Unter Vorbehalt. Diese zwei Worte begleiten die Musiker des Bayerischen Kammerorchesters Bad Brückenau (BKO) nun fast schon ein Jahr. "Für mich ist das Schlimmste die Unmöglichkeit zu planen", sagt Pavol Tkac leicht resigniert. Wie jedes Jahr im Dezember legt der BKO-Geschäftsführer das Programmheft vor. Doch er weiß nicht, welches der Konzerte überhaupt gespielt werden darf.

Am 16. Januar sollte Berit Norbakken im König Ludwig I.-Saal singen. Doch die Sopranistin aus Skandinavien hat weder einen Flug gebucht noch kümmerte sich Tkac um die Noten. Niemand geht aktuell davon aus, dass die Musiker auftreten. Dabei hatte das BKO im Sommer ein Hygienekonzept entwickelt: Besucher wurden persönlich zu ihren Plätzen geführt. Gespielt wurden andere Stücke in verkleinerter Besetzung. Die Musiker traten zweimal auf, vor weniger Publikum. Vergebens.

Schulkonzerte erst im Herbst

Ein Nebeneffekt der Pandemie ist, dass Dirigent Sebastian Tewinkel noch gar nicht richtig beim Bad Brückenauer Publikum angekommen ist. Er leitet das Orchester seit September 2019. Das musikalische Programm, das er für das vergangene Jahr ersonnen hatte, fiel größtenteils aus. Die Themen für 2021 entwickelte er ebenfalls, vor Corona. "Ich weiß nicht, was davon wird stattfinden können", bleibt Tkac realistisch.

Die Schulkonzerte, die normalerweise im Februar gespielt werden, verschob Tkac vorsichtshalber auf die letzte Woche im Oktober. 14 Gastauftritte, die gewohnten Zwischenspiele und die Hochschulpodien im Dorint Hotel füllen die Seiten des neuen Jahresprogramms. "Live ist durch nichts zu ersetzen", sagt Tkac. "Wir sind eine analoge Kunst. Wenn das Publikum nicht da ist, springt der Funke nicht über."

Überblick über die Jahreszeitenkonzerte

Neujahrskonzert Unter dem Stichwort "Licht" wäre als Solistin Berit Norbakken, eine der führenden Sopranistinnen Skandinaviens, in Bad Brückenau aufgetreten. Der Veranstalter geht aber davon aus, dass das Konzert am 16. Januar coronabedingt nicht stattfinden wird.

Frühlingskonzert Am 24. April steht das Frühlingskonzert unter dem Motto "Liebe". Die Violinistin Sophia Jaffé, Professorin an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main, übernimmt den Solo-Part der Serenade für Violine, Streicher, Harfe und Schlagzeug nach Platons "Symposion" von Leonard Bernstein. Auch ein zeitgenössisches Stück von Rodion Schtschedrin ist angekündigt.

Sommerkonzert Albrecht Mayer, Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker, spielt beim Sommerkonzert "Freude" am 17. Juli im König Ludwig I.-Saal. Neben Medelssohn und Mozart stehen drei eher unbekanntere Komponisten auf dem Programm. Mayer selbst wählte die Stücke aus und wird das Kammerorchester auch dirigieren.

Herbstkonzert Unter dem Motto "Tanz" steht das Herbstkonzert am 25. September. Hauptinstrument ist die Mandoline. Als Solist wird Alon Sariel aus Israel spielen. Er stammt aus Be'er Scheva am Rande der Negev-Wüste - der inoffiziellen "Hauptstadt der Mandoline".

Winterkonzert Die amerikanische Pianistin Claire Huangci ist beim Winterkonzert am 20. November zu hören. Die Auswahl der Musikstücke dreht sich ganz um die "Nacht". Gespielt werden Chopins Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 e-Moll und "Verklärte Nacht" von Arnold Schönberg.

Zum Konzertprogramm 2021 geht es hier.