Die offiziellen Geschenke wurden übergeben, zwischen der Stadt am Unterlauf der Loire, den Gästen aus Kirkham (England) und denen aus der fränkischen Rhön. Vor über 30 Jahren hatten die Altvorderen in Brückenau ein gutes Händchen in der Wahl ihrer französischen Partnerstadt: Nicht nur kulturell hat Ancenis einiges zu bieten, auch Landschaft und Klima sind äußerst angenehm.

Nahe Ancenis locken daher Muscadet, Malvoisie und Anjou Blanc, ... und - bereits traditionell - gab es wieder eine Wein-Degustation. Ein Lob gilt daher dem damaligen Bürgermeister Ludwig Müller.

Weinprobe nach dem Frühstück

Begonnen hatte der Tag in Drain, wo das Weingut Domaines des Galloires südlich der Loire seine Weinberge besitzt. Die Gäste genossen nach dem Frühstück die Weine, und viele ließen ihre Kisten des Rebensaftes nach Hause transportieren. Auch der "Förderkreis Europäische Städtepartnerschaften" deckte sich mit dem berühmten Roséwein ein und wird ihn zum Stadtfest am 12. und 13. Juni abends ausschenken.

Per Bus ging es nach St. Géréon, wo das eifrige französische Partnertschaftskomitée ein Festessen nach den Ansprachen vorbereitet hatte. Bürgermeister Jean-Michel Tobie betonte in seiner Rede, dass das unermüdliche Engagement in den Partnerschaftskomitees der drei Städte für eine weitere Annäherung ihrer Bürger gesorgt habe. In Zeiten des immer größer werdenden Individualismus stärke diese "Partnerschaft zu dritt" den europäischen Gedanken. Adrian Long, Präsident des englischen Partnerschaftsvereins sprach an, dass es so wertvoll sei, dass in unserer Generation Menschen aus diesen drei Ländern zusammenkommen, um Gemeinschaft zu erleben, Kultur zu teilen und miteinander zu feiern.

Brückenaus Stadträtin Birgit Poeck-Kleinhenz (PWG) bedankte sich im Namen der krankheitsbedingt nicht anwesenden Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks für die Gastfreundschaft. Sie seien sich mit Ancenis einig, dass die Partnerschaft auf mehr Ebenen ausgedehnt werden müsse: Schulen, Vereine, Organisationen, Handel und Handwerk, um für alle eine Zukunft in Frieden und Freiheit zu gestalten, die dann geprägt sein wird von Freundschaft und gegenseitigem Respekt. Die Dreiecks-Beziehung zwischen Kirkham, Ancenis und Brückenau sollte allen in Europa als positives Beispiel dienen.

Musikalischer Höhepunkt

Das Austauschen der Geschenke folgte, dann wurde zu Tisch gebeten. Die Aufschriften auf den drei großen Torten als Dessert wiesen darauf hin, dass Kirkham und Brückenau inzwischen auch schon 20 Jahre verbrüdert sind.

Den musikalischen Höhepunkt boten die Orchester aus den beiden Städten am Abend, als sie ein Konzert in St. Géréon trotz Regenwolken als Open-Air gaben. Beide feiern 2016 in Bad Brückenau ihre 20-jährige "jumelage". Die "Musique Municipale d' Ancenis", unter ihrem jungen Dirigenten Louis Berthe, begann Kostproben ihres Programms vorzustellen, darunter moderne Tanzmusiken und klassische Stücke. Anschließend entführten die Georgis ihre Zuhörer in bekannte Melodien aus "Hair" sowie in die Erfolge von Udo Jürgens zum Mitsingen. Immer kündigten Musiker der "Georgi-Bläser" die Stücke auf französisch und englisch an.

Viele der Gastfamilien hatten für ihre Gäste Kleinigkeiten und Köstlichkeiten zuhause vorbereitet und machten so die französische "Art zu leben" unvergesslich. Eine ehemalige Stadt- und Kreisrätin aus Ancenis, die um 22 Uhr in ihrer Küche für ihre beiden deutschen Gäste fröhlich Austern aufknackt, Muscheln St. Jacques serviert und danach fangfrischen Seefisch mit Spargel und "Beurre blanc" zaubert - dazu Baguette und passende französische Weine - ist ein Beispiel für die Freude an der Rolle des Gastgebenden. Auch die Gäste revanchierten sich: Peter Pankerl, Bad Brückenauer Karnevalist aus ganzem Herzen, begleitete mit der Gitarre sein spontan gedichtetes Dankeslied auf seine Gastgeberin.

Zurück in Brückenau, hatten alle unvergessliche Erinnerungen, das Versprechen, zeitnah Briefe zu schreiben und Fotos zu schicken mitgebracht - und natürlich das Problem, wie die Stadt Brückenau und die Freunde der Partnerschaft im Jahr 2016 eine ähnlich gelungene Veranstaltung auf die Beine stellen könnte. Beim Treffen zur Reise am 1. Juli, das für alle Interessierten offen sein wird, muss darüber gesprochen werden.
Helga Weißenberger