Wenn es oben auf der Römershager Talbrücke der A7 heftig kracht, weiß Kurt Scheller schon Bescheid. Dann muss der Landwirt auf seinen Feldern unterhalb der Autobahnbrücke mit herabgefallenen Teilen rechnen. "Geländerstangen, Beschilderung, Teile von Autos, von der Felgenabdeckung über Spiegel und Glas bis zu Front- und Heckspoilern - alles, was so abreißt", hat Scheller schon gefunden.

Zum Beweis kramt er eine drei Meter lange Geländestange aus einem Haufen Metall hervor, bestimmt 20 Kilo schwer. Wenn man davon getroffen werde, sei nichts mehr zu machen, sagt er. Zum Glück sei an der Römershager Talbrücke noch kein Auto heruntergefallen, auch wenn es mal kurz davor war. Aber an der benachbarten Sinntalbrücke bei Riedenberg stürzten nach Schellers Angaben im Laufe der Jahre schon drei Pkw und ein Lkw in die Tiefe.

Schutzwand in Aussicht gestellt

Schellers eigenes Anwesen liegt vielleicht 60 Meter von der Brücke oberhalb von Römershag entfernt. Dessen Einwohner hatten ja gekämpft, mit dem Ersatzneubau einen Lärmschutz nach aktuellen Richtlinien eines Neubaus zu bekommen. Zumindest teilweise mit Erfolg. Die neue Römershager Talbrücke soll in Fahrtrichtung Würzburg eine transparente, 2,50 Meter hohe Schutzwand erhalten. Das teilte die Autobahn GmbH des Bundes (vormals Autobahndirektion Nordbayern) in einer Pressemitteilung mit. Die Schutzwand solle verhindern, dass Gegenstände von der Brücke fallen. Daran schließe sich eine etwa 1,10 Meter hohe Betonschutzwand an, die driftende Fahrzeuge abfangen soll.

Allerdings müssen die Römershager auf die Schutzmauern länger warten als gehofft. Denn die Autobahn GmbH teilt auf Nachfrage mit: "Der eigentliche Baubeginn für Ersatzneubau der Talbrücke Römershag ist für das II. Quartal 2022 geplant." Als "Vormaßnahme" würden im Winter 2021/2022 Holzungsarbeiten laufen.

Ablauf des Ersatzneubaus

Danach soll der Ersatzneubau diesem Ablauf grob folgen: Zuerst wird auf der bestehenden Richtungsfahrbahn Würzburg eine sogenannte "0+4-Verkehrsführung" eingerichtet. Das bedeutet, dass alle vier Fahrspuren (Richtung Fulda und Würzburg) auf diesen Teil der Brücke verlegt werden, wenn auch verengt. Danach wird der bestehende Brückenteil mit der jetzigen Richtungsfahrbahn Fulda abgerissen, inklusive Einrichten von Baustraßen. Dann wird die Brücke in Fahrtrichtung Fulda neu gebaut.

Wenn diese fertiggestellt ist, wird der gesamte Verkehr auf den neuen Brückenteil umgelegt. Anschließend fällt das bestehende Bauwerk in Fahrtrichtung Würzburg. Auch es wird neu gebaut. Das bedeutet, dass die Anwohner ihren Lärm- und Herabfallschutz so ziemlich am Schluss erhalten. "Die Gesamtfertigstellung ist bis Ende 2028 geplant", heißt es noch von der Autobahn GmbH.

Dass der eigentliche Abriss und Neubau der Talbrücke erst im Frühjahr beginnt, hält Römershags Ortsvorsteher Dieter Seban "nicht so dramatisch. Hauptsache, es geht los". Die Römershager würden sich schon auf den kommenden Schutz freuen.

Baustellenverkehr nicht durchs Dorf

Für Seban hat der Bau auch längst begonnen. Immer wieder fahren kleinere Baufahrzeuge an seinem Haus vorbei. Vorbereitungen für die Baustraßen würden getroffen, die Randbereiche der bestehenden Fahrbahn zwischen der Anschlussstelle Volkers und der Brücke verstärkt. "Uns Römershagern wurde zugesichert, dass der Hauptbaustellenverkehr nicht durchs Dorf verlaufen soll."

Dass es mit dem Ersatzneubau erst 2022 losgehen wird, ist auch Kurt Schellers Wissensstand. Da eine unterhalb der Brücke geplante Baustraße die Zufahrt zu einem ihm gehörenden Futtersilo versperren würde, werde es versetzt. Dazu habe es kürzlich Gespräche gegeben.

Scheller würde sich freuen, bald keine Teile mehr aufsammeln zu müssen. Weil dann Wände die Römershager und auch den unter der Brücke verlaufenden Rad- und Wanderweg schützen.