Nachdem der Luchs um 1950 fast völlig aus Deutschland und Westeuropa verschwunden war, gibt es heute vor allem im Bayerischen Wald und im Harz wieder kleine Populationen, aus denen Luchse abwandern und Lebensräumeneu besiedeln. So gibt es auch in der Rhön seit 2015 immer wieder Spuren, die auf die Anwesenheit der majestätischen Katze hindeuten, teilt das Unesco-Biosphärenreservat Rhön in einer Pressemeldung mit.

Im Rahmen der Vortragsreihe "In der Rhön - für die Rhön" berichtete Maximilian Hetzer von seiner intensiven Feldforschung, dem Sozialleben des Luchses und dessen Rolle als Jäger im Ökosystem Wald. "Luchse sind heimliche Jäger. Es gehört schon sehr viel Glück dazu, bei einem Waldspaziergangeinen kurzen Blick auf einen Luchs zu erhaschen", weiß Maximilian Hetzer, der seit seinem Forststudium mehrmals im Jahr mit dem Biologen Vadim Sidorowich das Leben und Verhalten von Wölfen, Luchsen und Bären in Weißrussland erforscht.

In seinem Vortrag überraschte Hetzer mit spannenden Erkenntnissen - umfassend fotografisch belegt. Dass ein Luchs aus einem Kampf mit einem Wolf als Sieger hervorgehen kann, hätte wahrscheinlich nicht jeder Zuhörer vermutet.

Und auch die Dokumentation von Luchsen, die auf einer Windwurffläche gezielt die Wolfswelpen in ihren Bauten totbissen, die Wölfe vertrieben und später die verlassenen Bauten nutzten, um dort ihre eigenen Kätzchen großzuziehen, war eindrucksvoll, heißt es weiter in der Pressemitteilung.

Pro Jahr 75 Rehe erlegt

Als problematisch für die deutsche Jagd- und Forstwirtschaft sieht Hetzer den Luchs nicht. Zwar vertilge ein ausgewachsenes weibliches Tier mit Jungen pro Jahr bis zu 75 Rehe und zweimal Rotwild. Ins Gewicht falle der Luchs jedoch nicht, da dies umgerechnet auf das riesige Streifgebiet der Tiere nur etwa 0,7 bis 1,2 Rehe pro 100 Hektar und Jahr ausmache.

Auch auf Auerwild sei bisher kein gesteigerter negativer Einfluss nachgewiesen worden. Da der Luchs in Waldgebieten darüber hinaus den Fuchsbestand stark dezimieren kann, sei sogar eher ein positiver Einfluss zu vermuten, so Hetzer. Die Aufzeichnung des Vortrags finden Interessierte unter www.biosphaerenreservat-rhoen.de im Bereich "Videos".

Noch ein Vortrag

Der nächste Termin in der Vortragsreihe "In der Rhön - für die Rhön" widmet sich einem neuen Forschungsprojekt im länderübergreifenden Unesco-Biosphärenreservat Rhön: Welche Wirkungen der menschengemachte Klimawandel auf die Wasserverfügbarkeit im Biosphärenreservat hat und wie die Menschen dort damit umgehen, steht im Zentrum von "Klima Rhön". Das transdisziplinäre Projekt wird von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Goethe-Universität Frankfurt am Main bearbeitet.

Nicht nur die hydrologischen Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserverfügbarkeit in der Rhön, sondern auch die Wahrnehmung der Veränderung und die Bereitschaft zur Anpassung seitens der Bevölkerung werden untersucht. Die Erkenntnisse werden genutzt, um Strategien zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels zu entwickeln.

In einem Onlinevortrag am Donnerstag, 2. September, um 19.30 Uhr, stellt die Soziologin Birgit Blättel-Mink die zentralen Stellgrößen des Wandels und erste Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt vor. Das kostenfreie Webinar findet auf der Plattform edudip statt. Eine Anmeldung unter https://www.edudip.com/de/webinar/klimarhon/1563024.