Eine der größten Veranstaltungen der Region wird es in diesem Jahr nicht geben: Das Harley-Davidson-Treffen auf Hessens höchstem Berg fällt 2015 aus. Der Veranstalter führt finanzielle Gründe dafür an. Über ein neues Konzept auf der Wasserkuppe wird offenbar nachgedacht.

Rudi Herzig, Pressesprecher von Harley Davidson Deutschland, sprach von "großem Bedauern", dass die Veranstaltung ausfällt. "Es ist eine finanzielle Entscheidung gewesen", erklärte er. Die jüngste Ausgabe des als Benefizveranstaltung konzipierten Harley-Davidson Friendship Ride auf der Wasserkuppe habe nicht mehr "in dem erhofften Maße" Spenden abgeworfen. Ein Teil des jährlichen Erlöses aus dem Motorradtreffen war karitativen Organisationen zugeflossen. 2013 waren 13 500 Euro gespendet worden.

Mit den zurückgehenden Spenden spricht Herzig indirekt an, dass nicht genug Besucher zu der Großveranstaltung gekommen waren: Die Spendengelder stammten nämlich aus Überschüssen aus Eintrittsgeldern. 2014 waren laut Veranstalter rund 10 000 Besucher gekommen, bei der Premiere vor sechs Jahren waren es dreimal so viel gewesen.

Laut Herzig waren aber nicht allein die Finanzen ausschlaggebend für das Aus: Zwar seien die Wasserkuppe und die Rhön "eine wunderbare Location für das Treffen", jedoch seien die Übernachtungsmöglichkeiten auf dem Berg eingeschränkt, und die Verkehrsführung sei schwierig. Die Landesstraße über den Gipfel war während des Harley-Treffens als Einbahnstraße ausgewiesen; für Pkws war der Berg gänzlich gesperrt, Besucher ohne Motorrad mussten mit Shut tlebussen aus benachbarten Kommunen anreisen. Zudem musste die gesamte Ausrüstung - Bühnen, Verkaufs- und Ausstellungsstände, Fahrerlager, Gastronomie - auf den Berg geschafft werden, was eine "aufwendige Logistik" für Planer und Organisatoren bedeutet hatte. Vielfach hatte auch das wechselhafte Wetter Motorradfahrer und Schaulustige von einem Besuch abgehalten. Ob, wo und wann es eine Nachfolgeveranstaltung geben wird, darüber ist laut dem Pressesprecher noch keine Entscheidung getroffen.

2016 in Fulda?

Optimistischer sieht Markus Kremer vom Fuldaer Harley-Davidson-Vertragshändler und dem Mitveranstalter Harley-Chapter Fulda-Rhön in die Zukunft: "Es geht weiter." Es habe erste Gespräche gegeben, die Veranstaltung mit geändertem Konzept 2016 in Fulda wieder aufleben zu lassen. Über das Aus des sechs Mal durchgeführten Treffens auf der Wasserkuppe spricht er nüchtern: "Man muss immer Konzepte überdenken. 2014 war es nicht erfolgreich."

Das Harley-Chapter Fulda war bei dem Friendship Ride mit jährlich 150 Helfern im Einsatz, um Bühnen und Fahrerlager auf- und abzubauen sowie die Veranstaltung zu betreuen. Die Stadt Fulda bestätigte die Gespräche über eine Neuauflage nicht. Es habe lediglich Überlegungen mit dem Veranstalter gegeben, die "jedoch nicht weiter verfolgt wurden", sagt Stadt-Pressesprecher Michael Schwab.

Wasserkuppen-Anrainer gaben sich zugeknöpft: Die nach eigenen Angaben größte Gleitschirmflugschule Europas war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Der Leiter der Segelflugschule, Harald Jörges, wollte das Aus für das Harley-Treffen nicht kommentieren.

Entwicklung absehbar

Landrat Bernd Woide (CDU) äußerte sich so: "Im Kern war das nicht neu, die Entwicklung war absehbar." Torsten Raab, Leiter der hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats, hofft nun, dass die Diskussion um die nie beantwortete Frage, ob solch eine Großveranstaltung in die Rhön passe, nun beendet sein wird. Diese Frage stelle sich im Übrigen bei jeder Großveranstaltung in der Rhön. Norman Zellmer