Schweren Herzens hatten die Verantwortlichen des Kunsthaus e.V. ihr Jahresprogramm immer wieder aufgrund der Pandemie gekürzt. Es entstand ein Mini-Herbstprogramm, das mit Maria Ungers Autorenlesung Ende September sehr erfolgreich begann. Jetzt war zum 2. Mal nach 2018 der mehrfach für den besten Folk-Song und als bester Folk-Singer ausgezeichnete gebürtige Ire Saoirse Mhor zu Gast in der Galerie Form und Farbe in Bad Brückenau.

Mit den Worten "Sie sehen hier einen Überglücklichen" begrüßte Galerist Dieter Unger das Publikum im bis auf den letzten Platz ausverkauften Haus - was unter den aktuellen Bedingungen nur ein Drittel der sonst verfügbaren Plätze bedeutet. Weitere Interessenten mussten zuvor leider abgewiesen werden.

Die drei Musiker von Saoirse Mhor and friends wirkten mit ihrem unprätentiösen Auftreten sofort sympathisch, zogen schon mit dem ersten Song das Publikum mit - kein verhaltenes Warmwerden, keine abwartende Reaktion des Publikums - die irisch-keltische Seele der drei Protagonisten faszinierte von Beginn an. Die drei auf der Bühne wirkten wie aus einem Guss: der sensible Geiger Stefan Emde, der die Füße beim Fiddeln kaum ruhig halten kann, auch wenn er mit geschlossenen Augen sich in seine Musik träumt, Frontmann Saoirse Mhor, der mit seiner unverwechselbar warmen, mit leichtem Timbre versehenen Stimme und viel Empathie über die schwierigen Seiten des Lebens singt, über arbeitslose Familienväter, im Sturm zu Tode gekommene Fischer, Hochverrat, familiäre Gewalt und soziale Probleme in seiner Heimat und mit seinem verschmitzten Lächeln doch nie ganz hoffnungslos wirkt und Michael Busch, der fast mit den Saiten seiner Gitarre verschmilzt und sich am Ende selbstironisch zu seiner "subtilen Bühnenshow" äußert.

Auch wenn es das neue Album nicht rechtzeitig geschafft hat, durfte das Publikum einige der Stücke schon hören und zum Ende gab es das Versprechen, in zwei Jahren wiederzukommen, wenn hoffentlich wieder zweimal mehr Zuhörer applaudieren dürfen.

Erst nach der dritten Zugabe schickten Saoirse Mhor and friends die Zuhörer nachhause nach einem teils schwungvoll fröhlichen, oft nachdenklich stimmenden, atmosphärisch dichten und leicht melancholischen Folkgenuss und mit einem kundigen Publikum, das den Applaus hinauszögert bis die letzte Schwingung der Saiten verklungen ist. Ein Abend, der Hoffnung gibt, dass es doch irgendwie geht, Corona und Kultur zusammenzubringen.