Die am besten besuchte "Bröggenäer" Bürgerversammlung in diesem Jahr bildete gleichzeitig das Abschluss-Event. Im TSV-Sportheim hatten sich gut 50 wissbegierige und diskussionsfreudige Zuhörer eingefunden. Wirklich große Volkerser Probleme wurden nach des Bürgermeisters Eingangs-Statement über zurückliegende, aktuelle und künftige (vorwiegend Bau-)Projekte nicht thematisiert.

Oliver Blum sprach Bürgermeister Jochen Vogel und den anwesenden Stadträten eingangs "ein großes Lob, für das, was bisher passiert ist und geleistet wurde" aus. Seine große Sorge galt freilich dem Aussterben der heimischen Wirtshäuser. "Bricht denn niemand eine Lanze für unsere Gastronomie? Kauft denn keiner auf, was noch übrig und am Leben geblieben ist? Könnte man nicht bessere Hinweisschilder entlang des Rhönexpress-Radweges für die Gasthäuser aufstellen? Kann man nicht irgendeine Steuer zur Unterstützung abzwacken, denn neben den Touristen haben auch wir Hunger und Durst?"

Problem der Wirte

Der Rathauschef bezweifelte, dass man als Stadt konkret was tun könne, verwies auf eine schon existierende ausreichende Beschilderung, staatliche Förderprogramme und das CDU/CSU-Wahlversprechen auf Beibehaltung der 7-prozentigen Mehrwertsteuer sowie Eigeninitiative in der Gastronomie. Viele Wirte hätten in der Corona-Zeit Geld bekommen, "das Hauptproblem ist aber eher das Weglaufen der Servicekräfte."

Werner Reiser stellte die Frage nach dem Schuldenstand von Bad Brückenau. Vogel sowie Fachbereichsleiter Michael Worschech und -leiterin Julia Spahn, zeigten sich dementsprechend bestens vorbereitet. Hier das exakte Zahlenwerk mit Stand 31.12.2020 (ohne Eigenbetrieb): 1.414.648 Euro - das ist eine Pro-Kopf-Verschuldung von 218,65 Euro.

Ein "Kötzner-internes Streitgespräch" (Ludwig und Thomas) über mehrere Stammtische hinweg gab es bezüglich der "Drecksstraßen" in einigen Teilen Bad Brückenaus. "Von Volkers kommend rumpelt man regelrecht in die Stadt hinein", sprachen beide, wenngleich aus unterschiedlichen Perspektiven, explizit den neuralgischen Abschnitt oberhalb des Obermang-Parkplatzes an. Auch den Hammelburger Berg mit dem "Ameisen-Bläuling" und der "Haselmaus" machte nahezu das gesamte Auditorium als Problem-Abschnitt aus. Ein Zwischenrufer: "Die Maus muss raus." Vogel informierte über "gute Gespräche" mit dem Staatlichen Straßenbauamt in Schweinfurt, "so langsam kommt Bewegung in beide Bereiche rein."

Leerstände in der Stadt

"Was gedenkt die Stadt hinsichtlich des Leerstands-Managements in der Ludwigstraße zu tun?", wollte Carmen Brust wissen. "Gespräche führen, wo es solche zu führen gilt. Nach Förderprogrammen Ausschau halten. Mit den Eigentümern im Austausch bleiben und gegebenenfalls flankierend eingreifen", so Vogels Replik - "egal, ob die Ludwigstraße auf oder zu ist, mal mit oder ohne Verkehr läuft."

Oliver Blums Frage, ob "hinsichtlich möglicher afghanischer Flüchtlingskontingente etwas für Volkers zu befürchten" sei, beantwortete Ludwig Kötzner mit "lachhaft", die Familie Brust mit "unnötig und überflüssig, wir haben als unmittelbare Nachbarn des Flüchtlingsheims noch nie Probleme mit den rund 80 Bewohnern gehabt" und der Bürgermeister schlichtweg mit "nein".

Beleuchtung im Industriegebiet

Carmen Brusts zweite Frage galt einem möglichen Frei-WLAN-Anschluss in der Kernstadt. Vogel dazu: "Kommunen sollten nicht als Betreiber auftreten." Die Telekom wolle aber Masten und Netz weiter ausbauen.

Anja Prucha thematisierte den "Pink-Lauf". Nach neuneinhalb Jahren stehe heuer der 9 ¾ und nächstes Jahr hoffentlich der zehnjährige Jubiläumslauf an, so der Bürgermeister. Für "ein paar wenige Leute" könne man das Event aber nicht organisieren, hegte er Befürchtungen hinsichtlich weiterer Corona-Wellen.

Martin Schneider will "eine bessere Beleuchtung hinten im Industriegebiet". Erneut konterte Ludwig Kötzner (diesmal als Anlieger) unter lautem Lachen: "Gerade das wollen wir dahinten bei uns eben nicht. Bloß stillhalten."

Eine bessere Ausleuchtung wünscht sich auch Christel Seebach für das fehlende Zwischenstück auf dem Fuß- und Fahrradweg hoch zum Volkersberg zwischen Bungalowdorf und Bildungsstätte - für Spazier- und Kirchgänger aber auch die vielen Gäste von droben auf dem Weg nach drunten, weil es demnächst doch wieder früher dunkel wird."

Ortssprecherin Heike Kötzner klärte darüber auf, dass in diesem Bereich seinerzeit beim Bau des Weges schon prophylaktisch Kabel verlegt wurden, die man jetzt möglicherweise nutzen könnte.

Und auch ihre selbst aufgestellten Wasserkübel für die Dorfverschönerung mit Blumen- und Strauchschmuck am Kapellchen und Marterl sähen Mutter und Tochter Seebach/Brust gerne und üppiger durch den Städtischen Bauhof mit flüssigem Nass gefüllt. Im Anschluss diskutierten die Volkerser noch lange und angeregt an den Stammtischen über ihre kleine, aber irgendwie doch heile Welt am Fuße des Heiligen Berges...