"Lasttier aus südlichen Ländern mit vier Buchstaben?": Esel! "Heimische Nutztierrasse mit fünf Lettern?": Ochse! Eine noch gewichtigere Rolle als bei kundigen Kreuzworträtsel-Fans spielen Ochs und Esel allerdings während der Weihnachtszeit - in Krippendarstellungen als geschnitzte Holzfiguren, mitunter sogar als lebendige Darsteller auf Adventmärkten.

Welchen Stellenwert genießen Ochs und Esel sowie Schafe in der heutigen Zeit eigentlich noch? Der Autor hat sich im Kontext biblischer Erzählungen rund um die Geburt Christi sozusagen mit Maria und Josef auf den Weg gemacht und in heimischen Ställen und auf Weiden aktuell nach den vierbeinigen Protagonisten Ausschau gehalten. Herausgekommen ist dabei eine tierisch schöne Weihnachtsgeschichte...

Einmalige "biblische Konstellation"

Eine wohl einmalige "biblische Konstellation" von Ochs und Esel sowie Schafen in der heutigen Zeit findet man bei Hans Karl Heilmann aus Obersinn. Der Forstwirtschaftsmeister hat sowohl sechs Rinder (darunter zwei Ochsen - ein älteres Zuchtstier und ein Jungbulle - und vier Kühe) sowie zwei Esel (Festus und Max) als auch 26 Schafe (einen Bock und 25 Mutterschafe) in seinem Stall. Das heißt: In der vergangenen Woche standen sie noch auf den ziemlich kahlgefressenen Schachblumenwiesen im Unteren Sinngrund zwischen Zeitlofs und Altengronau beziehungsweise auf einer "Rhön-Alm" in der Nähe von Roßbach. Rechtzeitig zu Weihnachten jedoch stehen alle drei Tierarten gemeinsam im heimischen Stall und Pferch.

Pure Tierliebe

Der schwarzgemusterte "Festus" wurde vom Veterinäramt eingezogen und war vorübergehend bei einer Tierärztin in Völkersleier untergebracht. Dort hat Heilmann vor sieben Jahren den mittlerweile 20-jährigen "Schmuser aus purer Tierliebe abgeholt". Grautier "Max" - mit typisch eselfarbigem Pelz und dunklem Rückenstrich, acht Jahre alt - hat der Hobby-Landwirt (Achtung, aufgemerkt!) in Ochsenfurt bei der "Arche Noah" gegen eine Spende erworben.

Anfänglich waren beide ziemlich scheu und skeptisch, mittlerweile sind sie unzertrennlich. Und keiner setzt ohne den anderen vierbeinigen Kollegen auch nur einen Huf vor den anderen. Die Esel sind total aufeinander fixiert, "spielerischen Zoff" gibt es allenfalls, wenn Heilmann ihnen Möhren als Leckerli mit dem Mund kredenzt. Und, wenn Festus beim Ausführen auf Max warten muss, weil der einmal mehr 20 Minuten am Wegesrand an Brombeersträuchern, Disteln und dürren Blättern nagt, knabbert und kaut. Oder die Esel über Gitterroste und Gullydeckel laufen sollen. Das mögen sie überhaupt nicht. Auch kurzfristige Eifersüchteleien lassen sich kaum vermeiden, wenn es darum geht, wer als erstes die kleinen Enkelkinder von Hans Karl Heilmann auf dem Rücken zum "Reiten" tragen darf. Dann muss man(n) die "lange Leine" schon mal etwas kürzer ziehen.

So macht sich denn das Duo mit seinem 60-jährigen menschlichen Leittier auf den Trip Richtung Bulle "Karl-Heinz" und dessen sechsköpfiger Dexter-Rind-Herde weiter unten im Tal. Das stimmt nicht ganz, denn Hütehund Hannah, ein Australian Shepherd, macht mit beim vierbeinigen Trab des Trios. Esel und Ochsen sind miteinander vertraut, noch fremdeln sie freilich anfangs ein wenig, weil sie sich den ganzen Sommer über wegen der getrennten Weidehaltung nicht "beschnuppern" konnten.

Schaf mit Sondergenehmigung

Auch die Rhönschafe und die Rasse "Coburger Füchse" (übrigens: Das einzige "schwarze", eigentlich mehr braune Schaf in der 26-köpfige Herde, stammt aus Untererthal und durfte nur mit Sondergenehmigung in die Heilmann'sche Bio-Gemeinschaft integriert werden) sind mit den Eseln vertraut und rennen ihnen freudig entgegen. Fast alle Mutterschafe sind vom einzigen Bock trächtig und lammen im Januar. Bis zum Scheren und Schlachten ist es noch ein wenig hin - das passt auch nicht so richtig zur freudseligen Weihnachtsgeschichte. Und irgendwie nicht wirklich in diese Corona-Zeit.

So wie Heilmanns Pläne von einer lebenden Krippe, die sich heuer leider nicht realisieren ließen. Hoffen wir, dass es 2021 klappt, und sich Ochs und Esel (sowie Schafe) im nächsten Jahr gemeinsam mit Mensch und Tier vor dem Christkind versammeln können....

Hintergrund

Ochsen: Landwirte, die Ochsen halten, gibt es rund um Bad Brückenau noch einige. Etwa auf dem "Röderhof" oder in der "Weidegenossenschaft Eckarts". Auf zwei großflächigen Weiden (circa 25 bzw. 28 Hektar) oberhalb und unterhalb des Dorfes steht dort ganzjährig in der Sinnaue Fränkisches Fleckvieh im Freien. Die Weidegenossenschaft führt dieses extensive Grünlandprojekt mit "0,3 bis 0,6 Großvieheinheiten pro Hektar und Jahr durch" - so heißt es im Fachjargon und meint Rinder. Die Rinder leben das ganze Jahr über nur von Raufutter (Gras, Grassilage, Heu) und bekommen kein zusätzliches Kraftfutter, steht auf den Schautafeln zu lesen. Bilder von kastrierten Ochsen, die wegen ihrer größeren Leistungsfähigkeit gegenüber weiblichen Rindern als Zugtiere vor Leiterwagen oder als Arbeitstiere vor Pflüge gespannt wurden, dürften jedoch nur noch die älteren Leser aus ihren Kindertagen kennen.

Esel: Die Zahl der Esel in heimischen Ställen und auf Weiden ist weitaus geringer und dürfte sich laut Schätzungen von Tierärzten rund um Bad Brückenau an den Fingern zweier Hände abzählen lassen. Esel gibt es unter anderem noch bei Nebenerwerbslandwirten und auf Ferienhöfen. Tierschützer haben manche auf Veranlassung des Veterinäramtes aus mitunter misslichen Zuständen gerettet und/oder von so genannten Gnadenhöfen freigekauft. Sie werden in erster Linie aus Tierliebe, als Therapietiere bei (Vor-)Führungen und Wanderungen in Kindergärten, Schulen, Seniorenheimen und Behinderteneinrichtungen sowie als Streicheltiere in kleineren Zoos eingesetzt. Liebhaber der treuherzigen und gutmütigen, mitunter freilich auch störrischen Tiere, sind vielfach mit diesen "groß geworden" und halten sie traditionell, wie etwa Bad Brückenaus Staatsbad-Kurgärtner Robert Hildmann sein männliches Zwillingspärchen. Auch in Unterleichtersbach und Motten werden (noch) Esel gehalten.