Nachmittagsunterricht, Hausaufgaben, Lernen - die Schule nimmt oft viel Zeit im Tagesablauf von Jugendlichen in Anspruch, so dass häufig nur wenig Raum bleibt für eine individuelle Freizeitgestaltung oder die Mitgliedschaft in einem Verein.

"Um den Schülern trotzdem sportliche Betätigung und eine gute Vernetzung untereinander zu ermöglichen, möchte ich entsprechende Angebote in den Schulalltag integrieren", sagt Gemeindejugendpfleger Boris Höttinger, der seit zwei Jahren die Jugend in Bad Brückenau betreut. Sein Vorhaben setzt er derzeit in der Bad Brückenauer Mittelschule um.

Der leidenschaftliche Basketballspieler hatte bereits im letzten Schuljahr für alle Klassen der Mittelschule Basketballwork-shops organisiert. In diesem Jahr spielt und trainiert er einmal in der Woche mit interessierten Ganztagsschülern der 7. und 8. Klasse. Dieses Angebot motiviert zur Bewegung und dient zugleich als gutes Medium, um Kontakte zu knüpfen - sowohl zwischen den Jugendlichen als auch zwischen Höttinger und den Schülern. "Mein Ziel ist es, in Bad Brückenau Netzwerke zu schaffen, die die Jugend verbinden", erklärt er.
Dafür setzt der studierte Sozialwissenschaftler an verschiedenen Punkten an: Boris Höttinger unterstützt tatkräftig das Jugendzentrum in Bad Brückenau und bietet dort regelmäßig Workshops zu unterschiedlichsten Themen an, die die Jugend beschäftigen. Einen weiteren Teil der insgesamt 15 Stunden, die ihm pro Woche in Bad Brückenau zur Verfügung stehen, ist er als Street Worker im Einsatz.
Während seiner Arbeit als Gemeindejugendpfleger hat Boris Höttinger viel Erfahrung im Umgang mit jungen Menschen gesammelt: "Es ist wichtig, jeden ernst zu nehmen und ihm zuzuhören, aber auch klare Grenzen zu setzten."

Nicht wie ein Lehrer

In der Mittelschule tritt er bewusst nicht wie ein Lehrer auf, so dass in seiner Arbeitsgruppe eine lockere Atmosphäre herrscht, in der viel gelacht und herumgealbert wird.

Je nachdem, wie lange und wie gut die Schüler ihn schon kennen, ist jede Anrede von Boris über Herr Höttinger bis hin zu Herr Boris dabei. Auf diese Weise findet Höttinger einen leichteren Zugang zu den Jugendlichen und kann sie dabei unterstützen, die richtige Richtung für ihren persönlichen Lebensweg zu finden. "Selbst wenn es in der Schule einmal nicht so gut läuft, jeder bekommt zweite Chancen. Ich versuche, den Jugendlichen alle möglichen Alternativen für ihr Leben und ihren zukünftigen Beruf vorzustellen, denn jeder hat sein Schicksal selbst in der Hand", sagt Höttinger. Er selbst hat sich mit seinem eingeschlagenen Lebensweg den Wunsch erfüllt, mit Menschen arbeiten zu können.

Zusammenarbeit

"In einer Fabrik beispielsweise irgendwelche Güter herzustellen oder zu entwickeln, wäre überhaupt nichts für mich. Denn das schönste an meiner Arbeit ist, dass von den jungen Menschen immer was zurückkommt. Das wird einem bei der Verarbeitung von Gegenständen nie passieren." Für die Zukunft wünscht sich Boris Höttinger die Zusammenarbeit mit weiteren Einrichtungen für Jugendliche in Bad Brückenau, sowie das Jugendzentrum noch mehr zu beleben. "Das JUZ ist eine Einrichtung von Jugendlichen für Jugendliche, das von Teilnahme daran lebt. Alle sind eingeladen." Dafür müsste jedoch in nächster Zeit das Anlegen eines neuen Weges zum Jugendzentrum in Angriff genommen werden: bisher gelangt man nur über eine Treppe zum Eingang, die bei Regen oder Schnee schnell glatt wird und so Gefahren birgt.