"Bei Käse, Butter, Schnaps und Bier, halten wir die Stellung und auch die Stimmung hier".

Solche sprachlichen Bonmots, "Wort-Schmankerl", mehr oder weniger geistreiche Sinn- und Trinksprüche stehen in den sechs Gästebüchern der Klosterschänke Volkersberg aus den Jahren 1903 bis 1945. Sie galten jahrzehntelang als verschollen, bis sie die Hobby-Archivarin Rosalinde Schwarz Anfang des 21. Jahrhunderts auf dem Kreuzberg "wiederentdeckte", heißt es in einer Pressemitteilung von Arnold Brust und Hans-Peter Ehrensberger.

Das waren quasi die Triebfeder, der Startschuss und Beginn für weitere engagierte Heimat- und Geschichtsforscher aus der Umgebung, sich mit textlichen und bildlichen alten Schätzen aus der Historie des taffen Volkes am Fuße des Heiligen Berges zu befassen - die Orts-Chronik Volkers war geboren.

Mit viel Leidenschaft und Akribie

"Auf die Chronik" war quasi das Motto, als der damalige (2004 viel zu früh verstorbene) Pfarrer Ulrich Debler 2002 damit begann, mit viel Leidenschaft und Akribie Gästebücher, schulgeschichtliche Aufzeichnungen, Kriegsgefallenen- und Heimkehrer-Chroniken, Sterbebildchen, vor allem aber "kirchengeschichtliche Studien" über "Der(n) Volkersberg und sein Kloster", beispielsweise von einem Franziskanerpater namens Ambrosius Götzelmann 1923 in einem Buch niedergeschrieben, zu sammeln und zu archivieren. Über die besten "alten Unterlagen" verfüg(t)e zweifelsfrei die Pfarrei, aber auch die Aktenablagen von Feuerwehr, Tauchclub sowie Sport-, Tauben- und Familienförderverein boten einen reichen Fundus.

Auf vielen Chronisten aufgebaut

Sich auf die "alten Chronisten" wie Initiator Debler, Rita Weber, Gudrun Schubert, Udal Groß, Gerhard Wagner, Josef Walter, Guido Sauer, Wilfried Beck, Matthias Elm und Walter Kömpel stützend und berufend, bauten fortan Hermann Zeitz und vor allem Arnold Brust das Volkerser Dorfarchiv kontinuierlich auf und aus, sichteten "unzähliges ungehobeltes Material", füllten Klarsichtfolien, klebten alte Polaroid-Fotos auf Karton-Pappe auf, hefteten Gemeindeblätter in Leitz-Ordnern ab, dokumentierten den Beginn der "Städtepartnerschaft" mit "Volkers-Nord" seinerseits und die heutigen Freundschaftsbesuche an der Waterkant sowie in der hohen Rhön, erstellten ein "Promi"-, Personen- und Stadträte-Archiv. Sie listeten die Dorf- und Hausnamen auf, kartierten die Infrastruktur und Privathäuser, notierten das Gewerbe, Naturdenkmäler und Luftbilder, Helfer- und Einkaufslisten für die Bröggenäer Stadtfeste. Und sie sammelten in Vitrinen ein altes Glockenspiel, Feuerwehr-Pickelhauben-Helme und Floriansjünger-Uniformen, die Bekanntmachungs-Schelle der Gemeindediener, Fahnen, Schilder, Medaillen, Plaketten, Ehrenbriefe, Zeitungsartikel und Jubiläumsfest-Holzscheiben.

"Seit dem Dorffest 2010 wurde freilich nur noch wenig sortiert, geordnet, aufgeklebt und archiviert - aus unterschiedlichen, in erster Linie zeitlichen Gründen", bedauern Zeitz und Brust, die seit vergangenen Oktober indes wieder archivarisch am Werkeln sind. "Und eigentlich müsste das gesamte umfängliche Material auch noch digitalisiert werden", sagen die beiden Volkerser Hobby-Archivare.

Festprogramm am 22. Mai

"Auf ein Neues. Auf die Chronik" - lautet demnächst das altbekannte Motto. Und um dem Ganzen einen Impuls, quasi eine neue Initialzündung zu geben, findet deshalb am 22. Mai in und um das historische Schulgebäude in der Hauptstraße der vom Pfarreiengemeinschafts-Team organisierte "1. Volkerser Chronik-Tag" statt. Er beginnt um 10 Uhr mit einem vom katholischen Geistlichen Karl Ebner zelebrierten Gottesdienst. Danach stehen bei einem kleinen Imbiss und Getränken allen Volkersern aus Nord und Süd (natürlich auch aus Ost und West) die Räumlichkeiten offen, ist das Archiv der "Alten Schule" für Begegnungen, Diskussionen, Anregungen und Inaugenscheinnahme, oder, wie es Brust und Zeitz formulierten, "für Gucken, Babbeln, in den Büchern blättern und in alten Zeiten schwelgen" bereit.