2022 wird - sofern es die Corona-Lage zulässt - ein "Jahr der nachgeholten Konzerte", wie Pavol Tkac sagt. Denn viele der im neuen Jahr geplanten Konzerte waren ursprünglich einmal für 2020 oder 2021 vorgesehen. Mit Blick auf das neue Jahresprogramm berichtet der Geschäftsführer des Bayerischen Kammerorchesters Bad Brückenau, dass man die gewohnte Struktur beibehalten habe.

Dementsprechend stehen unter anderem fünf Jahreszeitenkonzerte auf dem Plan. Es ist die "Premiumkonzertreihe" des Kammerorchesters, wie Tkac sagt. Das erste Jahreszeitenkonzert ging bereits am Dreikönigstag über die Bühne. Es stand unter dem Stichwort "Licht" (mehr zum Programm siehe unten).

Zwei Aufführugen nacheinander

Aufgrund der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Regeln traten die Musikerinnen und Musiker dabei gleich zweimal hintereinander auf. Es ist eine Praxis, die so schon aus der Zeit nach dem Lockdown im vergangenen Jahr bekannt ist.

"Ich habe mich dagegen gewehrt, dass wir kürzen und zweimal spielen", sagt Tkac. Man dürfe aktuell aber nur 25 Prozent der Saalkapazität belegen und habe somit "keine andere Wahl". Pro Vorstellung sind derzeit nicht ganz 80 Besucherinnen und Besucher erlaubt.

Für die Musikerinnen und Musiker sei der doppelte Auftritt "sehr anstrengend", berichtet Tkac. "Man muss zweimal hochfahren sozusagen, zweimal Spannung und Motivation aufbauen." Aus Rücksicht auf die Solistin wurden beispielsweise die Spielzeiten am Dreikönigstag etwas verändert, sodass für sie mehr Zeit blieb, ihre Stimme zu regenerieren.

Corona als Damoklesschwert

Insgesamt hänge Corona wie ein "Damoklesschwert" über den Planungen, Proben und Auftritten des Orchesters und der Musikerinnen und Musiker. "Es ist schwer positiv und motiviert zu bleiben", sagt Tkac. Aber man fühle sich dem Publikum verpflichtet, ebenso wie den öffentlichen Geldgebern, Sponsorinnen und Sponsoren.

Und nicht zuletzt auch den Musikerinnen und Musikern. Gerade für Freiberuflerinnen und -berufler seien Auftrittsmöglichkeiten wichtig, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. "Das ist die Motivation, die uns antreibt", fasst der Geschäftsführer zusammen.

Man müsse sich immer wieder neue Optionen ausdenken, wie alles laufen könne, und sich mit allen Beteiligten abstimmen, sagt Tkac rückblickend auf knapp zwei Jahre Pandemie voller Unwägbarkeiten. Auch, ob das Jahresprogramm 2022 so gespielt werden kann, wie geplant, steht in den Sternen.

Nicht zuletzt sorgen Corona-Fälle oder Quarantäne-Zeiten unter den Musikerinnen und Musikern für weitere Unsicherheiten. "Wir zittern jeden Morgen bei dem Selbsttest, den wir unter Aufsicht durchführen, dass das Ergebnis bitte, bitte negativ ist", sagt Tkac.

Viele Gastspiele sind geplant

Neben den Jahreszeitenkonzerten stehen unter anderem "ziemlich viele Gastspiele im Kalender. Diese schieben wir wie eine große Welle vor uns her", berichtet der Geschäftsführer. Teilweise wurden die geplanten Auftritte in der Vergangenheit aufgrund der Pandemie bereits zwei- bis dreimal verlegt. Weiterhin steht alles unter Vorbehalt.

Ein Aspekt hierbei: Viele Veranstalterinnen und Veranstalter akzeptieren nur noch Musikerinnen und Musiker, die geimpft oder genesen sind, wie Tkac berichtet. Das sei unter den Kolleginnen und Kollegen ein Diskussionsfeld. Man wolle niemanden ausschließen, sei aber an die Regeln gebunden.

Unter 15 bis 20 Musikerinnen und Musikern seien etwa 2, 3 Ungeimpfte, gibt Tkac an. In einem Projektorchester gebe es aber immer Änderungen und man könne für gleichwertigen Ersatz sorgen, auch wenn es nicht schön sei, jemandem sagen zu müssen, dass sie oder er nicht mitspielen dürfe.

Für 2022 hofft Tkac, dass sich die Stille, die während des harten Lockdowns von 2020 auf 2021 herrschte, nicht wiederholt. "Und ich hoffe, dass wir die Kraft und die positive Energie finden, unsere Pläne in der Praxis umzusetzen, und alle - Publikum, Politik und Sponsoren - mitziehen." Das Dreikönigskonzert zu Jahresbeginn war vollständig ausgebucht. Tkac freut sich über das Interesse des Publikums, dafür sei man "sehr, sehr dankbar".

Das Jahresprogramm 2022

Jahreszeitenkonzerte Auf das Dreikönigskonzert "Licht" vom 6. Januar folgt am 2. April das Frühlingskonzert "Carmen". Mitte Juli reiht sich das Sommerkonzert "Sonate" und Ende September das Herbstkonzert "Wiener Klassik" an. Den Abschluss bildet im November das Winterkonzert "Serenade".

Gastspiele Im Januar sind Gastspiele in Bad Homburg und in Wiesbaden geplant, im weiteren Jahresverlauf unter anderem auch beim Bodenseefestival in Friedrichshafen und beim Lausitzer Musiksommer in Bautzen. Ebenfalls vorgesehen ist ein Gastspiel in der Dresdner Frauenkirche am 22. Oktober. Für Mitglieder des Freundeskreises des Kammerorchesters wird hierzu eine exklusive Busfahrt mit kulturellem Rahmenprogramm angeboten, wie Geschäftsführer Pavol Tkac berichtet.

Bewährte Formate Weitergeführt wird die Reihe "Zwischenspiele" in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Kurverwaltung des Bayerischen Staatsbades Bad Brückenau. Hier gibt es eine Neuerung beim Termin: Die Zwischenspiele finden nicht mehr freitags, sondern sonntags statt. In Kooperation mit dem Dorint Resort & Spa wird außerdem die Reihe "Hochschulpodium" fortgesetzt. Bei den Konzerten für Schulen steht in diesem Jahr "Papageno und die kleine Zauberflöte" auf dem Plan.