"Küchenbrand im Untergeschoss, zehn vermisste Personen" lautete der Sachverhalt bei der Großübung im Kinderdorf St. Anton in Riedenberg. Acht Wehren und zwei Einsatzfahrzeuge des Roten Kreuzes nahmen mit rund 80 Aktiven am Freitagabend daran teil. Kurz von 18.30 Uhr heulten in Riedenberg, Oberbach, Wildflecken und Oberwildflecken, sowie in Römershag, Bad Brückenau, Volkers und Wernarz die Sirenen zum Einsatz.

Zu eng für die Drehleiter

Im Kinderdorf war zu diesem Zeitpunkt bereits das echt anmutende Szenario vorbereitet: Dichter Qualm drang aus einem Haus im Tannenweg, zehn Jugendliche warteten schon auf ihre "Rettung". Das ist durchaus realistisch: Die Häuser sind mit durchschnittlich zehn Kindern und Jugendlichen sowie Erziehern belegt.

Problem für die Einsatzkräfte: Die Sträßchen innerhalb des Kinderdorfes sind sehr eng, die Häuser an Hängen gebaut. Bei einigen ist das Erreichen der zweistöckigen Unterseite mit Drehleiter und Rettungskorb nicht möglich. Hohe Bäume und der steile Hang machen die Zufahrt unmöglich.

Einige der jugendlichen Darsteller hatten sich bereits an die Fenster der Hausunterseite geflüchtet und wurden über eine Leiter - mit Seilen gesichert - gerettet. Die Rettungssanitäter aus Bad Brückenau nahmen die "Verletzten" anschließend sofort in ihre Obhut und kümmerten sich um die Erstversorgung.

Vermisste fehlten

Trotzdem fehlten einige "vermisste" Personen. Mit Atemschutzgerät mussten die Feuerwehrleute in den dichten Rauch, um sich auf die Suche zu machen. Das bedeutete auch, dass man mit für Kinder typischen Reaktionen rechnen musste: unter Betten oder in Schränken versteckten sich die Kinder und Jugendlichen. Um ganz sicher zu sein, alle Vermissten auffinden zu können, kamen auch Wärmebildkameras zum Einsatz.

Zwar gibt es einige Hydranten innerhalb des Kinderdorfes, doch der Druck reicht nicht für alle Fälle aus. Deshalb legten mehrere Wehren gemeinsam eine Schlauchleitung von der Sinn die komplette Frühlingstraße hoch bis ins Kinderdorf.

Bei der Großübung wurden gleich mehrere Probleme offensichtlich: So ist es unmöglich, dass mehrere Einsatz-Fahrzeuge gemeinsam im Kinderdorf anrücken. Die Fahrzeuge würden sich gegenseitig behindern, die kleinen engen Gässchen eher verstopfen, als zum Einsatzort zu gelangen.

Nachbesserung bei Hydranten?

"Wenn dann noch zahlreiche Autos in kleinen Parkbuchten stehen, wie es oft der Fall ist, wird das zu einem Riesenproblem", erklärten die verantwortlichen Einsatzleiter. Deshalb wurden die anrückenden Wehren zunächst bereits im Sinngrund aufgehalten und ganz gezielt verteilt, beziehungsweise erst weiter geschickt, wenn konkreter Bedarf angemeldet wurde. "Andernfalls würden wir uns alle selbst im Wege stehen", sagte Guido Schneider von der Riedenberger Wehr.

Bei der abschließenden Besprechung, zu der sich alle teilnehmenden Wehren und Sanitäter im Feuerwehrgebäude trafen, wurden auch ganz schnell und konkret dringend notwendige Veränderungen und Verbesserungen angemahnt. Am wichtigsten wurde die Ausstattung mit leistungsfähigen Löschhydranten im ganzen Kinderdorf gefordert. Viel zu lange dauere es im Ernstfall, bei dem jede Minute zählt, erst eine Schlauchleitung über mehrere hundert Meter legen zu müssen.

Auch das Platzproblem könnte nach Meinung der Einsatzkräfte einmal zum Supergau werden. Oft seien Straßen und Zufahrtswege mit Autos von Feriengästen zugeparkt. Noch kritischer sei die Lage bei Großveranstaltungen in der Turnhalle. Hier müsse unbedingt ein Plan geschaffen werden, der sicherstellt, dass im Ernstfall die ohnehin sehr engen Sträßchen zumindest befahrbar für die Löschfahrzeuge bleiben.