Die neue Ortsdurchfahrt gibt es jetzt nicht nur als Zeichnung auf Papier: Fußgänger und Autofahrer können in den kommenden Wochen dem geplanten Verlauf des Gehwegs und der Staatsstraße bereits folgen. Gelbe Schwellen markieren seit gestern die Breite der Fahrbahn. Es ist eine Simulation der künftigen Verkehrssituation. Das Staatliche Bauamt Schweinfurt testet drei Monate lang, ob die festgelegten Abstände auch tatsächlich funktionieren. Die Behörde hat sich nach Kritik an der ursprünglichen Planung für diese ungewöhnliche Vorgehensweise entschieden.

Zu den Kritikern gehört Markus Hauk, der direkt an der Staatsstraße wohnt. Für ihn sind 1,50 Meter für den Gehweg zu viel. Hauk befürchtet, dass das zu sehr auf Kosten der Fahrbahn geht. Für landwirtschaftliche Maschinen würde die Straße zu eng, die Fahrzeuge müssten auf den Fußgängerweg schwenken. "Der Lkw-Verkehr hat zugenommen. Auch die Landwirtschaft hat sich verändert. Die Kleinbetriebe verschwinden, es gibt nur große Einheiten", sagte Hauk beim Ortstermin. Und die größeren Betriebe bräuchten eben große Maschinen.
Matthias Wacker vom Staatlichen Bauamt Schweinfurt ließ die Aussagen des Anliegers so aber nicht gelten. Anhand der provisorischen Markierung erklärte er die Planung für die Ortsdurchfahrt. "Wir schwächen den Pkw-Verkehr zum Wohle der Fußgänger", sagte Wacker. Das mache die Behörde immer so. Der Verkehr habe auch nicht übermäßig zugenommen. Wackers Zahlen nach waren es 2005 pro Tag 3390 Fahrzeuge, darunter 150 Lkw. Im Jahr 2010 zählte die Behörde 3626 Fahrzeuge am Tag, darunter 147 Lkw.


Fahrbahn wird einen Meter schmaler



An der engsten Stelle der Ortsdurchfahrt, ungefähr in der Mitte zwischen der Häfnerstraße und der St-Georg-Straße, verengt sich die Fahrbahn laut Plan von 6,50 Meter auf 5,50 Meter. Das, so Wacker, reiche für den Begegnungsverkehr zweier Pkw. Auch Pkw und Lkw gehe. Bei zwei Lkw müssten sich die Fahrer abstimmen. Der Gehweg ist in diesem Bereich auch nur 1,25 Meter statt 1,50 Meter breit. Bisher ist die Fahrbahn nicht klar vom Gehweg abgegrenzt. Links und rechts ziehen sich nur zwei gepflasterte Rinnen an der Straße entlang. Mit dem Gehweg sollen aber Bordsteine gesetzt werden. Nach Ansicht von Wacker ist auch das ein Vorteil für die Fußgänger. Hauk will nun beobachten, ob der Straßenverlauf funktioniert.

Die Kosten für den Fahrbahnbereich schätzte Wacker auf 400.000 Euro. Die Ausbaustrecke ist 300 Meter lang. Noch in diesem Jahr soll die Straße eigentlich fertig werden. Der Beginn der Arbeiten hängt aber nicht nur vom Ergebnis des Feldversuchs ab, sondern auch von der Zustimmung der Anlieger. "Wir brauchen von jedem einen Quadratmeter", erklärte Wacker. Laut Ortsprecher Armin Warmuth hat rund die Hälfte bereits zugesagt.

Wenn sich kein Einvernehmen findet, geht es in ein Planfeststellungsverfahren oder das Projekt wird gestrichen. Wacker: "Es ist noch alles offen". Offen ist auch, mit welcher Summe sich die Anlieger beteiligen müssen. Denn auf die Stadt fallen die Kosten für den Gehwegbau. "Die Anlieger wissen bisher nicht, was auf sie zukommt", sagte Hans-Jürgen Lusebrink. Ohne einen Gehweg gibt es aber auch keine neue Ortsdurchfahrt. "Seit Jahren wird auf Bürgerversammlungen der Ausbau der Straße verlangt", so Warmuth.