Er hat es immer wieder gewollt, aber nie geschafft: Irgendwann in den 1980er-Jahren bekam Allgemeinarzt Wolfgang Wildenauer einen Citroën 2CV geschenkt. "Vom Ford-Händler Beck, als der noch in Bad Brückenau saß", erinnert sich der 75-Jährige.

Wildenauer wollte das gute Stück, Baujahr 1976, ohne TÜV und mit einem Schaden an der Vorderachse, wieder aufbauen - so wie er es im Studium manches Mal gemacht hatte. "Da wurden schon mal aus zwei Citroën 2CV einer. So haben wir uns Geld zuverdient."

Allein: Studium war nicht Berufsleben. Wolfgang Wildenauer fand nicht mehr die Zeit, die "Ente" zu restaurieren, wie er es vorgehabt hatte. Als er noch mit seiner Familie das Anwesen Kapellengasse 1 bewohnte, stand sie nach seinen Worten neben der Haustür. 2009, als er im selben Gebäude seine Arztpraxis einrichtete, sei der Oldtimer an die Stelle seitlich am Haus gerückt worden, wo er zuletzt stand.

"Wir haben noch eine Rampe gebaut. Die ist er dann auf eigenen Rädern, wenn auch nicht mehr aus eigener Kraft, hochgerollt." Denn zwischendrin hatte der Marder einige Leitungen lahmgelegt.

Da stand sie nun, die in Ehren gerostete "Ente". Und wurde zum Wahrzeichen der Praxis Wildenauer. Denn jeder, der auch nur dort vorbeikam, konnte sie gar nicht übersehen. Obwohl zeitweise ein Baum zwischen Stoßstange und Motorhaube emporwuchs.

Bis vor drei Wochen. Da hing der 2CV plötzlich an Schlaufen an einem kran. Und wurde weggebracht. "Seitdem fragen ganz viele Leute, wo die 'Ente' hingekommen ist. Sie wurde ja auch sehr oft fotografiert", sagt Wildenauer mit einem Schmunzeln.

Er kann die Leute beruhigen. Der Citroën war kein Fall für den Schrotthändler. Der 75-Jährige weiß sie in guten Händen, nämlich denen von Hubert Phillipp aus Breitenbach. "Ich habe gesagt, es ist schad' drum. Aber wenn der Hubert sie zum Fahren bringt, schenke ich sie ihm. Er ist mit Leib und Seele Automensch."

Selbst zum Restaurieren würde Wolfgang Wildenauer selbst heute nicht mehr kommen. Mit 75 Jahren arbeitet er immer noch jeden Tag in der Praxis. Auch ist er Oberhaupt eines Familienclans mit vielen Kindern und Enkeln; da ist immer was los. Und schließlich steht die Garage, in der er eine Werkstatt einrichten könnte, mit anderen Dingen voll

Ein paar Autoteile gab Wildenauer dem Breitenbacher Phillipp noch dazugegeben. Er hofft, dass der sein Werk vollende - und er die "Ente" selbst noch einmal lenken darf - und wenn es nur für einen Tag ist.

Hubert Phillipp ist gerade dabei, den Citroën 2CV zu zerlegen. Die Stoßfänger hat er entfernt und einen Blick dahinter geworfen. "Der Rahmen ist durch; da muss ich einen anderen besorgen." Für den Breitenbacher kein Wunder, habe der Oldtimer doch jahrelang in der Wiese gestanden.

Zu spät für die "Ente" ist es laut Phillipp aber noch nicht. Er hat sogar eine gute Botschaft. "Der Motor läuft schon wieder." Er sei aber ganz rostig, müsse ausgebaut und restauriert werden.

Gegen Ende des Jahres werde der Neuaufbau des Oldtimers Formen annehmen; den TÜV will der Breitenbacher sich im Frühjahr holen. Phillipp selbst will mit der "Ente" später herumfahren, immer abwechselnd mit einem alten russischen Geländewagen vom Beginn der 1970er-Jahre und einem 32 Lenze zählenden Ford Escort Cabrio, die er schon sei Eigen nennt.

Dass Vorbesitzer Wolfgang Wildenauer den 2CV noch einmal für einen Tag fahren will, nennt der Breitenbacher eine "abgemachte Sache. Ich sehe zu, dass er sogar ein ganzes Wochenende durch die Gegend fahren kann."

Übrigens: Kürzlich kam die Wildenauer-"Ente" zu deutschlandweiten Ehren. Sie erschien in einer der jüngsten Ausgaben von "Auto-Bild".