Der Knüller der jüngsten Stadtratssitzung kam unerwartet, verlief auch völlig unspektakulär und ohne weitere Diskussion. Nachdem ein sichtlich aufgeräumter Bürgermeister Udo Baumann (CSU) seine Ratskollegen begrüßt hatte, ging er im ersten Tagesordnungspunkt auf die Bestellung des Wahlleiters für die Bürgermeisterwahl am 5. Juni ein. Wie er ausführte, komme als Wahlleiter der Bürgermeister, seine Stellvertreter, ein Stadtratsmitglied oder ein Mitarbeiter der Verwaltung infrage. Zum Wahlleiter könne aber nicht berufen werden, wer bei der Bürgermeisterwahl kandidiere.

Als stellvertretende Wahlleiterin schlug Baumann daraufhin Verwaltungsleiterin Ulla Schröder vor. Dann fiel der entscheidende Satz: "Ich würde den Stadtrat bitten, mich zum Gemeindewahlleiter zu berufen." Ein leichtes Raunen war im Sitzungssaal zu vernehmen.


Logische Folgerung

Edgar Schöppner stellte dann als Erster die Frage: "Dann kandidierst du nicht, Udo?" Die Antwort des Bürgermeisters war klar: "Das kann man so interpretieren, Edgar." Ohne weitere Diskussion holte Baumann die einhellige Zustimmung des Ratsgremiums für die Bestellung der Gemeindewahlleiter ein und fuhr dann in der Tagesordnung fort. Damit ist klar, dass Udo Baumann nach zwölf Jahren als Bürgermeister der Stadt Bischofsheim nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren wird und sein Amt im August an einen Nachfolger übergeben wird. Seine Dienstzeit dauert noch bis zum 31. Juli dieses Jahres.


Kein Frust

Die Entscheidung, nicht mehr zu kandidieren, sei eine schleichende gewesen, die er in Abstimmung mit der Familie getroffen habe, erklärte Baumann gegenüber dieser Redaktion. "Ich höre nicht aus Frust auf oder weil es mir keinen Spaß macht. Ich mag die Arbeit sehr gerne, und sie macht mir auch immer noch Freude. Aber man sollte aufhören, wenn es am schönsten ist. Alles läuft derzeit gut, die finanzielle Situation der Stadt Bischofsheim ist in Ordnung." Udo Baumann wurde 1996 in den Stadtrat und zum stellvertretenden Bürgermeister gewählt. 2004 wurde er Bürgermeister. "20 Jahre in der Kommunalpolitik sind genug", erklärte er nun rückblickend. Was der 58-Jährige nach seiner Zeit als Bürgermeister beruflich tun wird, darüber habe er noch keine Entscheidung gefällt.

In Bischofsheim wurde bereits seit einiger Zeit darüber gerätselt, ob CSU-Mann Baumann noch einmal für das Bürgermeisteramt kandidieren würde. Nicht zuletzt, weil auch Georg Seiffert Ambitionen für dieses Amt nachgesagt werden. Damit wäre Baumann innerhalb der CSU ein ernsthafter Gegenkandidat erwachsen. Seiffert war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Thomas Pfeuffer