Interview am Rande einer Pressekonferenz der Firma Wohnwagen Knaus-Caravans in Düsseldorf über die Situation am Standort Mottgers.

Herr Vaterl, Ihr Unternehmen ist stark gewachsen. Wie wirkt sich das auf die Arbeitsplätze in Mottgers aus?

Werner Vaterl: Wir sind sicherlich seit Mitte letzten Jahres um 60 bis 70 Leute gewachsen. Wir hatten damals etwa 340 Mitarbeiter, jetzt sind es über 400 - und wir suchen nach wie vor gute Handwerker für den Standort. Wir haben ja über Kapazitätserweiterung und Stückzahlenerweiterung für einen Markt gesprochen, der brummt. Dieses Wachstum wollen wir natürlich auf alle unsere Standorte verteilen.

Was bedeutet die angepeilte Verdoppelung der Fahrzeugeinheiten bis Ende 2025 für den Standort Mottgers?

Reisemobile und Kastenwagen wachsen überproportional. Die Standorte in Jandelsbrunn und Ungarn werden entsprechend davon profitieren, weil sie sehr viele Einheiten bauen. Mottgers baut ausschließlich Caravans und hier zu 70 bis 80 Prozent für die Marke Tabbert. Diese Marke ist ganz oben angesiedelt hinsichtlich Wertigkeit, Qualität auch Beständigkeit. Deswegen hat Mottgers einen exklusiven Charakter. Ein Vergleich: Exklusive Uhren oder exklusive Autos gibt es nicht von der Stange, das ist Manufakturfertigung. Dieser Schwerpunkt wird in Mottgers bleiben. Das heißt: diese Qualität, die Handwerkskunst die vorrangig ist - und nicht Stückzahlwachstum.

Auch der Caravanmarkt wächst deutlich. Wie groß kann Mottgers werden?

Das Werk ist von der Kapazität her bei 5000 Einheiten an der Grenze. Das liegt im Wesentlichen am Werksgelände selbst. Mit den Fertigfahrzeugen können wir hier nicht mehr so stark wachsen. Aber wir haben dort immer noch ein Wachstum von 10 bis 15 Prozent vor uns. Deswegen werden seit 2020 von dort mehr und mehr Komponenten für die anderen Werke zugeliefert. Und der Standort wird eigenständiger.

Das sind zwei gegenläufige Entwicklungen, oder?

Das wollte ich gerade erklären: Früher hat das Werk Jandelsbrunn zum Beispiel Bodenplatten als Aufbauteile nach Mottgers geliefert. Jetzt haben wir seit eineinhalb Jahren in Technologie investiert und die Produktionsanlagen erweitert. Mottgers ist nun in der Lage, diese Aufbaukomponenten herzustellen. Durch die neuen Anlagen ist die Kapazität so groß, dass von dort andere Werke beliefert werden können. Ein Beispiel ist das neue Heckteil FoldXpand. Dieses wird für alle Standorte in Mottgers hergestellt. Daran sieht man, welche notwendige Funktion der Standort im Werksverbund hat.

Das funktioniert, weil dafür weniger Platz benötigt wird?

Ja, und weil wir dort die Möglichkeit haben, mehrschichtig zu arbeiten. Wir haben Anlagen, die dreischichtig laufen, wo wir 16 oder 17 Schichten die Woche arbeiten.

Wird dann rund um die Uhr und am Wochenende gearbeitet?

Meistens ist Freitagabend die letzte Schicht, teilweise wird an Samstagen an einzelnen Maschinen gearbeitet. Ansonsten fangen wir wieder Sonntagabend an.

In welchen Bereichen wurde 2020 in Mottgers investiert?

Im Wesentlichen in die Aufbaufertigung. Aufbauteile sind Bodenplatte, Dach und Seitenwände. Dazu braucht man große Pressen von acht Meter Länge und 2,50 Meter Breite und Fräsen in dieser Größenordnung. Die Aufbauteile werden in einem Stück gefertigt und bearbeitet. Aktuell erneuern wir die komplette Heiztechnik. Und gerade bauen wir eine Lagerhalle am Standort, um das zusätzliche Material vernünftig zu lagern.

