Da trafen zwei Multitalente aufeinander in Schroeders Buchcafé: Dr. phil. Gerlinde Kraus und der Maler und Musiker "Klanggärtner Ornatus" Wolf-Maria Reich aus Bad Kissingen.

Reich präsentierte einen Teil seiner umfangreichen und vielfältigen Werke, die sowohl musikalischer als auch aquarellierter Natur sind. Musikalisch umrahmt und begleitet wurde die Ausstellung seiner Bilder von ihm höchstpersönlich.

Wenn auf jemanden die Floskeln zutreffen, "der hat schon viel durchgemacht in seinem Leben" und "die ganze Welt gesehen", dann auf den 61-jährigen Künstler. Der gebürtige Berliner ist viel herumgekommen, hat den halben Globus bereist, war unter anderem zehn Jahre Tauchlehrer in Südostasien, bevor er - auch krankheitsbedingt - wieder nach Deutschland zurückkehren musste.

Seit einigen Jahren wohnt er in Bad Kissingen; der Kontakt in die hohe Rhön und zu Schroeders Buchcafé, wo er mittlerweile schon zum zweiten Male auftrat, wurde über Bekannte des Kunstschaffenden geknüpft.

Liebe und Leid

Reich hat sich die Künstler-Bezeichnung "Klanggärtner-Ornatus" selber gegeben. Mit Strohhut und reich verzierter grüner Latzhose sieht er dann auch wie ein Gärtner aus. Seine Lieder beschreibt er selber als "Musik, die aus dem Herzen kommt". Sie erzählen von Liebe und Leid, von genauen Beobachtungen der Menschen, des unmittelbaren Umfelds und eigener Erfahrungen, von Liebeskummer und Klinikaufenthalten, wenn Reich beispielsweise im "Krankenschwester-Song" Berufsbild und Einsatzleistung der Frauen würdigt und wertschätzt.

All diese Vielfalt spiegelt sich nicht nur in den Klangbildern, sondern auch in seiner realen Malerei wider. Einen Teil seiner Aquarelle hat der Künstler in Schroeders Buchcafé ausgestellt. Zu sehen sind diese noch bis Ende September 2021 jeweils am Wochenende.

Historikerin, Romanistein und Politikwissenschaftlerin

Der Vortrags- und Kulturtreff wird seit 2010 mit viel Herzblut und Liebe zum Detail von Gerlinde Kraus geführt. Die promovierte Historikerin, Romanistin und Politikwissenschaftlerin schreibt, verlegt und verkauft in ihrem zentral gelegenen Kunst-Kleinod in der Bischofsheimer Straße 27 neue und antiquarische Bücher und bietet, sofern es die Regeln während der Pandemie zulassen, Lesungen zu Literatur, Geschichte und Musik an. Dies alles findet in den Innenräumen statt, bei schönem Wetter auch auf der Außenterrasse bei Kuchen.

Namensgeber für das Buchcafé war der Tibet-Jack-Russell-Fox Terrier, genannt H. Schroeder, der mittlerweile die ewigen Jagdgründe aufmischt. Die Verlegerin, die oft auch aus Unkenntnis heraus als Frau Schroeder angesprochen wird, wurde in Mühlheim am Main geboren, ist aber auch in der Rhön verwurzelt, da ihr Vater, Hans Kraus, aus Römershag stammte.

Mit Hilfe einiger Handwerker aus der Region hatte sie die Transformation von der ehemaligen Volksbank in das Buchcafé im Jahr 2010 bewerkstelligt. Im Laufe der Zeit kam eines zum anderen: "So, wie der Bauer die Klöss isst", zitiert sie gern einen Satz ihres verstorbenen Vaters. "Ab, in die Sommerfrische", wie es im gleichnamigen Stück von Carlo Goldoni heißt, brauche man hier nicht zu fahren, denn sie genieße jeden Tag hier in der schönen Rhön, so dass Besucher bestimmt zu Recht bald von "Bad Wildflecken" sprechen, meinte sie augenzwinkernd.