Mit einem Vogelhäuschen fing alles an: Vor einem Jahr suchte Heinz Mayr aus Bad Brückenau ein Haus für die Tiere - und fand kein passendes. "Ich war sehr enttäuscht, denn das, was ich fand war schlecht gemacht und billig in China bemalt", sagt er. Schließlich habe der Rentner einfach selbst versucht, eines zu bauen. Er kaufte sich Holz, Werkzeug und dann ging es los.

"Man muss sich halt zu helfen wissen", lacht Mayr, der schon sein Leben lang akribisch an Themen arbeitet, beispielsweise als Tontechniker für die Kelly Family Ende der 1980er Jahre. Mit ihnen habe der Autodidakt, der aus Düsseldorf stammt und seit einigen Jahren in Bad Brückenau wohnt, in den frühen Jahren CD's produziert. Sein Tonstudio, in dem er zuletzt Jingles für einen Radiosender produzierte, hatte er bis ins letzte Jahr hinein in seiner Wohnung gegenüber der katholischen Kirche.

Beliebte Konstrukte

Seine handwerkliche Ader allerdings fand er erst im vergangenen Jahr, beim Bau des Vogelhäuschens. "Eine Bekannte fand das Häuschen so schön, dann musste ich noch eins bauen", sagt Mayr. Seine kunstvoll gestalteten Nistplätze sprachen sich rum. "Irgendwann waren aber alle Gartenbesitzer ausgestattet und ich musste mir was Neues ausdenken", erzählt er weiter.

Die Liebe zum Detail trieb ihn immer weiter: Vorhänge, Blumenkästen, Bestuhlung, und schließlich eine Beleuchtung im Inneren kamen nach und nach in seinen Kunstwerken hinzu. Immer mehr Details mussten es sein. Und um dem Ganzen noch eine Spitze aufzusetzen, versuchte er schließlich, echte Häuser nachzubauen.

40 Häuser

"Das war schon schwerer als die Fantasiehäuschen", gibt er zu. Schließlich ging es darum, den Maßstab einigermaßen zu halten. Dazu kommt, dass er die Häuser nicht aus allen Perspektiven sieht. Über ein Haus in der Stadtmitte habe der Eigentümer eine Drohne fliegen lassen. "So konnte ich den Innenhof und das Dach besser nachbauen", sagt der Autodidakt.

Mittlerweile hat Mayr über 40 dieser Häuser gebaut. Bad Brückenauer Häuser waren es ungefähr fünf Stück. Trotzdem möchte Mayr für seine Kunstwerke meist kein Geld haben. "Immer wenn wir zum Essen eingeladen wurden, hat der Gastgeber ein Häuschen von mir geschenkt bekommen", sagt der Rentner. So habe er immer wieder Platz geschaffen für neue Ideen.

Werkstatt in Wohnung

Das Tonstudio zuhause musste nach und nach einer Werkstatt weichen. Sein neues Hobby verlangte viel Werkzeug und Kleinteile, die er alle akribisch in Schachteln und Regalen sammelt. Wie lange er für ein Haus im Durchschnitt brauche? "Ungefähr einen Tag", schätzt er. Seine Frau helfe ihm immer wieder, zum Beispiel beim bemalen oder abmessen der Häuser.

Allerdings: Es sollte lieber kein Mathematiker nachmessen, denn "uns geht es mehr um die Optik als um die Genauigkeit", gibt Mayr zu. Einige seiner Häuser sind auch zu bestaunen, zum Beispiel im Restaurant Da Rocco am Marktplatz oder in der Tourist Information in der Georgi-Kurhalle.