127 Termine. In zweieinhalb Jahren. Man kann nicht sagen, dass Bernd Hörmann, Vorsitzender des Sport-Kegler-Verein Bad Brückenau (SKV), zuletzt untätig war, um das überlebenswichtigste Ziel seines Vereins zu erreichen: die Sicherung einer neuen Spielstätte. Damit könnte es bald etwas werden. Denn Hörmann will nun die Gespräche mit dem FC-Vorsitzenden Stefan Richter intensivieren.

In den vergangenen Wochen war - zumindest der breiten Öffentlichkeit - nicht ganz klar, was die Sportkegler wollen. Dass sie aus der Therme Sinnflut - ihrem jetzigen Domizil - rausmüssen, ist schon länger bekannt. Hörmann spricht davon, dass "die Lage seit zwei Jahren akut" sei. "Wenn Corona nicht wäre und und der Umbau der Sinnflut schon laufen würde, wären wir heimatlos." Die Duldung des Vereins laufe nur noch bis zum Saisonende im März. "Ich glaube nicht, dass darüber hinaus eine weitere Spielzeit möglich wäre."

In der vergangenen Woche nun beschlossen die Mitglieder des FC Bad Brückenau in ihrer ersten Generalversammlung nach Corona, auf die Kegler zuzugehen. Der Vorstand solle ausloten, ob diese Interesse an der Übernahme des oberen Teils ihrer FC-Halle hätten, um dort ihre Kegelbahn einzubauen. Wenn ja, sollten weiterführende Gespräche geführt werden (wir berichteten).

Bernd Hörmann nimmt das Angebot nun mit klaren Worten an: "Das Interesse ist definitiv da, keine Frage." Und der SKV-Vorsitzende setzt noch einen drauf: "Stefan Richter und ich wollen uns nächste Woche zusammensetzen und Nägel mit Köpfen machen."

Bei dem Gespräch solle es unter anderem um die Eigentumsfragen gehen und wie man diese für einen Einzug der Kegler regeln kann. Aber nicht nur. "Wir wollen doch beide, dass in unseren Vereinen vorangeht. Ich sehe es als Win-win-Situation für uns alle." Der FC habe nichts von einer leeren Halle. Und die Kegler bekämen eine neue Sportstätte.

Hörmann tritt der Behauptung entgegen, die SKV-Mitglieder hätten entschieden, dass der Vorstand ausschließlich auf die Güterhalle am ehemaligen Bahnhofsgelände als künftiges Domizil hinarbeiten soll. "Es besteht ein Mandat, sich um eine neue Sportstätte zu kümmern. Ausmaß und Form wurden nicht festgelegt."

Gleichwohl verhehlt der SKV-Vorsitzende nicht, dass es eine Art interne Prioritätenliste gab. Auf dieser stand der alte Bahnhof samt Güterhalle ganz oben. "Von der Größe her hätte sie genau gepasst. Und es wäre die kostengünstigste Variante gewesen", sagt Hörmann.

Die Güterhalle hätte die vierzügige Kegelbahn beherbergen können, die der Verein für den Ligaspielbetrieb braucht. Im Bahnhof wären die Umkleiden, Sozialräume und die Gastronomie untergekommen.

Doch Bernd Hörmann sagt auch: Die Idee von der Güterhalle ist seit einem Dreivierteljahr gestorben." Das hänge damit zusammen, dass die Stadt Bad Brückenau im Zuge der Umgestaltung des alten Bahnhofsareals diesen Anbau abreißen möchte. Was der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung auch formell beschloss.

Die FC-Halle stand laut ihrem Vorsitzenden bei den Keglern auf Platz 2. Dort sei zumindest "die Hülle vorhanden". Das Dach des Untergeschosses wäre als Bodenplatte für neue Aufbauten vorhanden, ebenso die Versorgungsanschlüsse. "Von der Größe her würde es funktionieren, ohne dass wir ins FC-Sportheim eingreifen müssen."

Ein Neubau auf der "grünen Wiese" in Römershag stand hingegen an letzter Stelle in der Rangfolge. Der Kegelverein müsste Gebäude und Bahnen komplett neu bauen. Das Grundstück hätte der SKV vielleicht über Erbpacht von der Stadt erhalten können, vermutet Hörmann. Aber die Baukosten würden wohl bei einer Million Euro liegen. "Für einen Verein mit knapp 100 Mitgliedern ist das eine Riesennummer."

Der SKV-Vorsitzende tritt dem Eindruck entgegen, dass zwischen den beiden Vereinen nichts mehr gelaufen sei. Zwar gab es das letzte persönliche Treffen mit Richter, Bürgermeister Jochen Vogel (CSU) und Cordula Kuhlmann vom Regionalmanagement des Landkreises Bad Kissingen am FC-Heim Anfang des Jahres. Dabei sei es um mögliche staatliche Förderung des Umbaus des oberen Hallenteils gegangen.

Dann warteten die Beteiligten die Vorstandswahlen und das Stimmungsbild der FC-Mitglieder auf ihrer Generalversammlung ab. Die wegen der Corona-Beschränkungen erst spät, am 30. September, stattfinden konnte.

Derweil stellten die Kegler laut Hörmann beim Bayerischen Landes-Sportverband einen Antrag auf Förderung des Einbaus einer Kegelbahn. An welchem Standort, das spielt laut dem SKV-Vorsitzenden zunächst keine Rolle.

Zudem hat Bernd Hörmann bei verschiedenen lokalen Firmen Kostenvoranschläge für die Erneuerung des Obergeschosses der FC-Halle eingeholt. Angedacht wäre, den maroden Dachstuhl herunterzunehmen, die bestehende Ringmauer zu erhöhen und ein neues Dach draufzusetzen. Ein neuer Estrichboden als Basis für die Kegelbahn wäre inbegriffen.

Dieser Umbau könnte über ein Leaderprogramm zur städtebaulichen Entwicklung staatlich bezuschusst werden - weil Bad Brückenau ein strukturschwaches Gebiet ist, sogar recht hoch. Doch dafür brauche die Sportkegler die Stadt als Antragstellerin.

Kein Problem besäße Bernd Hörmann übrigens, wenn der SKV dem FC als eigenständige Abteilung beitreten würde. Dann bekämen die Kegler die staatliche Förderung aber nicht mehr wie oben angesprochen. Das müsste dann über den FC-Gesamtverein laufen. Die Idee, dass der Kegelverein sich beim FC auf einer von diesem installierten Kegelbahn einmietet, sei hingegen lange vom Tisch.