Waldbaden ist in jüngster Zeit zu einem Trend geworden. Viele Menschen zieht es unter dem Stichwort wieder verstärkt in den Wald, um dort Kraft zu tanken und Ruhe zu finden. Gleichzeitig geht es dem Wald jedoch vielerorts so schlecht wie vielleicht nie zuvor. Die Trockenheit der zurückliegenden Jahre und der Befall mit Käfern machen den Waldbeständen zu schaffen. Auch der Bad Brückenauer Stadtwald ist da keine Ausnahme.

Dessen aktueller Jahresbetriebsplan stand in der jüngsten Sitzung des Stadtrates auf der Tagesordnung. Bürgermeister Jochen Vogel (CSU) unterstrich dabei eingangs die Wichtigkeit des (Stadt-)Waldes für die Bad Brückenauer, aber auch für die Gäste, die in der Stadt Erholung suchen.

Trockenheit macht vor allem den Fichtenbeständen zu schaffen

Diplom-Forstingenieurin Birgit Badde von der Forstverwaltung Rupboden erläuterte den Stadtratsmitgliedern die für 2021 geplante Bewirtschaftung des Stadtwaldes. Dabei blickte sie zunächst kurz auf das vergangene Jahr zurück: "Hinter uns liegt ein für den Wald nicht sehr einfaches Jahr." Es sei das dritte von Trockenheit geprägte Jahr hintereinander gewesen, was dem Bewuchs und hierbei vor allem den Fichten zu schaffen mache. Bei einem Waldbegang hatte sich der Stadtrat im September 2020 (wir berichteten) selbst ein Bild von der Situation vor Ort verschafft.

Die Schäden ziehen sich "theoretisch durch den ganzen Wald", berichtet Badde auf Anfrage. Entstehen Löcher im Wald, seien dann jedoch zunächst vor allem die Randfichten extrem anfällig. Auch der Waldrand am Gewerbegebiet hat gelitten, wie die Forstingenieurin bestätigt. Bäume, die bislang geschützt standen, seien plötzlich Wind und Wetter ausgesetzt. Hier gelte es, die Lücken zu schließen und einen "schönen, stufigen Rand" zu schaffen; sonst bestehe die Gefahr, dass sich das dortige Waldgebiet auflöst.

Rund 1430 Festmeter wurden 2020 aus dem Stadtwald entnommen, wie Badde auf der Stadtratssitzung berichtete, davon jedoch lediglich knapp 80 Festmeter nach Plan. Bei den übrigen Festmetern handelte es sich um Kalamitätsholz, das aufgrund von Trockenheit oder Käferbefall ausgeräumt werden musste. Solche Unwägbarkeiten werden wohl auch die Planungen für das aktuelle Jahr beeinflussen. Vorgesehen ist ein Einschlag von rund 1950 Festmetern. Badde betonte, dass das ein Richtwert sei, der sich aufgrund der Verhältnisse noch ändern könne.

180 Jahre alte Eichen fällen und verkaufen oder stehen lassen?

Für eine Nachfrage zum Jahresbetriebsplan sorgte unter anderem die vorgesehene Ernte einzelner Eichen (10 bis 15 Stück). Das Besondere an den Bäumen: ihr Alter von 180 Jahren. Grünen-Stadträtin Eva Reichert-Nelkenstock wollte wissen, ob es nicht wertvoller wäre, die alten Eichen stehen zu lassen. "Das ist eine grundsätzliche Frage, die sich der Stadtrat stellen muss", antwortete Badde. Alte Eichen würden häufig als "ökologisches Gold" bezeichnet, andererseits seien "Eichen die am besten bewertetste Baumart auf dem Markt".

Die fraglichen Eichen seien gutes Nutzholz, erklärte Badde, und eigentlich nicht mehr zu retten. "Ich gehe davon aus, dass sie ansonsten in zehn bis 20 Jahren einfach absterben." Die klimatischen Veränderungen und der dichte Buchenunterstand aus der Naturverjüngung machten den Eichen zu schaffen. "Den Erlös aus dem Verkauf könnte man wieder in die Pflege stecken", so die Forstingenieurin.

Gatter für den Schutz der Jungpflanzen

Auch neue Bäume sollen in diesem Jahr im Bad Brückenauer Stadtwald gepflanzt werden. Diese Neupflanzungen sind im Gänsrain, am Buchrasen und dem Buchwald auf insgesamt rund 1,4 Hektar vorgesehen. Die Kosten für die Bepflanzung ließen sich mit Fördergeldern decken, so die Information aus dem Stadtrat.

Ein größerer Kostenpunkt ergibt sich indes, was den Schutz der Jungpflanzen betrifft: Hier seien im Gänsrain, wo junge Eichen gepflanzt werden sollen, Gatter erforderlich, erklärte Badde. Nach Berechnungen der Forstverwaltung wird diese Maßnahme rund 8500 Euro kosten. Ohne die Gatter hätten die jungen Eichen keine Chance groß zu werden, erläuterte Badde und verwies in diesem Zusammenhang auf die kleinen Fichten, die sich aktuell auf den Freiflächen ausbreiten. Diese seien komplett verbissen.

Mit Blick auf den Aufbau der Gatter empfahl die Forstingenieurin zudem, einige Fichten, die an die Freiflächen angrenzen, vorab noch zu entnehmen; sonst könnten diese womöglich auf die Gatter fallen. "Die Bäume schauen schlecht aus in der Krone", berichtete Badde. "Jetzt sind sie noch als Frischholz verkaufbar, was momentan nachgefragt ist, und nicht im Sommer als Kalamitätsholz."

Arbeitskräfte aus dem Ausland sind wegen Corona fraglich

Badde betonte, dass diese Arbeiten am besten in Kürze in Angriff genommen werden sollten. Coronabedingt könnte sich 2021 auch die Frage nach den zur Verfügung stehenden Arbeitskräften stellen. Der Einschlag werde häufig in die Hände externer Unternehmen gegeben, erklärte die Forstingenieurin. Bei diesen seien oftmals Arbeiter aus dem Ausland beschäftigt, die aufgrund der Corona-Pandemie jedoch auf Sicht nicht ohne Weiteres einreisen können. Bürgermeister Jochen Vogel erklärte, mit dem Bauhof wegen der Personalkapazitäten sprechen zu wollen.

Aus den Reihen des Stadtrates meldete sich unter anderem auch Adelheid Zimmermann (FB/FDP) zu Wort. Sie fragte nach einem Plan hinsichtlich der Einnahmen und Ausgaben. "Man möchte ja wissen, wie hoch wird das Minus sein", sagte sie. Bürgermeister Vogel erklärte daraufhin, dass sich die Preise für Holz im Vorhinein nicht abschätzen ließen - etwa aufgrund außerplanmäßiger Ereignisse wie schweren Stürmen. Robert Eder (PWG), Referent für den Stadtwald, merkte an, dass es bei Arbeiten mit Käferholz schon schwierig sei, überhaupt kostendeckend zu fahren.

Wie die Bilanz für den Stadtwald im vergangenen Jahr ausfällt, lässt sich ebenfalls noch nicht verbindlich sagen, erklärt Kämmererin Julia Spahn auf Anfrage. Es stünden zum Beispiel noch Abrechnungen aus. Spätestens zu den Haushaltsberatungen soll das Jahresergebnis 2020 für den Bad Brückenauer Stadtwald dann stehen. Den Jahresbetriebsplan für 2021 indes nahm der Stadtrat in seiner Sitzung ohne Gegenstimme an.