Als drittes Kind des "Bröggenäer" Malermeisters Anton und dessen Ehefrau Maria, gebürtige Detterin, erblickte er nach seiner Schwester Margarete, dem älteren Bruder Oskar und vor dem jüngsten Richard am 11. Mai 1941 das Licht der Welt in der Rupprechtstraße in Bad Brückenau. Als Anton. Und wurde so auch in das kirchliche Taufregister eingetragen. Doch weil der Vater schon den gleichen Vornamen trug, nannte man den Buben Toni. Mit diesem kurzen Ruf- und dem fast ebenso knappen wie einprägsamen Nachnamen Zeier wird er fortan in seinen Personalausweisen geführt. Und in der jüngeren Stadtgeschichte der Kurstadt als Macher, Motor, Meister. Als Mann für alle Fälle. Heute wird er 80 Jahre alt.

Und der hat viel zu erzählen. Als vielseitiger Sportler. Als fürsorglicher Familienvater. Als vorausschauender Vereinsfunktionär. Als weitblickender Lokalpolitiker. Als die Zukunft planender Firmenchef. Gut sechs Jahrzehnte hat er in diesen Positionen seinen Mann, in Verantwortung gestanden. Die Geschicke wesentlich mitbestimmt. Ein langes, erfolgreiches und zufriedenes Privat-, öffentliches und Berufs-Leben.

Zur Belohnung Schokolade

Da ist die frühe Kinderzeit, die anfänglich noch vom Krieg und danach mit der amerikanischen Militärbesatzung geprägt war. "Mir klänne Käuz mussten 1945 dem Volkssturm helfen, Panzersperren an der B 27 aufzubauen." Kurz darauf kamen die Amerikaner. Und mit ihnen Kaugummi, Kaffee, Berge von "sweet chocolates". In der heutigen Weckbecker-Klinik gab es damals ein Wohlfahrtsheim. Da waren viele US-Offiziere aus Wiesbaden untergebracht - aber denen schmeckte das Essen dort nicht. "Bei meiner Mutter am Haus-Hintereingang und Küchenfenster wurden sie schmackhafter versorgt. Für uns Kinder gab es zur Belohnung haufenweise Schokolade, die zwischen den Doppelglasscheiben gebunkert wurden und im Winter als Kälteschutz-Isolierung wirkte", erinnert sich Zeier zurück.

Führerschein mit zehn Jahren

An zumindest fragwürdige Jagdausflüge und sub-legale Fischbeutezüge mit Sprengstoff und GI's an Sinn, Schondra und Saale, wobei ihm die Amis auch schon früh, im zarten Knabenalter von nur zehn Jahren, zu einer "driving license" verhalfen. Dieser "Führerschein" war nicht nur bei Fahrdiensten im Wald, auf der Wiese und am Bach von Nutzen, sondern nur einige Jährchen später in der spätpubertären Phase auch gut auf der Straße zu gebrauchen, als der noch minderjährige Toni für den sehbehinderten Vater Anton das erste Zeier'sche Auto, einen vom Aschaffenburger Polizeipräsidenten gekauften grauen Mercedes, in die Rhön überführte. Später ging es damit auch mal für zwei Tage live mit Elvis Presley auf Disco-Tour - als dieser 1959 in Wildflecken kurzzeitig als Soldat stationiert war. "Taxler" Toni wurde von der Bundeswehr freilich freigestellt. 1959 - ein einschneidendes Jahr für Zeier. Davon später mehr.

Erfolgreicher Sportler

Vorher wurde der kleine Toni 1947 eingeschult, hatte seine Begeisterung schon längst für Turnvater Jahn entdeckt und ein Jahr zuvor erstmals am Ignaz Schäfer-Gedächtnis-Turnen teilgenommen.

Zeier gewann die Stadt-Ski-Jugendmeisterschaft, trat dem TV 1884 Bad Brückenau bei, wurde Sieger des Turn-Zehnkampfs im Rhön-Saale-Gau und nahm am Deutschen Turnfest in München teil. Dort wurde sein großes Talent - wie auch das von Toni Krug - entdeckt.

Beide Brückenauer wurden zu einem Sichtungslehrgang an die Sportschule nach München-Grünwald für die Olympiade 1960 in Rom eingeladen. Für die Aufnahme in den deutschen Geräteturnen-Olympiakader langte es jedoch nur denkbar knapp letztlich leider nicht. "Mein Parade-Pferd waren die Ringe, der Kreuzstand - ein Klacks für mich", schwelgt Zeier in Erinnerungen, "als wir in der Bundesliga turnten und ins Ausland zu Wettkämpfen flogen."

Apropos 1959. Wieder sorgte der Sport für eine einschneidende Marke in Tonis Leben. Auf dem Gauturnfest in Marktheidenfeld kam es zum "ersten Kontakt" mit Elisabeth - seiner späteren Frau. 1964 war Hochzeit. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor: Manuela und Axel. Der sollte 2014 den mittlerweile nach Volkers übersiedelten Betrieb vom Vater übernehmen - mit Enkel Frederik steht schon die vierte Nachfolger-Generation in den Startlöchern der Zeier'schen Firmengeschichte.

