Wohl mit einem mulmigen Gefühl im Magen sind am Dienstag die Zwölft-klässler des Bad Brückenauer Franz-Miltenberger-Gymnasiums aufgewacht. Acht Jahre lang haben die Schüler mit der Unterstützung ihrer Lehrer unermüdlich auf die kommenden Wochen hingearbeitet, um gut vorbereitet zu sein auf das, was sie nun endlich erwartet: Wie für alle bayerischen Gymnasiasten beginnt am Dienstag, 6. Mai, für sie das Abitur mit der schriftlichen Prüfung in Deutsch.

Wie die Lehrer fiebert auch Schulleiter Stefan Bub jedes Jahr mit: "Ich wünsche den Schülern viel Erfolg im Abitur und drücke ihnen fest die Daumen."
Annemieke Plümke aus Detter und Cecilia Scheller aus Riedenberg gehören zu den insgesamt 43 Schülerinnen und Schülern, die dieses Jahr in Bad Brückenau ihr Abitur schreiben werden. Für die beiden Mädchen sind die Prüfungen ein wichtiges Ereignis: "Wir legen damit den Grundstein für unser weiteres Leben", sagt Annemieke, denn tatsächlich ist oft neben den zuvor in der Oberstufe gesammelten Noten der Abiturschnitt ausschlaggebend für das Erreichen des Wunschstudienplatzes oder des Traumberufs. Um möglichst gut abzuschneiden, ist also Lernen angesagt. Überall in Cecilias Zimmer sind Schulutensilien verstreut, Ordner und Hefte stapeln sich auf dem Schreibtisch. Neben den schriftlichen Pflichtfächern Mathematik und Deutsch werden noch drei weitere Fächer geprüft: eines schriftlich und zwei mündlich.

Cecilia hat sich für Englisch, Religion und Kunst entschieden, und um den Überblick zu behalten, hat sie sich einen Lernplan erstellt. "Außerdem unterstützt mich meine Familie bei der Vorbereitung: Meine Brüder haben das Abitur schon hinter sich und können mir viel erklären, meine Eltern motivieren mich und haben Verständnis, wenn ich vielleicht erst nach dem Abi wieder dazu komme, mein Zimmer aufzuräumen", erzählt Cecilia schmunzelnd.

Extra früh aufgestanden

Auch Annemieke weiß, dass das Lernen viel Zeit in Anspruch nimmt. An den Wochenenden und in den Ferien ist die Schülerin extra früh aufgestanden, um sich die Inhalte ihrer ausgewählten Fächer Latein, Geschichte und Informatik zu verinnerlichen. Am meisten Mühe haben beide Mädchen in Mathematik-übungen investiert: "In den Abituraufgaben wird alles vermischt, was wir in Mathe gelernt haben. Manches ist aber schon ein paar Jahre her, so dass man es schon wieder vergessen hat", bemerken sie. Trotzdem sind Cecilia und Annemieke optimistisch: "Wenn wir nicht verschlafen oder uns kurz vorher den Arm brechen, schaffen wir das schon", witzelt Cecilia.

Pläne für danach

An Entspannung nach dem Lernstress ist nicht zu denken: Beide haben schon Pläne für die Zeit nach dem Abitur geschmiedet. Natürlich wird gefeiert, besonders da Cecilias 18. Geburtstag genau auf den Tag der letzten mündlichen Prüfung fällt.

Nach dem Abiball geht es zunächst in den Urlaub: Cecilia reist mit Mitschülern nach Lloret de Mar. Annemieke und ihr Freund fliegen in die Türkei. Anschließend möchte Cecilia im Rahmen eines freiwilligen sozialen Jahres beim Roten Kreuz Kinder in Afrika unterstützen, bevor sie ihr Studium für Lehramt am Gymnasium beginnt. "Was genau ich unterrichten will, ist noch in Bearbeitung. Aktuell sind es die Fächer Englisch und Deutsch", erzählt sie. Annemieke hat sich für den Studiengang 'Soziale Arbeit' entschieden, da auch sie später einmal gerne mit Kindern arbeiten möchte. "Ich hoffe auf einen Studienplatz in Coburg, denn so könnte ich bei meiner Oma wohnen", erklärt die 19-Jährige.

Trotz dieser Zukunftsaussichten stimmt der Abschied von ihrem Gymnasium die Mädchen traurig: "Es ist eine so kleine, gemütliche Schule. Man kennt alles und jeden schon seit acht Jahren. Das Gebäude, die Sekretärin, den Hausmeister, die Lehrer. Und natürlich hat man hier auch viele Freunde gefunden, die man nach dem Abitur wohl auch nicht mehr so oft sehen wird."

Auch Schuldirektor Stefan Bub wird seine Schützlinge vermissen. "Sie kamen als Kinder hier her, und jetzt gehen sie als junge Erwachsene hinaus in die Welt. Ich hoffe, dass jeder aus der Fülle der Angebote nach dem Abitur das richtige für sich findet."