"Wegen Glatteis: Streufahrzeugfahrer macht heute Homeoffice" - so lautete die Überschrift im "Postillon", einem Satire-Magazin. Zugegeben, eines der besseren. Die Realität in diesen Tagen sieht freilich anders aus, die raue Wirklichkeit beschert uns einen " Extremwinter" wie schon seit zehn bis 15 Jahren nicht mehr - und dem Bauhof Bad Brückenau, seinen Streufahrzeugen und den Fahrern Einsätze rund um die Uhr.

Rund um die Uhr heißt, Dienstbeginn ist frühmorgens um 4 Uhr, dann geht es bis in die späten Abendstunden für die drei Fahrer Dirk Fischer, Kurt Scheller und Sven Gerhard im Zwei-Schicht-Betrieb. Ein Mitarbeiter der Redaktion schwang sich mit Gerhard auf "seinen Bock", einen Zehn-Tonner-Unimog.

Zuerst steile und kritische Stücke geräumt

Geräumt werden in der ersten Runde primär die steilen Stücke, kritische Abschnitte wie Rettungswege und/oder auch für den Busverkehr; erst danach die "normalen" Verkehrsadern und Nebenstrecken. Und das üblicherweise zweimal pro Tag. "Bei den derzeitigen Schneemassen schimpft mitunter schon mal der eine oder andere Bewohner, weil ein Teil seiner Hof- oder Garageneinfahrt möglicherweise etwas zugeschoben wurde. Aber wir können den Schnee ja nicht einfach so wegschmelzen", sagt der 34-jährige Räumfahrzeugfahrer aus Wernarz. Bad Brückenaus Bauhofleiter Michael Klug nimmt seine Jungs in Schutz und bittet um Verständnis und Nachsicht, wenn der Schnee mal nicht sofort bei jedem Einzelnen und exakt und akkurat vor dessen Haustür geräumt werden kann. "Wir müssen erst die Hauptachsen frei machen. Laut Satzung innerhalb von vier Stunden. Und wenn das Schild gerade gestellt werden muss, weil rechts und links Autos parken oder Mülltonnen am Straßenrand stehen, dann rutscht mitunter halt schon mal etwas Schnee über die Unimog-Schaufel."

Mit einem Unimog und einem kleineren "Schmalspur-Fahrzeug" werden rund 100 Kilometer Straßen, Gassen und Gehwege in Bad Brückenau am Tag geräumt. An beiden Fahrzeugen sind Schneepflüge und automatische Streugeräte montiert. Zusätzlich sind an "neuralgischen" und schwerer zugänglichen Punkten noch zwei "Handräumdienste mit Schneeschippen und Salzeimern" im Einsatz. Insgesamt kümmern sich so zwölf Leute des Brückenauer Bauhofs um den Winterdienst in Stadt, Staatsbad, Volkers, Römershag und Wernarz. "100 Tonnen Salz, je nach Untergrundbeschaffenheit, ob es Eis oder Schnee ist, kommen da schon zusammen", sagt Krug. "Früher, als die Winter noch strenger waren, haben wir gut die doppelte Menge an Salz verstreut. Das entlastet die Stadtkasse finanziell schon", so der Bauhofleiter.

Krug freut sich (als Privatmann) durchaus über die "weiße Pracht", als Bauhofleiter gelte mitunter jedoch auch die alte Weisheit: "Allen Recht getan ist eine Kunst die Niemand kann." Dieser Winter sei schon als extrem zu bezeichnen. "Unsere Schneepflugfahrer tun ihr Bestmögliches. Zurzeit sehen sie jedoch nur Schnee, Schnee und nochmals Schnee." Da könne es schon mal vorkommen, dass eine Ausfahrt ein wenig zugeschoben werde. "Wenn das passiert, und man uns darauf hinweist, dann machen wir es beim nächsten Mal besser. Und schaufeln eine Grundstückseinfahrt auch mal nachträglich frei, wie unlängst in Volkers geschehen", verspricht Krug.

Welche Rechte - aber auch Pflichten - die Bad Brückenauer Grundstückseigentümer und Straßenanlieger hinsichtlich des Wo, Wie und Wann in Zusammenhang mit dem Schnee- und Eisräumen haben, regelt en detail eine städtische Satzung. Sie ist im Internet abruf- und einsehbar.