Firmenumzug nach Volkers

Die ist heutzutage auf den Fundamenten Sanitär, Spengler- und Heiztechnik sowie Solar aufgebaut und seit 1995 auch mit der Betriebssparte Stadthausbau dem Unternehmen angegliedert. "Dass damals die letzte Baufirma vor Ort ihre Pforten schloss und immer mehr bauwillige Bad Brückenauer in die umliegenden Gemeinden abwanderten, hat mich zu diesem Schritt bewogen", erläutert der Seniorchef, der 1955 seine fünfjährige Spengler- und Installationstechnik-Lehre bei der Firma Kirchner in Bad Brückenau begann und 1966/67 mit den Meisterprüfungen in Buchhaltung und dem Spenglerhandwerk an den Würzburger Kammern abschloss.

Zudem war Zeier noch im Außen- und Kundendienst für Gaststätten des Brauhauses Bad Brückenau tätig, auch fallen der Wohnhaus- und Werkstattbau in der Leimbachstraße und die Unternehmensgründung 1965 in diesen Zeitraum. 1990 bis 1992 folgte schließlich der Firmenneubau und Umzug in den Ortsteil Volkers.

Initiator für das Kinderdorf

Mit Wildfleckens langjährigem Bürgermeister Helmut Patzke war Zeier Vordenker und Initiator für das Kinderdorf in Riedenberg. Der Neubau des Schul- und Sportzentrums in Römershag fiel in die Ägide des im Stadtrat maßgeblich damit betrauten langjährigen PWG-Mitglieds. Die Jugendarbeit spiegelte sich unter anderem im Schulturnen in den TV-Hallen, beim Bau des Wald-Forts am Kinderspielplatz des Berghauses Rhön wider.

Darüber hinaus hatte Zeier diverse Ehrenämter inne, wurde dafür mit Urkunden, Auszeichnungen, Ehrenbriefen und Treuenadeln entsprechend gewürdigt. Langjährige Mitgliedschaften, so etwa über 50 und 60 Jahre im Motorsportclub, beim ADAC, im Vorstand des TV und im Turngau prägten ihn und seine Mitstreiter.

Zeier war Trainer des bayerischen Männer-Volleyball-Meisterteams aus Brückenau, wirkte am Aufbau der Städtepartnerschaft mit Ancenis mit, organisierte nach einer Wette mit dem Gerodaer Julius Wassermann 1966 den weltberühmten legendären Bad Brückenauer "Opa-Lauf", regte im Jahr 1981 als TV-Vorstand das erste Stadtfest an. Der spätere Ehrenvorsitzende lotste den Präsidenten des Deutschen Sportbundes (Willi Weyer), OlympiasiegerInnen (Annegret Richter, Bernd Cullmann, Walter Mahlendorf), die Fackelträgerin von Olympia 1968 aus Mexiko (Norma Enriqueta Basilio Sotelo) in die Kurstadt und das heimische Wohnzimmer, nahm 1972 das Olympische Feuer für München beim Zwischenstopp in Brückenau in Empfang.

"Es war insgesamt eine schöne Zeit, ich hatte viel Glück in meinem Leben. Die Nachbarschaft zu Dr. Egid Trost und die Mitgliedschaft im Turnverein waren sicherlich von Vorteil für mich", resümiert der Jubilar. "Ich habe viel Empathie mit eingebracht und große Wertschätzung erfahren. Vielleicht gab es auch einige Neider."

Mit dem Rad durchs Schaufenster

Drei einschneidende Erlebnisse aus der Kinderzeit möchte er noch unbedingt an die Leserschaft mit weitergegeben: So wurde Toni Zeier auf seinem Fahrrad vom Senior Heidelmeier und dessen Motorrad "Vorfahrtsberechtigt vor der heutigen Volksbank regelrecht abgeschossen". Und mit dem Kühe-Gespann und dem Vater samt Fichten-Gerüst im Anhang fuhr der kleine Bub am engen Altstadt-Eingang beim heutigen Neisser in das Glas-Schaufenster eines schon damals bestehenden Blumenladens. "Das hat gescheppert, das waren die spektakulärsten Unfälle in der unmittelbaren Nachkriegszeit in "Bröggenaa" und hat für viel Furore gesorgt."

Aufsehen erregte Zeier zudem sogar weit über die (Alt-) Landkreis- und Landesgrenzen hinaus bis nach Amerika, als er mit einer Plastik über die ungarische Puszta den "US-Bastelwettbwerb Deutschland" gewann. Per Militärtruck bis in den Hamburger Hafen und via U-Boot über England landete der 1. Preis schließlich in einem Museum in New York, wo das prämierte Bastelstück Jahre später von Zeiers Cousine und deren Gatten, dem Drei-Sterne -General Wright, der vier US-Präsidenten diente, wiederentdeckt wurde und heute dort noch ausgestellt wird.

Insektenhotels und Freundschaftsdienste

Mittlerweile bastelt Toni Zeier hobby-technisch Insektenhotels, räumt im (Un-)Ruhestand die Werkstatt auf, krempelt das Lager logistisch um, fährt im umgebauten und aufgemotzten Mini-Gelände-Truck Werkzeugkoffer durch die Gegend, die Einkäufe für Frau Elisabeth heim und den Schäferhund der Tochter zum Gassigehen auf den Volkersberg hoch, verrichtet Hilfs- und Freundschaftsdienste für Sohn Axel, Schwiegertochter Brunhilde, Enkel Frederik und Enkelin Ricarda.

Ein Mann mit "Hummeln im Hintern" eben, jemand, der in des Wortes positivster Bedeutung auch mit nunmehr 80 Lenzen voller Tatendrang und Energie steckt, immer in Bewegung ist und einfach nicht still halten kann.