"Wo man sich auch hinwendet: Es ist schwer, die Gattung Violinduo als eine vollwertige Besetzung begreiflich zu machen. Da muss es schon ein Streichquartett oder zumindest ein Streichtrio sein..." Mit diesen Worten charakterisiert der schwedische Geiger Martin Gelland sehr treffend die Lage. Kompositionen für zwei Violinen erlebten während der letzten 300 Jahre eine sehr wechselvolle Geschichte. Trotz der Existenz zahlreicher hochwertiger Werke für den Konzertsaal haftet ihnen - vor allem seit der Entstehung der Lehrwerke Leopold Mozarts und Louis Spohrs - eine musikpädagogische Aura an, die dafür sorgt, dass Violinduo eher als unvollständiges Streichquartett denn als eine anspruchsvolle Art der Ausübung von Kammermusik wahrgenommen wird.

Mit diesem Vorurteil möchten im letzten Hochschulpodium dieses Jahres am Samstag, 22. Dezember, 20 Uhr, im Kuppelsaal des Dorint Resort & Spa Bad Brückenau, Annabel Nolte und Eva Maria Preinfalk aufräumen. Sie studieren Violine in der Klasse von Prof. Sören Uhde an der Hochschule für Musik Würzburg, sind mehrfache Preisträgerinnen beim Wettbewerb "Jugend musiziert" auf Bundesebene und seit Februar 2017 als Violinduo auch Stipendiatinnen der Yehudi Menuhin-Stiftung "Live Music Now." Der weit verbreiteten Violinduo-Ignoranz setzen sie ihren künstlerisch höchst engagierten Umgang mit der vernachlässigten Gattung und eine beeindruckende Breite des Repertoires entgegen.

Auf dem Programm des Hochschulpodiums stehen Werke vom Barock bis zur Gegenwart. Der älteste Beitrag ist die Sonate für zwei Violinen op. 1/1 des Niederländers Willem de Fesch aus dem Jahre 1716, der sich später in London niederließ und Georg Friedrich Händels Orchester leitete. 1730 erschien in Paris die Sonate für zwei Violinen ohne Bass op. 3/5 von Jean-Marie Leclair, der als Begründer der französischen Violinschule gilt und manchmal als "französischer Corelli" bezeichnet wird.

Der Name Charles Auguste de Bériot steht wiederum für die glorreiche Tradition der im 19. Jahrhundert am Königlichen Konservatorium in Brüssel gegründeten franko-belgischen Violinschule. Ihre brillante Virtuosität spiegelt sich in Bériots Duos concertants op. 57 und Duos caractéristiques op. 113 wider.

Sergej Prokofjews Sonate C-Dur op. 56 und Béla Bartóks 44 Duos zählen zu den Standardwerken des 20. Jahrhunderts für zwei Violinen. Ob einen ähnlichen Status auch "Duetti per due violini" von Luciano Berio erlangen wird, wird sich noch zeigen müssen: Sie wurden erst zwischen 1979 und 1983 komponiert. Jedes der Duetti ist nach einer Persönlichkeit der Musikwelt (Komponist, Interpret, Musikwissenschaftler) benannt und ihr gewidmet. Als Zyklus stellen sie ein interessantes Kaleidoskop der zeitgenössischen Musikszene dar.

Als eine Art Bonus erklingt zum Schluss noch die jüdische Volksweise "Klezmers Freilach" in einer Bearbeitung für zwei Violinen von Aleksey Igudesman.

Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.