Mit lautem Rattern und Klappern braust ein zweispanniger Lastwagen nach Sterbfritz hinein und muss kurz vor dem Zebrastreifen in der Ortsmitte stark abbremsen. Kurz vor dem Ortsausgang steigt ein Mercedes-Fahrer schon wieder aufs Gas, während sich in Herolz eine lange Autoschlange an der Ampel in Höhe der Grundschule gebildet hat. Szenen eines Vormittags auf der Brückenauer Straße.

Auf der Hauptverkehrsader in Sinntal, die von Schlüchtern Richtung Bad Brückenau führt, herrscht viel Verkehr. Bei der jüngsten Verkehrszählung der Gemeinde im Jahr 2020 passierten innerhalb von sieben Tagen 2385 Lastwagen und 40 806 Autos die Straße. Spitzenwert bei Geschwindigkeitsmessungen im Ort: Tempo 96. Innerorts!

Das Verkehrsaufkommen bereitet Probleme, befand der Sterbfritzer Ortsbeirat in einer Sitzung Ende Februar. Immer wieder sei es innerorts zu Auffahrunfällen gekommen, alte Menschen hätten Probleme damit, die Straße zu überqueren. Die Fahrzeuge seien ohnehin zu schnell unterwegs, meint Ortschef Willi Merx: "Morgens um 6 Uhr muss man an der Straße schon aufpassen."

Es müsse sich etwas tun, meint der Ortsbeirat und wünscht sich im Bereich des Zebrastreifens Tempo 30 sowie die Anschaffung eines nachttauglichen Blitzgerätes. Doch die Forderungen gehen noch weiter: Eine Zusammenarbeit der Stadt Schlüchtern und der Gemeinde Sinntal wird vorgeschlagen. An den Ortseinfahrten von Herolz, Sannerz, Sterbfritz und andernorts in Sinntal sollten Blitzersäulen installiert werden, die wechselseitig mit einem Tempomessgerät bestückt werden können. Die Anschaffungskosten könnten von Schlüchtern und Sinntal gemeinsam getragen werden.

Die Vorschläge dürfte die "Bürger-Allianz gegen Raserei und Lärm" im Schlüchterner Stadtteil Herolz freuen. Deren Mitglieder kämpfen seit 1999 gegen Lärm und zu schnelles Fahren auf der Brückenauer Straße. Und sie wünschen sich seit Langem eine überörtliche "Allianz gegen Lärm". Getan habe sich in all den Jahren zu wenig, erzählt Rudi Mihm, ein "Sprachrohr" der Allianz. Besonders wurmt ihn, dass an der Landesstraße bisher kein Blitzer installiert ist.

Aber sind die Vorschläge von Ortsbeirat und Bürgerbewegung umsetzbar?

Oberster Ordnungshüter in Sinntal ist Bürgermeister Carsten Ullrich (SPD). Der hält eine überörtliche Zusammenarbeit zwar grundsätzlich für positiv und auch das Konzept einer "Allianz gegen Lärm" sei ihm schon vorgetragen worden, doch erteilt er den Vorschlägen des Ortsbeirats weitestgehend eine Absage.

Falsche Voraussetzungen

Zunächst sieht er beim Thema Tempo 30 - obgleich er die Empfehlung des Ortsbeirats unterstütze - wenig Aussicht auf Erfolg: "Die Beschränkung auf 30 Stundenkilometer ist nur möglich für Bereiche vor Kindergärten, Schulen, Alten- und Pflegeheimen oder Krankenhäusern. Diese Voraussetzungen sind in der Ortsdurchfahrt von Sterbfritz allesamt nicht gegeben." Insgesamt habe Sinntal kein gravierendes Problem auf den Straßen. Der Großteil der Verkehrsteilnehmer sei vernünftig, meint Ullrich. "Das stellen wir mit unseren Messungen und Zählungen immer wieder fest. Der Anteil der Raser ist gering."

Daher sehe er auch beim Thema Blitzer wenig Handlungsbedarf: "Die Installation einer oder mehrerer Anlagen ist vorerst nicht geplant. Die Gemeinde Sinntal hat eine mobile Geschwindigkeitsmessanlage." Kontrollen gäbe es immer wieder an verschiedenen Schwerpunkten.

Derweil scheint der Protest der "Bürger-Allianz gegen Raserei und Lärm" in Herolz Früchte getragen zu haben. Die Stadt Schlüchtern plant eine ortsfeste Blitzeranlage, die Bürgermeister Matthias Möller (parteilos) den Herolzern schon in Aussicht stellte. Die Vorprüfungen begännen dieses Jahr. Auch ein Nachtblitzgerät soll angeschafft werden. Auf Anfrage unserer Zeitung hieß es, die Gemeinde Sinntal habe bisher keinen Kontakt in Bezug auf einen gemeinsamen Blitzer mit Schlüchtern aufgenommen.