"Wir haben ihm sehr viel zu verdanken und können seinen immensen Einsatz gar nicht hoch genug schätzen", lobt Pfarrer Gerd Kirchner das lange Wirken des Seniors. Denn Raab war rund 30 Jahre lang immer mit Rat und Tat zur Stelle, wenn eine helfende Hand gebraucht wurde. "Nicht verzagen, Otto fragen" - dieser Satz beschreibt in wenigen Worten sehr treffend das vielfältige Engagement des gelernten Gärtners, der sich seit 1984 bis ins hohe Alter um das Gotteshaus und die Außenanlagen der Friedenskirche im Georgi-Kurpark kümmerte - immer war alles sehr gepflegt.

Und ohne den Mesner lief bei den sonntäglichen Gottesdiensten praktisch nichts. Akribisch traf er alle Vorbereitungen vom Anzünden der Kerzen über das Stecken der Liednummerntafeln bis zum Ordnen der Klingelbeutel. Stets mit einem Lächeln im Gesicht und mit großer Geste überreichte er jedem einzelnen Gläubigen am Eingang zur Kirche vor den Gottesdiensten ein Gesangbuch.

Etliche Baumaßnahmen begleitet

Wenn der Senior, der aus Detter stammt, heute ins Erzählen kommt, dann wird ein Stück Gemeindegeschichte lebendig. Denn auch etliche Baumaßnahmen begleitete Raab im Laufe der Jahre. "Er kannte einfach alle Ecken und Enden im Umfeld der Friedenskirche und wusste auch ohne detaillierte Planskizze ganz genau, wo jede Versorgungsleitung liegt. Darüber hinaus waren seine guten Kontakte zum städtischen Bauhof für uns Gold wert", erinnert sich Kirchner, der seit Juni 2000 evangelischer Pfarrer von Bad Brückenau ist. Schließlich hatte Raab schon für dessen Vorgänger Friedhelm von Czettritz und Neuhaus sowie Rainer Gollwitzer mit dem ihm eigenen Elan gearbeitet.

Auf ihn konnten sich die Geistlichen einfach verlassen. Zeitweise mähte er in seiner Freizeit sogar die große Wiese vor dem Pfarramt im Auerhahnweg. Und immer wieder stiftete er auch etliche Dinge zur Verschönerung wie beispielsweise prachtvolle Rosenstöcke oder eine gemütliche Sitzbank im Außenbereich des Gotteshauses im Georgi-Kurpark, die noch heute zum Verweilen einlädt und an der Lehne gut sichtbar seine Namensplakette trägt.

Gerne ein Schwätzchen

Schon fast legendär ist Raabs ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit, die er auch heute noch kontinuierlich pflegt. Wenn Raab täglich mit seinem Rollator in der Stadt unterwegs ist, bleibt es gar nicht aus, dass er immer wieder Freunde und Bekannte aus alten Zeiten trifft. Da wird dann temperamentvoll geplaudert und auch die eine oder andere Anekdote in aller Ausführlichkeit angesprochen. Und wenn es die Zeit und Corona erlauben, schaut er gern auf ein Schwätzchen bei Pfarrersgattin Martina Kirchner im Weltladen in der Ludwigstraße vorbei.