Es war eine Premiere und zugleich ein farbenfrohes Fest beim Gottesdienst in der Friedenskirche. "Wir sind heute eine bunte Schar", sagte Pfarrer Kirchner mit Blick ins gut gefüllte Kirchenschiff. Zahlreiche Christen wollten bei der Taufe ihres jüngsten Gemeindemitglieds, einem Flüchtlingskind, dabei sein. Schließlich hatten viele in den vergangenen Monaten das Schicksal des Elternpaares kontinuierlich verfolgt und aktiv in mannigfacher Art und Weise Hilfestellung geleistet.

Roman Shugute und ihr Ehemann Berhanu Abebe stammen aus Äthiopien. Nach einer abenteuerlichen Flucht über mehrere Länder landeten sie Ende 2015 in Deutschland. Beide glaubten sich am Ziel und blickten erwartungsvoll in die Zukunft. Doch plötzlich tauchten im Frühjahr 2016 unerwartete Probleme auf. Der Frau drohte auf Grund der aktuellen Gesetzeslage die Rückführung nach Italien, das Land ihrer Erstregistrierung als Flüchtling. Spontan entschlossen sich die Bad Brückenauer, der damals 20-Jährigen Kirchenasyl zu gewähren.
Momentan lebt das Paar wieder zusammen in der Gemeinschaftsunterkunft in Volkers. Roman Shugutes Asylverfahren in der Bundesrepublik wurde neu gestartet, eine erste Anhörung hat im September vergangenen Jahres in Zirndorf stattgefunden. Man spricht aktuell von einem vorläufigen Bleiberecht.

An all diese Dinge und die aktuelle Entwicklung erinnerte Pfarrer Kirchner rückblickend in seiner Predigt, der er mit allerlei Requisiten, wie Sternentuch, Globus, Stoffherz oder Christusfigur wieder einmal einen starken symbolischen Charakter gab. Eifrig und gekonnt assistierte ihm bei den Handlungen der fünfjährige Emanuel. Auf vielfältige Weise beschäftigte sich der Geistliche mit dem Thema Wurzeln, die nicht nur bei den Pflanzen, sondern im übertragenden Sinne auch beim Menschen eine Basis für das Leben sind.


Glück und Harmonie

Die Hauptperson des Taufgottesdienstes, die knapp vier Monate alte Ruth Abebe, verfolgte derweil auf dem Schoß ihrer Mutter und zeitweise auch auf dem Arm ihrer Patin Petra Wißen mit stoischer Ruhe, was um sie herum geschah. Mutter und Kind, einheitlich in leichte weiße afrikanische Gewänder mit farbigen Bordüren gehüllt, boten zusammen mit dem Vater im dunklen Anzug ein friedvolles Bild und strahlten Glück und Harmonie aus.

Zur eigentlichen Taufzeremonie versammelten sich alle Kirchenbesucher mit leuchtenden Kerzen in den Händen rund um den Altar. Das angewärmte Wasser, das Pfarrer Kirchner über das Haupt des Mädchens rieseln ließ, irritierte das Kind nur kurz. Ganz im Gegenteil, spätestens zu diesem Zeitpunkt entstand der Eindruck, dass die kleine Ruth irgendwie spürte, dass sie an diesem Sonntag im Mittelpunkt stand.


Tauferinnerungskiste

Für eine gute Zukunft des Täuflings ist übrigens vorgesorgt. Der gesamte Bad Brückenauer Kirchenvorstand hat für sein jüngstes Gemeindemitglied die Patenschaft übernommen. Diese Aufgabe beinhaltet nicht nur seelischen Beistand, sondern sieht auch materielle Unterstützung vor. "Egal wo Ruth mit ihren Eltern einmal in Deutschland landet, wir werden uns auch weiterhin intensiv um die Familie kümmern", bringt Sabine Schroll das Engagement der evangelischen Christen auf den Punkt. Ein Anfang wurde bereits gemacht. Zum Start gab es für die junge Erdenbürgerin eine Tauferinnerungskiste mit Wünschen, Grüßen und kleinen Geschenken der Gottesdienstbesucher. Dieses Utensil soll das Mädchen ein Leben lang begleiten. Mit heimatlichen Gesangsdarbietungen der Eltern und deren Freunden klangen die Feierlichkeiten in der Friedenskirche aus, ehe man sich draußen zu einem weiteren symbolträchtigen Akt traf. Als Erinnerung an den großen Tag wurde von Berhanu Abebe und dessen Frau Roman Shugute für ihre Tochter ein Ahorn gepflanzt.

Geht es nach Pfarrer Kirchner, soll solch eine Handlung künftig für jeden Täufling bei der Aufnahme in die christliche Gemeinschaft vollzogen werden. Erste Gespräche, wie dies im Bereich des Georgi-Kurparks zu einer Tradition werden könnte, hat der Geistliche bereits mit Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) geführt. "Sie steht der Sache durchaus positiv gegenüber", so Kirchners Eindruck. Bei zwischen 25 und 30 Taufen pro Jahr könnte dann rund um die Friedenskirche im Laufe der Zeit ein neuer kleiner Wald entstehen.