Von schneebedeckten Gipfeln ins Tal schießen, beim obligatorischen Einkehrschwung wieder zu Kräften kommen und den Blick über eine sonnenüberflutete Winterlandschaft genießen - das gehört in der Rhön bald der Vergangenheit an, zumindest wenn man einer Studie der Bundesregierung Glauben schenkt.

Demnach wird erwartet, dass zwei Drittel aller deutschen Skigebiete - bedingt durch den Klimawandel - verloren sind, lediglich eines von zehn wird künftig noch schneesicher sein. Das Aus für den Skisport in der Rhön?


Positives Denken

"Ich weigere mich, wegen einem schlechten Winter gleich einen negativen Trend zu prognostizieren", sagt Susanne Möller, die Geschäftsführerin der Ski- und Rodelarena Wasserkuppe, dazu. Sie geht davon aus, dass sich Skibegeisterte noch eine ganze Weile auf ihren Pisten austoben können. Eine Beobachtung hat sie jedoch gemacht: Der Start der Wintersportsaison habe sich verschoben. Während vor einigen Jahren schon in den Weihnachtsferien Hochbetrieb an der Wasserkuppe herrschte, sei seit drei Saisons der Startschuss erst im Januar möglich gewesen.

Finanziell bemerke man den Verlust des Weihnachtsgeschäftes schon, erklärt Susanne Möller. "Das ist auch mit einem guten Januar nicht mehr reinzuholen." Ihr Tipp für Skifahrer: Man müsse sich zeitlich umstellen. "Es gibt nicht weniger optimale Schneetage, sie verlagern sich einfach nur Richtung Ostern", erklärt sie.
Das Problem dabei: "Im Dezember ist die Lust auf Skifahren am größten, jetzt im Februar ist der Biorhythmus schon auf Frühjahr gepolt." Bei Susanne Möller sorgt die Prognose der Bundesregierung nicht für Sorgenfalten: "Die Wasserkuppe ist breit aufgestellt, damit können wir auch ein paar schlechte Winter auffangen", so die Geschäftsführerin. "Ich glaube aber, dass wir auch wieder Winter bekommen, in denen man im Dezember Ski fahren kann. "Bei den Investitionen machen sich die mäßigen Perspektiven dennoch bemerkbar.


Großprojekt auf Eis

Ein geplantes Großprojekt auf der Wasserkuppe wird wohl nicht realisiert. Für mehrere Millionen Euro sollte ein Vierer-Sessellift nach Abtsroda gebaut werden. Diese Pläne liegen nun erst einmal auf Eis, heißt es in einem Bericht der Fuldaer Zeitung. Michael Pfaff, Geschäftsführer der Rhön Tourismus GmbH, sieht die Zukunft für das Skifahren in der Rhön kritischer. Man könne kurzfristig noch Glück haben, überblicke man aber die nächsten Jahrzehnte, werde das Skifahren wahrscheinlich nicht mehr möglich sein. Wann das genau der Fall ist, könne man aber nicht pauschal sagen, findet er.


Wetterunabhänige Alternative

"Im Einzelfall mögen sich Investitionen wie beispielsweise in Schneekanonen noch lohnen." Für den Rhöner Tourismus sei der Klimawandel sogar von Vorteil, erklärt Michael Pfaff. "Kein Alpinski heißt nicht kein Tourismus." Die Tourismusexperten haben Alternativen aufgebaut. Diese sind vor allem eines: wetterunabhängig. Die Wohlfühl-Angebote in der Region boomen, so Pfaff. "Die Wellness-Hotellerie verlängert dafür sogar ihre Saison, oft gibt es sogar zu wenig Betten." Der Experte ist sich sicher: "Im Wellness wachsen wir und werden weiter wachsen, die Kompetenz ist durch die vielen Kurorte vorhanden."

Hoch im Kurs stehen bei den Wintertouristen nach wie vor das Wandern, aber auch das Mountainbiking, Kulturangebote oder der Sternenpark. Den Skiliftbetreibern rät er, nicht den Mut zu verlieren. "Wir machen die Türen zu", sei die falsche Antwort auf negative Studien, findet Pfaff. Er rät dazu, kreativ zu werden. Dafür könne man auch die vorhandene Infrastruktur nutzen, erklärt er.

Michael Pfaff warnt aber vor verfrühter Panik: "Der Winter ist schon noch da." In den letzten fünf Jahren sei der Tourismus in der Rhön immer gewachsen. Die Formel dafür: "Man kann nur gewinnen, wenn man investiert."


Mountainbiker im Fokus

Genau diesen Rat hat Gustav Schrenk, der Betreiber der Arnsberglifte, beherzigt. "Die schlechten Winter häufen sich, da sind wir Skiliftbetreiber natürlich gefragt", erklärt er. Kurzfristig sehe er noch keine großen Probleme, doch in rund 30 Jahren werde man in der Rhön kein Ski mehr fahren können, schätzt er. Es gebe nur zwei Alternativen: "Entweder man macht alles dem Erdboden gleich oder man nimmt andere Dinge in Angriff."

Familie Schrenk hat sich für Letzteres entschieden. Neben dem Skigebiet soll ein Mountainbike-Parcours am Arnsberg aufgebaut werden. Gustav Schrenk schweben dafür "mindestens drei Down-Hill-Strecken" vor. Bereits in "zwei bis drei Jahren" solle das Projekt realisiert werden. Skifahrer und Mountainbiker werden sich zukünftig den Lift teilen. "Das ist nur mit kleinen Umbaumaßnahmen verbunden", erklärt der Betreiber. Auch die Stadt Bischofsheim scheine von der Idee überzeugt zu sein. Für Schrenk liegt die Zukunft auf zwei Rädern: "Die Rhöner müssen auf diesen Zug aufspringen, sonst schöpfen andere den Rahm von der Milch."