Spätestens im Jahr 2006 kehrten die großen Beutegreifer nach langer Abwesenheit wieder in das Bewusstsein der Menschen zurück: Damals machte sich aus der Provinz Trient in Italien ein Braunbär, später als "Bruno" bekannt, auf den Weg in das bayerisch-österreichische Grenzgebiet. Über 170 Jahre war es damals her, dass ein Braunbär die Grenze nach Deutschland überschritten hatte. Letztlich gab man ihn zum Abschuss frei, im Juni 2006 erlegten vier Männer den Braunbären.

Luchs und Wolf zählen ebenfalls zu den großen Beutegreifern, sie sind geschützt und verbreiten sich inzwischen auch in Bayern. Im Landkreis Rhön-Grabfeld gab es über längere Zeit Nachweise einer standorttreuen Wölfin, die allerdings in diesem Jahr jedoch nicht genetisch nachgewiesen werden konnte. Auch im Landkreis Bad Kissingen werden immer wieder Wölfe gesichtet, hierbei handelt es sich vermutlich um durchwandernde Tiere. Oder, es sind gar keine Wölfe, denn auch manche Hunderassen oder der Goldschakal können insbesondere bei schlechten Sichtverhältnisse für Meister Isegrim gehalten werden. Des Weiteren können auch Mischlinge zwischen Hunden und Wölfen auftreten, die von reinrassigen Wölfen nicht anhand des Aussehens unterschieden werden können,heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes Bad Kissingen.

Meldung an das Landesamt für Umwelt

Eindeutige Fotos oder genetische Wolfsnachweise im Landkreis Bad Kissingen sind bisher sehr selten. Sichtbeobachtungen, Totfunde (darunter auch Opfer im Straßenverkehr), Spuren und mögliche Wildtierrisse von Wolf und Luchs sollten dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) über ein Meldeformular zusammen mit Bildern oder Videos (sofern vorhanden) übermittelt werden. Das Meldeformular findet auf der Homepage des LfU. Dort steht auch die E-Mail Adresse, an die das Formular geschickt werden soll. Totfunde sollten auch immer der Unteren Naturschutzbehörde und der zuständigen Polizeistelle mitgeteilt werden. Denn beide Arten sind streng geschützt und dürfen nicht getötet oder vergiftet werden. Am LfU werden alle Meldungen weiter analysiert, es wird überprüft, ob es sich tatsächlich um die genannten Beutegreifer handelt. Bei potenziell von Wolf oder Luchs gerissenen Tieren werden weitere Untersuchungen veranlasst.

Tiere werden dokumentiert

Vertreter des "Netzwerk Große Beutegreifer" suchen typische Fraßspuren an den Kadavern der Tiere und dokumentieren dies, zudem nehmen sie Proben für eine genetische Untersuchung. Nicht jeder angefressene Kadaver muss von einem Wolf oder Luchs gerissen worden sein. Hunde oder Füchse können ebenso für Risse an Wild- und Nutztieren verantwortlich sein. Füchse besitzen nicht die Beißkraft eines Hundes oder Wolfs, diese Risse zeigen vergleichsweise viele Bisse mit kleinen Löchern. Generell werden auch Tiere, die ohne äußerliche Einwirkung gestorben sind, im Nachhinein angefressen. Die weitere Untersuchung eines vermeintlich von Wolf oder Luchs gerissenen Tieres ist also immer sinnvoll. Sollte bei einem Nutztierriss der hinreichende Verdacht auf einen großen Beutegreifer vorliegen, gibt das LfU folgende Tipps: Zuerst sollten die übrigen Weidetiere gesichert und möglicherweise verletzte Tiere versorgt werden. Den Kadaver belässt man am Fundort und dokumentiert die Szene mit Fotos. Am besten fotografiert man aus mehreren Perspektiven.

Schäden umgehend melden

Ganz wichtig ist es, den Kadaver mit einer Matte, Decke oder etwas Vergleichbarem vor Witterungseinflüssen und der Nachnutzung durch andere Tiere zu schützen, dennoch sollte die Umgebung nicht großflächig zertrampelt werden. Schäden an Nutztieren sollte man umgehend an das LfU melden, unter Tel.: 09281/1800 4640 sind täglich (auch am Wochenende), von 10 bis 16 Uhr, Experten erreichbar. Hier werden die Schadensmeldungen entgegengenommen. Außerhalb dieser Zeiten kann man gegebenenfalls auch die für den jeweiligen Landkreis zuständige Untere Naturschutzbehörde kontaktieren. Insbesondere bei Nutztierrissen führt ein Mitarbeiter des "Netzwerks Große Beutegreifer" die Dokumentation vor Ort durch und nimmt die Proben. Auch im Landkreis Bad Kissingen gibt es einige Mitarbeiter des Netzwerks. Weitergehende Informationen zum Umgang mit Nutztierrissen, bei denen ein großer Beutegreifer in Betracht kommt, finden sich ebenfalls auf der Homepage des LfU.

Konflikte entschärfen

Generell gilt: Um die Ehrenamtlichen vom "Netzwerk Große Beutegreifer" nicht zu überlasten, können nur Risse überprüft werden, bei denen ein begründeter Verdacht auf einen großen Beutegreifer besteht. Viele Risse gehen auch auf das Konto von wildernden Hunden. Vor allem Nutztierrissen ist hierbei eine Priorisierung zur Untersuchung einzuräumen. Wildtierrisse werden vor allem dann überprüft, wenn vom Revierpächter in jüngerer Zeit ein Wolf oder Luchs im Revier festgestellt wurde. Durch das "Netzwerk Große Beutegreifer" wurde von den Behörden ein erster Schritt getan um potenzielle Konflikte mit dem Wolf zu entschärfen und betroffenen Nutztierhaltern zur Seite zu stehen. Es darf nicht vergessen werden, dass Wolf und Luchs ursprünglich in der Region heimisch waren und sich nun langsam wieder ihre angestammten Lebensräume zurückerobern. Sie spielen eine wichtige Rolle im Gleichgewicht der Natur.