Die Auswirkungen des Klimawandels auf Wiesenbrüter, Heuschrecken und Libellen standen im Fokus dreier Masterarbeiten im Unesco-Biosphärenreservat Rhön. In der Vortragsreihe "In der Rhön - für die Rhön" haben die jungen Wissenschaftlerinnen ihre Ergebnisse vorgestellt. Die Onlineveranstaltung, zu der die Bayerische Verwaltung des Biosphärenreservats geladen hatte, verfolgten mehr als 80 Teilnehmer.

Dass sich der Klimawandel bereits auf den Bestand der Libellen in der Hochrhön und die Heuschrecken auf Rhöner Kalkmagerrasen auswirkt, konnten Tina Bauer (Pädagogische Hochschule Karlsruhe) und Johanna Trappe (Uni Münster) in ihren vergleichenden Untersuchungen nachweisen. Auch bei den Wiesenbrütern ist ein dramatischer Rückgang zu verzeichnen - um diesen zu stoppen, empfiehlt Larissa Renninger (FH Erfurt) die Förderung vielfältige Vegetationsstrukturen und eine hohe Dichte von Grenzstrukturen in der Landschaft.

Durch die vor allem in den Sommermonaten deutlich angestiegenen Temperaturen und die geringeren Niederschläge - ein Rückgang von bis zu 700 Millimeter - geraten besonders Libellen unter Stress, die auf kleine Wasserstellen spezialisiert sind. Tina Bauer stellte fest, dass einige Standorte in der Rhön mittlerweile nicht mehr feucht genug sind, um den Libellen, die zur Eiablage Wasser brauchen, einen geeigneten Lebensraum zu bieten.

Wärmeliebende Arten wie die Westliche Weidenjungfer hingegen konnten ihr Verbreitungsareal in höhere Lagen ausweiten. Selbst ausgewiesene Tieflandarten wie der Südliche Blaupfeil und die Blaue Federlibelle haben sich an den untersuchten Gewässerstandorten der Hochrhön neu angesiedelt. Insgesamt identifizierte Bauer zehn Arten, die von den wärmeren Temperaturen profitieren, und vier Arten, die eindeutige Verlierer dieser Klimaentwicklungen zu sein scheinen. Diese sind allesamt Moorarten, die unter den geringen Sommerniederschlägen leiden und in der Rhön auch nicht in höhere Lagen auswandern können.

Abwechslungsreich muss es sein

Der Wiesenpieper stand im Fokus der Masterarbeit von Larissa Renninger. Die Bestände des Vogels, der vor nicht allzu langer Zeit noch als "Allerweltsart" galt, sind zwischen 1990 und 2005 dramatisch zurückgegangen - wie auch die Bestände nahezu aller anderen Wiesenbrüterarten. Heute gilt der Wiesenpieper in Bayern und Hessen als vom Aussterben bedroht. Larissa Renninger wollte deshalb herausfinden, welche Bewirtschaftungsart sich positiv auf den Wiesenpieper auswirkt, um künftige Strategien besser auf dessen Schutz ausrichten zu können. Ihr Fazit: Auf Weiden, die parzelliert und somit besonders "sauber" abgeweidet werden und kurzrasig sind, findet der Wiesenpieper nicht mehr ausreichend Deckung zum Nisten. Das beste Nahrungsangebot findet er auf gemähten Flächen, die mit Brachestreifen durchsetzt sind.

Neben Verstecken zum Nisten braucht der Wiesenpieper unbedingt auch kurzrasige Areale für die Nahrungssuche, und zusätzlich zur Revierabgrenzung zum Beispiel Steine, Sträucher oder Zaunpfähle. Bei der Bewirtschaftung sind daher eine möglichst hohe Grenzliniendichte, eine abwechslungsreiche Vegetationsstruktur und ein insgesamt hoher Strukturreichtum wichtig.

Auf Weiden kann dies durch eine sehr großflächige Zäunung erreicht werden - und durch einen Wechsel der Weide, solange das Gras noch nicht überall komplett abgefressen ist. Auch das Auszäunen von Brachestreifen ist eine Möglichkeit, Deckung und Nistmöglichkeiten zu schaffen. Bei gemähten Wiesenflächen können angepasste Mahdmuster, die Brachestrukturen zulassen, das Wiesenbrütervorkommen begünstigen.

Neue Heuschreckenarten

Kurzfristig negative Effekte durch Beweidung konnte auch Johanna Trappe in ihrer Untersuchung der Heuschreckenvorkommen auf Magerrasen feststellen. Wenn die Vegetation homogen kurzrasig ist, wird es besonders auf geneigten Flächen sehr heiß. Zudem finden die Heuschrecken keine Deckung vor ihren Fressfeinden, den Vögeln. Die größte Diversität an Heuschrecken stellte Trappe auf jungen Brachen mit abwechslungsreicher Vegetationsstruktur fest. Auch die Grenzliniendichte im Radius von 500 Metern spielte eine entscheidende Rolle. Einzelbäume auf der Fläche, eine gute Streuauflage und hohe Vegetationsdichte waren weitere Faktoren, die die Heuschreckenvorkommen auf Magerrasen in der Rhön positiv beeinflussten.

"Auch wenn eine zu starke Beweidung kurzfristig negative Effekte auf die Heuschrecken haben kann, ist sie dennoch insgesamt als positiv zu bewerten - denn einige spezialisierte Arten sind abhängig von der Beweidung", betonte die Studentin. Auch sie konnte neue wärmeliebende Arten nachweisen, die es vor 30 Jahren in der Rhön noch nicht gab: die Feldgrille, die Gestreifte Zartschrecke, das Weinhähnchen und den Schwarzfleckigen Heidegrashüpfer.

Die Aufzeichnung des Vortrags sowie die Dokumentation der Veranstaltung finden Sie auf der Homepage des Biosphärenreservats hier.