Im vergangenen Sommer hatte das Unesco-Biosphärenreservat Rhön eine besondere Mitmachaktion gestartet: Rhöner Bürger waren aufgerufen, Orte auf historischen Bildern zu erkennen, diese ausfindig zu machen und neu zu fotografieren. Entstanden sind 22 einzigartige Bildvergleiche, die nun als Postkarten veröffentlicht worden sind. Die kostenlosen Karten sind ab sofort in den Infozentren des Biosphärenreservats erhältlich - solange der Vorrat reicht.

Simmelsberg, Oberelsbach, Hilders, Kreuzberg und Co.: Die Postkarten zeigen beeindruckende Vergleichsbilder der Rhön - je ein historisches und das entsprechende aktuelle Bild. Die Foto-Mitmachaktion entstand als Idee aus der wissenschaftlichen Projektreihe "Historische Kulturlandschaft Rhön" heraus, die die Kultur- und Sozialgeschichte der Kulturlandschaft Rhön dokumentiert. Die Fotos geben Aufschluss darüber, wie sich die vom Menschen seit Jahrhunderten geprägte Kulturlandschaft in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat.

Bilder aus den 1920ern und 1930ern

Zunächst wurden im Internet 35 Bilder aus dem Archiv des Fränkischen Freilandmuseums Fladungen veröffentlicht. Sie stammen vom Rhönklub-Mitglied Hermann Eckert aus Eisenach, der die Rhön in den 1920er- und 1930er-Jahren bei Wanderungen erkundete und seine Eindrücke in Malereien und Fotografien festhielt. Für 22 dieser historischen Motive schickten Rhöner Bürger aktuelle Fotos ein.

Dorothea Leyrer und Barbara Kaden, Studierende der Geographie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, untersuchten daraufhin jedes der Motive. "Manche Ortschaften sehen auf den ersten Blick nicht gravierend anders aus als damals. Bei genauerem Hinsehen hat sich aber vieles im Umfeld verändert", sagt Torsten Raab, Leiter der hessischen Verwaltungsstelle. Zu diesem Schluss kommen auch die beiden Studentinnen in ihrer Auswertung: "Offenlandschaften wie Weiden und Wiesen sind um die Ortschaften kleiner geworden, da es andere Möglichkeiten gibt, das Vieh zu halten und zu ernähren. Auf den Bildern ist eindrücklich zu sehen, wie schnell die Wiederbewaldung dieser freien Flächen einsetzt."

Wert der Kulturlandschaft bewusst machen

Das Projekt vermittle anschaulich, "dass unsere Landschaft sich stetig verändert", sagt Michael Geier, Leiter der bayerischen Verwaltungsstelle. "Es kommt darauf an, wie wir damit umgehen und was wir daraus machen." Hierbei gelte es vor allem, die Innenorte attraktiv zu gestalten und zu erhalten, ergänzt Julia Rösch, Mitarbeiterin für nachhaltige Entwicklung der bayerischen Verwaltungsstelle. Ein erster Schritt sei, der Bevölkerung den Wert ihrer Kulturlandschaft bewusst zu machen. Hierzu sollen Projekte wie die Foto-Mitmachaktion beitragen. "Unsere Dörfer sind lobens- und liebenswert", sagt Karl-Friedrich Abe, Leiter der thüringer Verwaltungsstelle. "Dass wir stolz darauf sind, gilt es, regelmäßig zu zeigen."

Weitere Infos zur Projektreihe "Historische Kulturlandschaft Rhön" sowie zur Foto-Mitmachaktion inklusive Auswertung und allen Motiven finden Sie auf der Homepage des Biosphärenreservats.