südlink und die 130 Kilometer lange Trasse von Mecklar nach Grafenrheinfeld sollen parallel geplant werden.
Über die 500-Kilovolt-(KV)-Gleichstromtrasse Südlink wurde 2014 viel diskutiert: Im Frühjahr stellte der Netzbetreiber Tennet die Vorzugstrasse parallel zur A 7 und damit quer durch den Kreis vor. Ende September sorgte die Veröffentlichung von Alternativtrassen, vor allem die durch Bad Salzschlirf, Großenlüder und den Westen der Stadt Fulda, für wütende Proteste.
Der Netzbetreiber Tennet will aber noch eine weitere Starkstromtrasse bauen, die nach Einschätzung von Landrat Bernd Woide (CDU) mit größerer Wahrscheinlichkeit durch den Landkreis Fulda führt als Südlink. Für die 380 Kilovolt-Wechselstromleitung von Mecklar bei Bad Hersfeld nach Grafenrheinfeld bei Schweinfurt gibt es kaum andere Möglichkeiten als durch den Kreis Fulda. Im Netzentwicklungsplan des Bundes gibt es eine Zeichnung, die einen möglichen Verlauf durch den Kreis Fulda skizziert.

Tennet: Noch nichts geplant

Tennet erklärt aber bisher, die Trasse Mecklar-Grafenrheinfeld sei noch nicht geplant. Das will der Kreis nicht hinnehmen. "Wir fordern von Tennet und der Bundesnetzagentur, diese Trasse und Südlink parallel zu sehen. Es darf keine Salami-Taktik geben", sagt Woide. Dass der Kreis am Ende zwei neue Starkstromtrassen aufnehmen solle, sei nicht hinzunehmen. "Eine Stromtrasse behindert unsere wirtschaftliche Entwicklung", warnt der Landrat. Ohnehin führe schon eine 380-Kilovolt-Leitung über Eiterfeld, das Umspannwerk in Dipperz-Wisselsrod und Neuhof durch den Landkreis. Inwieweit die alte und die neue 380-KV-Leitung technisch und von der Sicherheit her gebündelt werden können, ist offen.
Gemeinsam mit 17 anderen Landkreisen entlang der Vorzugstrasse setzt sich der Kreis dafür ein, dass in einem transparenten Verfahren alle Varianten in der gleichen Tiefe untersucht werden. Diese Forderung bezieht sich insbesondere auf je eine Variante durch West- und durch Ostdeutschland. Das haben die Kreise bei einem Treffen in Hameln vereinbart. Fulda war durch Abteilungsleiter Bruno Günkel und seinen Stellvertreter Christof Erb vertreten. "Dass die Trasse durch Thüringen 60 Kilometer länger wäre, kann nicht das entscheidende Argument sein", sagt Woide. Vom Land Hessen könne in dieser Frage "durchaus mehr Unterstützung kommen", fordert er.

Ungeklärte Rechtsfragen

Rechtsdezernent und Erster Kreisbeigeordneter Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) berichtete, dass der Kreis Fulda plane, sich gemeinsam mit zwölf anderen Kreisen entlang der Vorzugstrasse juristisch zu wehren. Viele Rechtsfragen seien völlig ungeklärt. Dazu sei Kontakt mit dem auf derartige Planungsverfahren spezialisierten Berliner Anwaltsbüro de Witt aufgenommen worden. Ein Kritikpunkt ist, dass der Bund mit einem Fe derstrich ohne transparentes Verfahren die Nord-Süd-Projekte Brunsbüttel-Großgartach und Wilster-Grafenrheinfeld zu einem Vorhaben gebündelt hat.
Der Landkreis Fulda habe nicht den Anspruch, die Notwendigkeit der Trassen in Frage zu stellen. Das müsse auf Bundesebene geschehen, sagt Woide, und er fügt hinzu: "Aber wir wehren uns gegen eine überbordende Inanspruchnahme unseres Kreises."