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Bad Brückenau
Demokratie

Fürs Bürgerbegehren wird es eng

Vor Corona-Krise und Kommunalwahl diskutierten viele Bad Brückenauer heiß über den geplanten Standort eines MedZentrums direkt an der Franz-von-Prümmer-Klinik. Dann rückte das Thema in den Hintergrund. Dabei treten jetzt interessante Entwicklungen zutage.
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Anfang Februar startete die Initiative PRO Bad Brückenau eine Unterschriftenaktion, um  per Bürgerentscheid gegen den geplanten Standort eines MedZentrums direkt an der Franz-von-Prümmer-Klinik vorgehen zu können. Jetzt liegen Teilergebnisse vor. Kerstin Junker
Anfang Februar startete die Initiative PRO Bad Brückenau eine Unterschriftenaktion, um per Bürgerentscheid gegen den geplanten Standort eines MedZentrums direkt an der Franz-von-Prümmer-Klinik vorgehen zu können. Jetzt liegen Teilergebnisse vor. Kerstin Junker

90 Namen - so viele stehen auf den Listen, die die Initiative PRO Bad Brückenau seit Anfang Februar im Geschäft der Gärtnerei Hurrlein in der Bahnhofstraße ausgelegt hatte. Wobei die Unterschriften fast ausschließlich aus der Zeit vor den Corona-Beschränkungen stammen. In den vergangenen Wochen hatte der Laden wie die meisten anderen in der Stadt geschlossen; erst vor kurzem öffnete er wieder.

Im Weltladen in der Ludwigstraße sollen dem Vernehmen nach drei ebenfalls gut gefüllte Unterschriftenlisten liegen. Eine genaue Zahl kann Mitarbeiterin Martina Kirchner aber nicht nennen. Der Laden öffne erst nächste Woche wieder. Dann könne sie genauer nachschauen.

Auch PWG-Stadtrat Dirk Stumpe erlaubte den Initiatoren, in seinem Geschäft am Rande der Bad Brückenauer Kernstadt Listen auszulegen. "Es stehen 24 Personen drauf. Ich habe hier aber auch kaum Laufkundschaft", sagt er auf Anfrage.

So gut wie in der unmittelbaren Innenstadt lief es an anderen Auslegestellen offensichtlich nicht. Das zeigen Listen, die schon an die Firma Heidelmeier zurückgingen. Deren Inhaber Hans-Jörg Heidelmeier ist einer der drei Initiatoren des Bürgerbegehrens. Demnach schrieben sich bei Friseur Frank in der Leimbachstraße sechs und bei der Firma Prause Baudekoration keiner in die Listen ein. Aus dem Kurstift heißt es auf Anfrage, dass dort niemand unterzeichnet habe. Bei der Firma Heidelmeier selbst trug sich ein Dutzend Bad Brückenauer ein.

Wie viele Menschen sich insgesamt über die Listen gegen das MedZentrum direkt an der Prümmer-Klinik ausgesprochen haben, kann Tanja Neubauer nicht sagen. Die Mitinitiatorin von PRO Bad Brückenau hat die Zahlen noch nicht zusammengetragen, weil die Geschäfte wegen Corona über Wochen dicht waren beziehungsweise es teils immer noch sind.

Allerdings scheint absehbar, dass die nötigen Unterschriften nicht zustandekommen werden, um einen Bürgerentscheid anzuschieben. Dafür müssten zehn Prozent der wahlberechtigten Bad Brückenauer - das wären im Moment um die 503 und mehr - sich eintragen.

Tanja Neubauer will die Listen noch ein wenig in den Auslegestellen belassen. Sie bietet an, Listen bei Interessenten persönlich zum Unterschreiben vorbeizubringen. Diese müssten sich nur bei ihr melden unter der E-Mail-Adresse tanja.neubauer98@gmx.net

Derweil verbreitet sich in Bad Brückenau das Gerücht, dass der Investor IWG Ideenwelt Gesundheitsmarkt GmbH davon abrückt, das MedZentrum unbedingt direkt an der Prümmer-Klinik in den Georgi-Kurpark bauen zu wollen. Ein Standort jenseits der Bahnhofstraße sei möglich. Grund für das Umschwenken soll der Widerstand gegen die jetzigen Pläne sein.

Andrea Ulrich, bei IWG für Öffentlichkeitsarbeit zuständig, sagt, dass "absolut nichts dran ist am Gerücht". Der Investor wolle weiter direkt an der Klinik bauen, wolle "definitiv nicht auf die andere Seite". An dieser Einstellung ändere auch der Weggang von Prümmer-Verwaltungsdirektorin Sabine Hein nichts. Die Corona-Krise verzögere die weitere Planung nicht, behindere sie nur etwas. Derzeit werden laut Ulrich abschließende Gespräche mit künftigen Mietern des MedZentrums geführt.

Apropos Gespräche: Der Investor hatte den Machern der Bürgerinitiative zugesichert, mit ihnen und anderen Beteiligten einen Termin auszumachen. Architekt Stefan Richter, der dritte Sprecher von PRO Bad Brückenau, berichtet von einem Telefonat im März. Damals habe der Investor mitgeteilt, dass im April ein öffentlicher Termin zur Information stattfinden soll. "Gehört habe ich seitdem nichts mehr. Momentan sind von unserer Seite keine Schritte geplant; wir wollten den Termin abwarten."

IWG-Sprecherin Ulrich weiß von keinem konkret geplanten Treffen mit Initiatoren des Begehrens oder anderen am Projekt Beteiligten. Eine direkte Zusammenkunft sei in Zeiten von Corona schwer zu organisieren. Ausschließen will sie einen solchen Termin aber nicht.