Über den aktuellen Projektstand des LIFE-Projektes "Rhöner Bergwiesen", Naturschutzmaßnahmen im Naturschutzgebiet Eube sowie Möglichkeiten zur Vereinbarung von Naturschutz, Landwirtschaft und Freizeitnutzung auf der Wasserkuppe informierte sich die hessische Umweltministerin Priska Hinz bei ihrer Sommerreise im Unesco-Biosphärenreservat Rhön. Sie überbrachte dabei erfreuliche Nachrichten: Das LIFE-Projekt kann in die Verlängerung gehen.

Die Bergwiesen im Unesco-Biosphärenreservat Rhön sind ein bedeutender Lebensraum. Hier findet man gefährdete Pflanzen und selten gewordenen Vögel, die einen besonderen Schutz brauchen. "Deshalb ist es von großer Bedeutung, dass hier im Biosphärenreservat ein ehrgeiziges Projekt zum Schutz und Erhalt dieser gefährdeten typischen Rhöner Landschaft umgesetzt wird", sagte Umweltministerin Priska Hinz. "Um dies zu unterstützen, hat Hessen sich bereit erklärt, die dazu Personalkosten von rund 700 000 Euro bereitzustellen." Mit der Finanzierung durch das Land sind die Weichen für einen (erfolgreichen) Antrag bei der EU gestellt. Das Projekt, das offiziell im September 2022 ausläuft, soll um zwei Jahre verlängert werden.

Erste Station der Sommerreise war das Eube-Plateau nördlich von Schachen bei Gersfeld. LIFE-Projektmanager Elmar Herget gab Einblicke in aktuelle Maßnahmen, um z.B. die inzwischen selten gewordenen artenreichen Bergmähwiesen in der hessischen Rhön zu erhalten. Aktuell findet hier ein von einem Gutachterbüro überwachter Parzellenversuch statt, der Klarheit bringen soll, wie sich jeweils veränderte Nutzungsformen - beispielsweise unterschiedliche Mahdzeitpunkte und Beweidungskonzepte - auf die Artenvielfalt der Bergwiesen auswirken. Einer der Landwirte, die die Flächen auf der Eube bewirtschaften, ist Andreas Weber (Gersfeld). Er berichtete von seinen Erfahrungen. Eine weitere Maßnahme ist die Neuschaffung von artenreichen Bergwiesen mittels Aussaat von Samenmaterial, das zuvor eigens auf heimischen Wiesen geerntet wurde. Hierbei kommt auch der eBeetle zum Einsatz, den der Landkreis Fulda 2018 für diese Zwecke angeschafft hat, und den Landwirt Martin Schiffhauer aus Ehrenberg vorführte. Durch die Aussaat der Samen auf anderen Flächen konnten 58 Hektar neue Bergwiesen geschaffen werden, wie Herget berichtete.

Weitere Themen waren die Zusammenarbeit mit wichtigen Partnern im Naturschutz wie dem NABU - vor Ort vertreten durch Nico Flügel - sowie das HALM-Programm als wichtigstes Förderinstrument zur Sicherstellung der landwirtschaftlichen Nutzung und dessen Bedeutung für die Erhaltung der bedrohten Rhöner Bergwiesen. Seine Erfahrungen teilte Dr. Hubert Beier, Vorsitzender des VNLR und ehemals langjähriger Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Fulda-Hünfeld e. V. Bei einem kurzen Spaziergang zu den Guckaifeldern ging es um das Thema Wasserkuppe. Jonas Thielen, Sachgebietsleiter Naturschutz bei der Hessischen Verwaltung des Biosphärenreservats, informierte über naturschutzfachliche Besonderheiten auf Hessens höchstem Berg.

Die Wasserkuppe beherbergt an ihrem Südhang Deutschlands größte zusammenhängende Borstgrasrasen außerhalb der Alpen und ist außerdem hessenweit ein bedeutendes Brutgebiet für Wiesenbrüter. Gleichzeitig gilt sie seit jeher als "Berg der Flieger" und ist bei Segel- und Gleitschirmfliegern gleichermaßen beliebt. Nicht zuletzt boomen der Tourismus und die Freizeitnutzung.

Die Ansprüche der verschiedenen Nutzergruppen sind nicht immer frei von Spannungen - hier wird seit Jahren an gemeinsamen Lösungen gearbeitet. Torsten Raab, Leiter der Hessischen Verwaltung des Biosphärenreservats, und Jonas Thielen berichteten über Herausforderungen, Ziele und Erfolge in Sachen Besucherlenkung und landwirtschaftliche Nutzung der Grünlandflächen.Anna-Lena Bieneck