Trotz Rekordverkaufszahlen zieht der Reisemobil- und Caravanhersteller die Abteilung Entwicklung/ Konstruktion samt Musterbau aus Mottgers ab und zentralisiert diese für alle drei Knaus-Tabbert-Werke am Hauptsitz in Jandelsbrunn. Betroffen sind davon 15 der circa 280 Arbeitsplätze.

Die Nachricht, das räumt Knaus-Tabbert-Geschäftsführer Werner Vaterl ein, klingt aus Mottgerser Sicht wie ein Tiefschlag. Am Unternehmenssitz in Jandelsbrunn soll ein Kompetenzzentrum für Forschung und Entwicklung entstehen. Die betroffenen Abteilungen sollen von Mottgers nach Niederbayern verlegt werden. Das stellt, so heißt es in einer Hausmitteilung, "den ersten Schritt im Rahmen der geplanten Zentralisierung dar und wird im Sommer 2016 abgeschlossen sein".


Kontinuierlich

Das heißt, für den Wohnwagenbau im ungarischen Nagyoroszi sei das bereits umgesetzt, für die Kastenwagenproduktion folge dies in der nächsten Zeit. Die Entscheidung begründen die Geschäftsführer Wolfgang Speck, Gerd Adamietzki und Werner Vaterl mit der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Unternehmensstruktur, "so dass unsere internen Prozesse effizient und standardisiert ineinander greifen".

Bislang habe Knaus Tabbert viel Energie in die Prozesse bis zum Serienanlauf investiert. Im Gespräch mit unserer Zeitung betonen Vaterl und Unternehmenssprecher Alexander Wehrmann, bei der Entscheidung habe die Führung den gesamten Konzern und die wirtschaftlichen Kennzahlen an jedem einzelnen Standort im Blick: "Es gibt kein Kirchturmdenken, wir halten an allen drei Standorten fest", beteuern sie. Deshalb werde das Unternehmen sicherlich auch nicht sagen, "in Mottgers fallen 15 Arbeitsplätze weg, und in Jandelsbrunn werden diese dann Eins zu Eins geschaffen". Ein Ausspielen der Standorte gegeneinander sei mit der Geschäftsführung nicht zu machen, stellen Vaterl und Wehrmann klar.


Wissensverlust befürchtet

Dennoch gibt es Befürchtungen - vor allem die, dass durch die Verlagerung ein Wissensverlust entstünde und schlimmstenfalls die Qualität leide, weil Entwickler nicht vor Ort sein. Vaterl teilt diese Sorge nicht. Standortübergreifend tätige Projektleiter und feste Ansprechpartner in den Werken sollen den effektiven Informationsfluss sicherstellen.

Der Produkt- und Markenmanager bringe seine Anregungen ein, die er durch den Kontakt mit den Händlern erhält. Zudem werde ein Fachkreis aus Mottgers zur Entwicklung hinzugezogen, erläutert Vaterl. Die Geschäftsführung werde unter Einbeziehung des Betriebsrats Einzelgespräche mit Mitarbeitern führen. "Unser Ziel ist es, Wissen im Unternehmen zu halten", sagt Vaterl.


In anderen Bereichen

Von der Verlagerung betroffene Mitarbeiter sollten "so adäquat wie möglich in anderen Bereichen des Unternehmens am Standort Mottgers weiterbeschäftigt werden". Für den einen oder anderen könnte das allerdings mit Einkommenseinbußen verbunden sein, gibt Vaterl zu. "Selbstverständlich werden Kollegen darüber hinaus bei internen Stellenausschreibungen auch an den anderen Standorten bevorzugt berücksichtigt", heißt es in der Hausmitteilung weiter. In Jandelsbrunn fährt der Reisemobil- und Caravanhersteller aktuell eine Kampagne, um sich als attraktiver Arbeitgeber vorzustellen, berichtet Vaterl dazu. Allein durch die personellen Umstrukturierung und die Deckelung der Mitarbeiterzahl in der Entwicklung verspricht sich Knaus Tabbert jährliche Einsparungen im Wert von einer Million Euro. Andreas Ungermann