Zwei Stolpersteine werden bald in Bad Brückenau an Nathan und Regine Goldschmidt erinnern. Darauf weist der Förderverein Landsynagoge Heubach in einer Pressemitteilung hin. Das jüdische Ehepaar hatte vor seiner Deportation in Heubach, dem Geburtsort von Nathan Goldschmidt, gelebt und war 1934 von Heubach nach Brückenau gezogen, wo beide Partner Verwandte hatten.

Die Initiative für dieses Gedenken geht vom Bad Brückenauer "Arbeitskreis Stolpersteine" aus. Dessen Leiter, Dirk Hönerlage hatte erstmals im Jahr 2018 mit einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern die Geschichte der in der Shoa umgebrachten Juden aus Bad Brückenau erforscht und damals eine erste Stolperstein-Verlegung angestoßen.

Namen und Kurzbiografien

Inzwischen steht die fünfte Aktion dieser Art an. Sie findet am Freitag, 1. Juli, statt. Hönerlage hatte wegen des Gedenkens für die Heubacher Eheleute Goldschmidt Kontakt zum Vorstand des Fördervereins Landsynagoge Heubach aufgenommen. Der Verein kümmert sich um die ehemalige Heubacher Synagoge. Die Namen und Kurzbiografien von Nathan und Regine Goldschmidt stehen in Heubach in einem Gedenkbuch verzeichnet. Mit diesem Band erinnert der Heubacher Verein an die 41 Jüdinnen und Juden aus Heubach, die in der NS-Zeit umgebracht worden sind. www.synagoge-heubach.de/memoryBook.php

Verein übernimmt Patenschaft

Der Vorstand des Heubacher Vereins beschloss, die Bad Brückenauer Initiative zu unterstützen und übernahm die Patenschaft für die Stolpersteine in Bad Brückenau.

Nathan Goldschmidt, Jahrgang 1868, war gebürtiger Heubacher. Er handelte mit Textilien. Das inzwischen abgerissene Gebäude, in dem die Eheleute mit weiteren Verwandten wohnten, trug im Dorf lange Zeit den Hausnamen "Nathans".

Seit 1834 war es, wie man im Heimatverein Heubach weiß, Eigentum der jüdischen Familie Goldschmidt. Nathans Ehefrau Regine stammt aus dem bei Bad Brückenau liegenden Dorf Geroda. Beide Eheleute waren schon betagt, als sie im Sommer 1942 aus einem jüdischen Altenheim in Frankfurt ins Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt wurden.

Zuvor hatten die Goldschmidts noch knapp drei Jahre in der Johannisstraße in Fulda gelebt. Nathan starb neun Tage nach seiner Deportation in Theresienstadt im Alter von 74 Jahren. Regine, damals 75 Jahre alt, wurde wenig später ins Vernichtungslager Treblinka (nordöstlich von Warschau) gebracht. Ihr Todesdatum ist unbekannt, heißt es weiter in der Pressemitteilung des Heimatvereins Heubach.

Stolpersteine

Wann? Am Freitag, 1. Juli, ab 14 Uhr, Beginn in der Müllersgasse 8

Für wen? Dieses Mal werden Steine gesetzt für Sara Fröhlich (*1870), Ricka Fröhlich (*1872), Nathan Goldschmidt (*1868), Regine Goldschmidt (*1866), Ricka Hecht (*1866), Ida Hecht (*1906), Recha Heilbrunn (*1878), Flora Zeller (*1873).

Wer verlegt? Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, das im Jahr 1992 begann. Mit im Boden verlegten kleinen Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die in der Zeit des Nationalsozialismus (NS-Zeit) verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Der Künstler wird diesmal nicht vor Ort sein: Mitarbeiter des städtischen Bauhofs übernehmen die Stolpersteinverlegung, die inzwischen zum fünften Mal in Bad Brückenau stattfindet.