Die Staatsbäder Bad Ems und Bad Brückenau haben keine Kontakte, jedoch viele Gemeinsamkeiten. Sie besitzen naturgemäß Mineralbrunnen, Bad Ems hat jedoch gegenüber Bad Brückenau den Vorzug, heiße Quellen sein eigen zu nennen, die teilweise unter Druck meterhoch sprudeln. Bad Ems liegt an der Lahn, die dort sogar Bundeswasserstraße ist. Die Sinn kann da nicht mithalten.

Ein Mitglied des Hauses Thüngen, das bis zur sogenannten Mediatisierung 1806 das Gebiet westlich von Brückenau wie Landesherren als "Thüngensche Cent" regierten, machte im Reich eine große Karriere als Soldat. Diese endete für Johann Karl von Thüngen (1648 - 1709) letztlich mit dem Rang eines kaiserlichen General Feldmarschall-Leutnant. Johann (Hans) Graf von Thüngens Einkommen erlaubte ihm, sich 1696 in Bad Ems ein privates Kurhaus zu erbauen. Nach seinem Tod war seine Witwe gezwungen, das Haus in Bad Ems zu verkaufen und zog nach Würzburg. Das Haus war längere Zeit in privater Hand und ging in den Besitz der herzoglich-nassauischen Domänenverwaltung über.

Zar II. Alexander zu Gast

Es war nach dem Kurhaus die beste Absteige für den europäischen Adel. Auch Zar Alexander II. von Russland, der bei seinen Kuraufenthalten in Bad Kissin gen im Kurhaus-Hotel wohnte, war Gast in diesem Haus. Einen interessanten Bezug zu den heutigen Kämpfen in der Ukraine stellt eine Tafel her, auf der dokumentiert ist, dass Zar Alexander in der "Karlsburg" am 30. Mai 1876 die "Emser Verfügung" unterzeichnet hat, nach der die ukrainische Sprache in Druckschriften und auf der Bühne wieder benutzt werden durfte. Man hatte offenbar in der Ukraine die Landessprache verboten. Mit einem Kulturdenkmal haben die beiden Bäder Ems und Brückenau eine Gemeinsamkeit, es geht um die jeweiligen Kursäle. Unter König Ludwig I. wurde 1833 der Kursaal in Bad Brückenau in Form eines antiken Tempels eingeweiht. Planer war der Mitarbeiter der Obersten Baubehörde in München, Johann Gottfried Gutensohn (1792-1851). Dem König missfiel jedoch das Auftreten des Architekten, der dem König unmittelbar widersprach. Er versetzte Gutensohn 1834 an die Regierung von Unterfranken und Aschaffenburg in Würzburg, was dieser als Degradierung ansah, obwohl er vermutlich dort Abteilungsleiter wurde. Dafür hatte er die Möglichkeit - wie damals jeder Beamte - private Bauaufträge anzunehmen.

"Emser Depesche" und Kissingen

Bereits 1835 bot sich für Gutensohn ein repräsentatives Bauvorhaben in Ems an, der Herzog von Nassau ließ von Gutensohn das 1715 erbaute neue nassauische Kurhaus um einen Kursaal erweitern. Gutensohn war damit von 1835 bis 1849 beschäftigt.

Der preußische König Wilhelm I. war so klug, in Bad Ems zu kuren, um so Nassau mit Preußen zu versöhnen. 1870 hielt sich dort Wilhelm I. zur Kur auf, was den Badeort durch die "Emser Depesche" vom 13. Juli 1870 europaweit bekannt machte. Spanien bzw. der letzte König aus dem Hause Bourbon wollte nach seinem Tod als neues Königshaus das katholische Haus Hohenzollern-Sigmaringen. Der Fürst von Hohenzollern war jedoch nicht interessiert und hatte dies auch dem König von Preußen, mitgeteilt. Auch dieser hatte keine Ambitionen.
Der französische Außenminister hatte jedoch seinen Botschafter Vincent Benedetti beauftragt, den preußischen König Wilhelm I. bei seinem Kuraufenthalt in Ems anzusprechen, damit dieser erklärte, künftig auf den spanischen Thron zu verzichten. König Wilhelm weigerte sich jedoch, dies für alle Zukunft zu erklären. Ministerpräsident Otto von Bismarck veröffentlichte diese Tatsache bewusst verkürzt als "Emser Depesche". Seine Absicht war, Napoleon III. zu provozieren.

Verflechtungen nach Kissingen

Frankreich erklärte den Krieg gegen Preußen, ohne für einen Angriffskrieg gerüstet zu sein. Dazu war Preußen und die mit ihm verbündeten deutschen Länder in der Lage, was letztlich zur Niederlage von Frankreich im Krieg 1870/71 und zur Gründung des Deutschen Kaiserreichs führte. Der neue Reichskanzler Bismarck kurte später nicht in Bad Ems - das blieb dem König vorbehalten - sondern in Bad Kissingen, was dessen Reputation wesentlich aufwertete. So gesehen besteht auch zwischen den beiden Bädern Bad Ems und Bad Kissingen eine kaum bekannte Verflechtung.