Rückblick: Im Juni 2020 wurde das Eckgebäude, das einmal die Druckerei Nikolaus, später diverse Geschäfte beherbergte, abgerissen. Die neue Eigentümerin aus der Nähe von Nürnberg wollte an dieser Stelle ein Wohn- und Geschäftshaus mit neun Wohnungen und Geschäftsräumen im Erdgeschoss bauen. Doch seit reichlich einem Jahr hat sich nichts getan. Die Fragen bei Anliegern als auch Passanten wachsen.

Margarete Weiner gehört das Gebäude neben der Brache. Auch sie freut sich nicht, dass auf dem Grundstück nebenan nichts geschieht. Genau genommen nennt sie die Beeinträchtigungen sogar "groß". Das vor allem, weil die Außenwand ihres Geschäfts- und Wohnhauses in der Ludwigstraße 44 "durch Witterungseinfluss stark betroffen" ist.

Nach dem Abbruch des Nachbargebäudes vor mehr als einem Jahr bestehe nun eine schmutzige Baustelle mitten in der Stadt. Die sei ja auch für Gäste, die in der Ludwigstraße sitzen, unansehnlich wirkt, meint Weiner.

Mit der neuen Bauherrin hat die Vermieterin und Geschäftsfrau keinen direkten Draht. "Wir haben immer wieder versucht, Kontakt aufzunehmen, aber das ist schwierig." Man verkehre per Mail und Einschreiben - eine einseitige Kommunikation.

Auf diese Weise und mittels einer Frist setzte die Nachbarin im Frühjahr eine weitere Abstützung der nun offenliegenden Hauswand mit einer Holzkonstruktion durch. Die dementsprechende Anfrage blieb unbeantwortet, aber die Abstützung erstellt. Bereits nach dem Abriss im Sommer 2020 waren Pfeiler angebracht worden, um den Giebeln zu stützen.

Für die kommende kalte Jahreszeit versucht Margarete Weiner zu erreichen, dass die Investorin "das Mauerwerk durch Abhängungen schützt". Was bedeutet, dass sie nicht damit rechnet, dass der Bau nebenan bald beginnt. "Die Baugenehmigung erstreckt sich auf vier Jahre. Das ist eine lange Zeit."

Auch Gernot Riemey, der sich mit seinem Fahrradgeschäft in Weiners Haus eingemietet hat, ärgert sich über die unansehnliche Brache. "Das ist schon ein Schandfleck, weil sich dort nichts tut." In der an die Baulücke angrenzenden Hauswand zeigten sich schon Risse.

Kontakt zu der neuen Eigentümerin aufzunehmen, ist der Redaktion bisher nicht gelungen. Auch Vorbesitzer Franz-Peter Nikolaus kann da nicht weiterhelfen. Der Verkauf sei perfekt abgelaufen, ja. "Aber anschließend haben wir keinen Kontakt mehr gehabt." Er werde immer wieder darauf angesprochen, was mit der Brachfläche wird. Ebenso geht es Margarete Weiner.

Auch im Stadtrat ist die Baulücke längst Thema. Eva Reichert-Nelkenstock (Grüne) fragte in der jüngsten öffentlichen Sitzung, nach. Könne die Stadt nicht noch einmal versuchen, die Käuferin zu kontaktieren? Gäbe es keine städtische Auflage, dass und wann spätestens dort gebaut werden müsse? Könne die Kommune das Areal nicht zurückerwerben?

Bürgermeister Jochen Vogels Antwort: "Wir versuchen regelmäßig nachzufragen." Dann heiße es immer, es gehe bald weiter. Die Stadt habe wenig Handhabe; ein Rückkauf bisher kein Thema.

David Fronczek (SPD) schlug vor, der Bauherrin eine Frist zu setzen, die in die Ludwigstraße und die Untere Badersgasse ragende Absperrung auf ihr Grundstück zurückzunehmen. Auch forderte er einen Sichtschutz für die Passanten. Ideen, die Vogel nicht so gut fand. Das würde suggerieren, dass dahinter alles so liegenbleiben könne.

Stadtrat Claudio Kleinhans (PWG) möchte sich mit dem Schwebezustand nicht abfinden. Mitte Juni schickte er ein Schreiben an die Bauherrin aus der Nähe von Nürnberg. "Zweck ist, dass es mit dem Bau weitergeht oder man zumindest einen Zwischenstand erhält", sagt er.

In dem Schreiben berichtet Kleinhans, dass sich "die Beschwerden über den Stillstand der Baustelle und die damit einhergehenden andauernden Beeinträchtigungen häufen". In der Bevölkerung entwickle sich zunehmend eine Abneigung gegen diese Situation. Auch weist er auf die von Weiner genannten Probleme mit der Außenwand hin.

"Um diese Situation zu entspannen und die Folgen dieses Baustopps möglichst gering zu halten, wären ein zeitnaher Abriss des Kellers und die Verfüllung sowie der zeitnahe Baubeginn des Gebäudes wünschenswert und auch erforderlich", glaubt Kleinhans. Er bietet seine Unterstützung an.

Eine Antwort hat Kleinhans - wie alle anderen - nicht erhalten.