Es geht alles ganz schnell, wenn ein Unfall passiert. Aber wer wird von der Rettungsleitstelle benachrichtigt und zum Unfallort geschickt? Zusätzlich zum Notarzt gibt es in vielen Orten "Helfer vor Ort" (HvO), Menschen die in ehrenamtlicher Arbeit Ersthelfer bei Unfällen und anderen Notsituationen sind. Durch ihre örtliche Nähe sind sie meist vor dem Rettungsdienst da. So kann wertvolle Zeit zum Wohl des Patienten genutzt werden.

Am Ausbildungstag für Helfer vor Ort in Geroda nahmen Geroda/Platz, Zeitlofs und Obersinn teil. 20 Engagierte, die sich dafür einsetzen in Notfällen fachkundig medizinische Hilfe bieten zu können, waren gekommen. Die Teilnehmer bekamen in einem Theorieblock am Vormittag wichtige Informationen zu Internistischem, traumatologische Notfälle und Kindernotfälle sowie Notfalluntersuchung.

Verschiedene Szenarien

Die unterschiedlichsten Szenarien wurden beleuchtet. Die Bergwacht Oberbach zeigte, wie ein Fallschirmspringer, der in einem Baum hängen geblieben ist, sicher auf die Erde geholt werden kann. Rainer Schumm (Lehrrettungsassistent) erwartete die Teilnehmer im Rettungswagen. In Zweier-Teams wurde die Herz-Lungen-Wiederbelebung trainiert. "Im Ernstfall ist die Zeit unheimlich wichtig. Jede Minute zählt bei einem Herzstillstand, und die Helfer vor Ort können zum Teil viel schneller an der Unfallstelle sein als der Notarzt. Auch sie haben die entsprechende Ausrüstung in ihrem Wagen und können eine Reanimation durchführen", erklärt Schumm.

Im Team unterwegs

Silke Grom und Heike Leitschuh (Geroda/Platz) sind ein eingespieltes Team. Sie haben oft zusammen Bereitschaft. "Es ist sehr wichtig, zusammenzuarbeiten und sich auf den anderen verlassen zu können", erklärt Silke Grom. Auch heute üben sie die Wiederbelebung gemeinsam. Routiniert kümmert sich eine um die Herzmassage, die andere beatmet die Übungspuppe, die auf der Trage liegt. 30-mal drücken, zwei mal beatmen. Der Defibrillator wird angeschlossen und gibt Anweisungen, vom Patienten zurückzutreten, bevor der Stromstoß abgegeben wird. Rainer Schumm gibt Tipps, wie jede Sekunde optimal genutzt werden kann.

Alexander Gritsch (Rettungssanitäter) hat vor sich einen jungen Mann auf dem Boden liegen. Gemeinsam wird erarbeitet was zu tun ist, und nach und nach werden Symptome gesammelt, die zu einer Diagnose führen können. Dabei fällt dem Laien auf, dass die Helfer vor Ort bereits über ein großes fundiertes medizinisches Wissen verfügen. "Es ist sehr wichtig möglichst schnell herauszufinden was zu tun ist, denn es kann kostbare Zeit gespart werden, wenn der Ersthelfer dem dann eintreffenden Notarzt schon mitteilen kann, was er bereits getan und ermittelt hat. Auch wenn der Ersthelfer die Schwere der Verletzungen noch vor dem Eintreffen des Notarztes gut einschätzen und zum Beispiel einen Hubschrauber anfordern muss, sind wertvolle Minuten gewonnen", ergänzt Gritsch.

Heikle Situation

Eine heikle Situation ist ein verunglückter Motorradfahrer. Die Frage, ob der Helm zu entfernen ist oder nicht beantwortet Jürgen Müller (Lehrrettungsassistent): "Der Helm ist abzunehmen, weil: Es ist fast immer so, dass der Verunglückte mit dem Kopf aufgeschlagen ist, daher ist von einer Gehirnerschütterung auszugehen. Dabei kommt es oft zum Erbrechen, und die Gefahr, daran zu ersticken, ist groß, wenn durch den Helm den Mundbereich nicht freigibt." Es wird geübt, wie genau der Helm abgenommen wird, um die Wirbelsäule nicht noch mehr zu schädigen und wie anschließend der Kopf- und Halsbereich stabilisiert wird. Auch das Abbinden stark verletzter Gliedmaßen wird gezeigt. Müller berichtet von selbst erlebten Situationen. "Früher war das Abbinden umstritten, aber es macht Sinn."

Helfer vor Ort Geroda/Platz hat derzeit 17 Aktive Mitglieder. Der Dienst ist ehrenamtlich. Die Organisation finanziert sich ausschließlich durch Spenden. Angeschlossen sind Helfer vor Ort entweder der örtlichen Feuerwehr oder dem deutschen Roten Kreuz. Bei regelmäßigen Schulungen werden die HvO immer wieder auf den neusten Stand gebracht und erhalten wertvolle Tipps und Informationen von Ärzten und Sanitätern.