Es war eine frohe Kunde, als im vergangenen Februar klar war, dass der Wildfleckner Bahnhof verkauft ist. Das Areal liegt seit dem Aus der Sinntalbahn brach. Der Investor, die Firma IGEBA, ein Eisenbahnverkehrsunternehmen, das unter anderem Schulungen und Fortbildungen für Eisenbahner anbietet, hatte große Pläne kundgetan. Bewirtung von Radfahrern in alten stilvollen Speisewagen, Ausstellungsstücke - ein Erlebnisbahnhof sollte entstehen. Und: Für dieses Jahr war bereits ein "Ausrufezeichen" angekündigt. Allerdings: Der Paukenhieb blieb aus. Geht es am Wildfleckner Bahnhof noch weiter und was haben Eidechsen damit zutun?

Bahnhof Wildflecken: Ein Areal hinter Zäunen

Auch wenn sich das Areal derzeit teils hinter Bauzäunen verbirgt, herrscht kein Stillstand. Allerdings verzögern sich die Visionen des Investors. Die Gründe dafür sind verschieden. "Das liegt natürlich an Corona und den damit verbundenen Unsicherheiten im Gastro- und Eventbereich - also auch beim Ausrufungszeichen", sagt Frank Lehmann, Anteilseigner der Firma IGEBA und Betreiber eines Ingenieurbüros als Eisenbahnsachverständiger.

Erlebnisbahnhof:_Das sind die Hürden

Hinzu kommen noch Probleme in der Baubranche - insbesondere der Materialmangel und explodierende Preise sowie "unendlich lange Lieferzeiten". "So ziehen sich viele - auch kleinere Renovierungs-Vorhaben derzeit einfach in die Länge." Die Zäune dienen der Sicherung des Grundstücks. "Wenn sich sonst jemand dort verletzt, steht der Investor in der Haftung", teilt Daniel Kleinheinz, geschäftsleitender Beamter des Marktes, mit. Eine Absage an das Projekt klingt anders - das zeigt auch ein Ortstermin im Herbst.

Im September trafen sich laut Nathalie Bachmann, Pressesprecherin des Landratsamtes, Vertreter des Marktes Wildflecken, die untere Naturschutzbehörde und das Bauamt am alten Bahngleis. Zu dem Treffen kam es teils durch Veranlassung des Marktes, teilt Daniel Kleinheinz, geschäftsleitender Beamter der Kommune, mit. "Es war mal ein Bahnhof und soll jetzt unter anderem für Schulungen und die Gastronomie genutzt werden. Wir haben schnell festgestellt, dass es eine Ortsbegehung braucht."

Neue Technik in altem Kern

An der Verladerampe traf die Bürokratie dann auf Frank Lehmanns Visionen. "Wir wollen eine Symbiose aus dem Unterricht, der Bahnvergangenheit, der -Gegenwart und dem Tourismus schaffen", teilte der Eisenbahner mit. Konkret bedeutet das: den Bahnhof sanieren. An der Optik selbst soll sich nichts ändern. Auf einem Ausstellgleis sollen bewirtete Speisewagen und weitere Exponate den Bahnhofscharme bewahren. "Die geplante Maßnahme erscheint aus Sicht des Landratsamtes durchaus umsetzbar", teilte Nathalie Bachmann mit. Aber: Grünes Licht ist das noch nicht. Die Zauneidechse könnte Frank Lehmanns Visionen weiter ausbremsen.

Eidechse im Gleisbett sorgt für Hürden

Bäume fällen und Heckenschneiden ist daher derzeit für ihn Tabu. Und zwar so lange, bis klar ist, ob das Reptil am Bahnhof heimisch ist. Laut Nathalie Bachmann muss Frank Lehmann dafür eine artenschutzrechtliche Prüfung vorlegen. "Diese kann allerdings erst im Frühjahr 2022 erfolgen." Kommt diese zum Ergebnis, dass die Zauneidechse dort lebt, muss Frank Lehmann gegebenenfalls eine Umsiedlung veranlassen. "Außerdem muss er sich um Ausgleichsflächen und den Biotopschutz kümmern." Für Daniel Kleinheinz ist klar: "Das sind dicke Bretter, die zu bohren sind. Deshalb haben wir uns als Gemeinde miteingeschaltet, um den Investor zu unterstützen."

Das geschieht beispielsweise über die Suche nach Fördermöglichkeiten für das Projekt. Hierzu gab es bereits Gespräche mit der unterfränkischen Regierung und dem Amt für ländliche Entwicklung. "Außerdem haben wir als Kommune ihm auch Geld in Aussicht gestellt." Möglich ist das, durch das Revitalisierungs Programm. Erste Beratungsstunden durch ein Architekturbüro seien bereits genutzt worden. Derzeit arbeitet laut Frank Lehmann ein Ingenieurbüro an den Plänen.