Wie viel Geld nimmt der Konzern dafür in die Hand?

2020 waren es etwa 1,3 Millionen und in diesem Jahr wird es in der Größenordnung von 1,7 Millionen Euro sein. Das scheint auf den ersten Blick im Verhältnis zu den Gesamtinvestitionen von 65 Millionen Euro relativ wenig zu sein. In den anderen Werken geht es immer um die großen Stückzahlen. Mottgers ist eine kleine, feine Einheit für unser Premiumprodukt.

Gibt es Möglichkeiten, dort an neues Gelände ranzukommen?

Geländeerweiterungen am Standort sind schlicht unmöglich. Auf der anderen Seite der Sinn ist entweder Bebauung oder Naturschutzgebiet. Da machen Sie gar nichts. Hinter uns schneidet uns die ICE-Linie ab und vorne hinaus ist die Siedlung. An diesem Platz können wir uns nicht entsprechend erweitern. Oder wir müssten einen komplett neuen Standort aufmachen.

Ist das ein Thema?

Nein. Das wollen wir mit Sicherheit nicht riskieren. Das wichtigste ist, dass wir die Fachleute am Standort behalten. Keiner fährt stattdessen 50 Kilometer in die andere Richtung. Diese Leute haben es über die Jahrzehnte lieben gelernt, morgens an die Arbeit hinzugehen und abends sind sie wieder zurück. Wenn man einen neuen Standort aufmachen würde, riskiert man letztendlich, dass einem das Fachwissen wegbricht. Dann hat man zwar mehr Kapazität, aber keine Leute, die das Wissen haben.

Eine Marke wie Tabbert verliert die Identität, wenn sie zig Kilometer in eine andere Fabrik gehen. Mir ist wichtig, dass nicht der Eindruck entsteht, Mottgers sei abgeschrieben. Wir müssen es so sehen: Warum sind Luxusmarken wie Rolex luxuriös? Weil sie nicht wachsen, sondern ihre Exklusivität, die Wertigkeit behalten. Das ist mit Tabbert dasselbe. Die Marke ist ganz oben. Damit überschwemmt man keinen Markt.

Welche Rolle spielt das Werk bei den Zukunftsthemen wie Elektromobilität oder Leichtbau?

Unsere Leichtbaustrategie betrifft alle Standorte. Wenn wir jetzt Südwind- oder Sport-Modelle in Mottgers produzieren, haben diese erste Leichtbaumaterialien. Wir werden den Maschinenpark peu á peu an die neuen Anforderungen anpassen. Die Bearbeitung einer Lisacore-Platte unterscheidet sich komplett von der einer normalen Sperrholzplatte. Wir haben neue Maschinen entwickelt - zusammen mit den Herstellern. Jetzt rollen wir diese aus auf die Standorte. Da ist Mottgers auch 100 Prozent mit dabei. Sie haben Produkte und Marken oder innerhalb der Marken einzelne Baureihen, die in einem Fünf- oder Sechs-Jahres-Turnus überarbeitet werden. Dabei fließt die Leichtbautechnologie ein. Die Umsetzung wird uns also noch die nächsten Jahre beschäftigen.

Autohersteller verbauen Innovationen häufig zunächst in Topmodellen. Sie gehen den umgekehrten Weg?

Absolut. Unser neues Wohnwagen-Fahrgestell, das einen wahnsinnigen Gewichtsvorteil bringt, bringen wir bei Weinsberg auf den Markt. Das ist eigentlich genau das Gegenteil. Warum machen wir das? Bei diesen leichten Caravans ist das Gewichtsthema viel ausgeprägter. Bei Tabbert wiegen 70 Prozent der Fahrzeuge etwa 1700 bis 2000 Kilo. Bei Weinsberg sind es um die 1000 Kilo. Da macht jedes eingesparte Kilo mehr Sinn. Das Gespräch führte Walter Kreuzer