Im Sternenpark Rhön steht der Schutz der Nacht, also die Eindämmung von Lichtverschmutzung, im Fokus. Im Rahmen eines bürgerwissenschaftlichen Projekts der Verwaltungen des Unesco-Biosphärenreservats Rhön und dem Verein Sternenpark Rhön e. V. sind Rhönerinnen und Rhöner im Winter 2021/2022 dazu aufgerufen, zu zeigen, wo in der Rhön bereits gute Lösungen zur Eindämmung von Lichtverschmutzung gefunden wurden - aber auch, wo es noch Verbesserungspotenzial gibt. Das Projekt startet am Mittwoch, 1. Dezember, heißt es in einer Pressemitteilung des Biosphärenreservats .

Sternenpark-Beleuchtungsrichtlinie

Mittlerweile zählt Lichtverschmutzung - die Aufhellung des Nachthimmels durch Kunstlicht - als schädliche Umwelteinwirkung, gegen die künftig auf Grundlage einer Neuerung des Bundesnaturschutzgesetzes verstärkt und in allen Bereichen vorgegangen werden soll. Im Unesco-Biosphärenreservat Rhön ist das bereits seit der Anerkennung als Internationaler Sternenpark ein wichtiges Ziel. Die beteiligten Kommunen setzen in Zusammenarbeit mit den örtlichen Energieversorgern im Bereich der öffentlichen Beleuchtung die Sternenpark-Beleuchtungsrichtlinie um. Diese basiert auf Vorgaben, die nun die Bundesregierung in ihre Gesetzgebung mit aufnehmen wird.

Licht aus in der Nacht zum 1. August

Im Sommer 2021 hatten zahlreiche Kommunen ein weiteres Zeichen gesetzt: Im Rahmen der Sternenparkwochen beteiligten sie sich an der Aktion "Licht aus - Sterne an" und schalteten an ausgewählten Stellen die öffentliche Beleuchtung zeitweise gänzlich ab. "Wir waren überwältigt von der spontanen Bereitschaft der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, sich zu beteiligen", betonen Ulrike Schade, Leiterin der Thüringer Verwaltung des Unesco-Biosphärenreservats Rhön, und Sabine Frank, Sternenpark-Koordinatorin beim Landkreis Fulda. Bei der Aktion in der Nacht zum 1. August erlebten rund 64.000 Rhönerinnen und Rhöner sowie Urlaubsgäste eine bestmöglich dunkle Nacht mit einem besonders natürlichen Sternenhimmel,der sogar den Nachweis seltener astronomischer Phänomene wie des nur selten zu entdeckenden "Airglow" ermöglichte. Die Aktion zeigte aber auch, dass verbliebene Kunstlichtquellen auch bei bestmöglicher Eindämmung entsprechend der Sternenpark-Vorgaben den natürlichen Nachthimmel immer noch deutlich aufhellen kann - der Unterschied vor und nach der Abschaltung war gut zu erkennen.

Online-Portal zum Melden von Beleuchtungsanlagen

Selbstverständlich ist nächtliche Beleuchtung im Sinne eines Sicherheitsanspruchs nicht überall verzichtbar - zum Beispiel auf Gehwegen und Treppen. Oftmals sind diese Leuchtquellen aber unnötig hell oder strahlen Licht in alle Richtungen ab. Und Werbeanlagen und Schaufenster sind die ganze Nacht blendend hell erleuchtet, obwohl alles schläft und die Straßen leer sind, so die Pressemitteilung weiter. Das soll im Sternenpark Rhön verbessert und intelligenter gelöst werden - ganz im Sinne "Mensch. Natur. Einklang". Die Beleuchtungsrichtlinie und die technischen "Planungshilfen für umweltverträgliche Außenbeleuchtung" beziehen daher wichtige Parameter wie Lichtlenkung, -menge und -farbe mit ein. So soll Lichtverschmutzung bestmöglich eingedämmt werden, was ein wichtiger Baustein im Klima- und Artenschutz ist.

Wo funktioniert das im öffentlichen Bereich und in Gewerbegebieten besonders gut? Wo gibt es noch Verbesserungspotential? Vom 1. Dezember 2021 bis 28. Februar 2022 sind Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, Standorte in der Rhön zu melden, die ihnen aufgefallen sind - positiv oder negativ. Hierzu hat der Verein Sternenpark Rhön e. V. eine Projektseite mit Meldeformular eingerichtet. "Wir freuen uns über Fotos, die die jeweiligen Beleuchtungsanlagen sowohl bei Tag als auch eingeschaltet in der Dämmerung beziehungsweise in der Nacht zeigen", sagt Ulrike Schade. "So können wir gezielt dort Beratungsangebote schaffen, wo noch Verbesserungspotenzial besteht." Die gesammelten Daten werden nicht veröffentlicht, sie werden anonymisiert und vertraulich behandelt und von den Verwaltungen des Unesco-Biosphärenreservats Rhön in Bayern, Hessen und Thüringen ausschließlich intern für die Forschungs- und Monitoringarbeit verwendet. Alle Infos zum Projekt und zu "guter" und "schlechter" Beleuchtung sowie das Meldeformular findet man auf der Homepage des Sternenparks und unter dem direkten Link zum bürgerwissenschaftlichen Projekt.