Es war lange klar: Am 31. Oktober 2012 würden die Milchwerke Fränkische Rhön in der Winkelser Straße geschlossen werden. Noch läuft die Produktion. Thomas Obersojer, Vorstand der Bayerischen Milchindustrie (BMI) mit Sitz in Landshut, zu denen der Bad Kissinger Betrieb gehört, erklärt auf Nachfrage: "Wir haben immer gesagt, dass der 31. Oktober der voraussichtliche Schließungstermin ist. Aufgrund einer Lieferverzögerung für die Abfüllanlage für Quarkbecher in Zapfendorf erhalten wir die Produktion vorläufig noch in Bad Kissingen aufrecht."

1. Dezember ist definitiv Schluss


Man habe die Mitarbeiter gefragt, ob sie bereit wären, bis Ende November zu bleiben. Und sie hätten sich dazu bereit erklärt. Auf diese Weise, so Obersojer, könne man Zug um Zug aufhören und die Produktion wie geplant nach Zapfendorf zu verlagern. "Zum 1. Dezember ist aber definitiv Schluss", sagt der Vorstand. Aktuell sind seinen Worten nach noch 25 Mitarbeiter/-innen im Betrieb in Bad Kissingen; es waren einmal 55. 13 von den Verbliebenen würden nach Beendigung der Produktion nach Würzburg bzw. Zapfendorf wechseln, den beiden fränkischen Standorten der BMI. Von den übrigen wisse man nicht, ob sie anderweitig eine Stelle gefunden hätten.
Ob sie für das Unternehmen weiterarbeiten können, ist ungewiss.

Der Werksleiter vor Ort in Winkels, der 50-jährige Christian Thierauf, sagte im Hinblick auf die im November weiterlaufende Produktion von Kissinger Quark: "Wir wollten kein Produktionsrisiko eingehen, solange die Quarkabfüllanlage in Zapfendorf noch nicht ihre volle Leistung bringt." Denn dorthin wird die Produktion verlagert, aus Gründen, die für Branchenkenner nachvollziehbar sein mögen, für Betroffene weniger. Denn die BMI in Bad Kissingen schreibt keine roten Zahlen, verarbeitete zuletzt 62 Millionen Kilogramm Milch zu rund 19 Millionen Kilo Speisequark. Zukunfsträchtig aber seien Betriebe nur, wenn sie 300 Millionen Kilo verarbeiten können.

Zu "Bad Kissinger Quark." Ein Markenname, der untergehen wird. Vorstand Obersojer sagt, das habe verbraucherschutzrechtliche Gründe. Das Produkt gebe es aber künftig unter dem Namen Frankenland oder Paladin.
Das Werk in der Winkelser Straße hat eine Zeit des Gebeuteltseins hinter sich. Im April 2011 hatte die Nachricht von der Schließung im Jahr 2012 aus der BMI-Zentrale hart und unerwartet getroffen, ebenso wie die Ankündigung der Produktionsverlagerung an den BMI-Standort Zapfendorf. Trotz schwarzer Zahlen. Trotz bester Qualitätsproduktion in Bad Kissingen.


Erst Verzicht, jetzt Galgenfrist


Das schmerzte besonders, weil die Mitarbeiter bereits seit 2005 und später, in den Krisenjahren der Bayerischen Milchindustrie, zu denen das Bad Kissinger Werk seit 2008 gehört, auf Teile ihres Lohns verzichtet hatten. Außerdem hatten sie sich bereit- erklärt, für dieses Geld zwei Stunden mehr, nämlich 40 Stunden, zu arbeiten.
Für die - großteils langjährigen - Mitarbeiter konnte aber ein Interessensausgleich und Sozialplan ausgehandelt werden, mit dem sich im Januar 2012 alle Beteiligten einschließlich der Gewerkschaft NGG zufrieden gezeigt hatten. Allen Beschäftigten hatte die BMI einen Arbeitsplatz in Zapfendorf oder Würzburg angeboten, weil ihr das Knowhow der Kissinger auch künftig wichtig ist. Etliche haben das Angebot angenommen, einige gehen nach der Arbeitslosigkeit vorzeitig in den Ruhestand. Aber nicht jeder ist so flexibel, dass er seine Zelte in der Region abbrechen kann.

Christian Thierauf gehört zu denen, die künftig die 100 Kilometer nach Zapfendorf hin und zurück pendeln werden. Freie Arbeitsplätze für Molkereifachleute gibt es in der Region nicht. Er wollte die Branche nicht wechseln oder in noch weiter entfernte Standorte anderer Milchproduktehersteller.

Feiertagsbedingt hat die Produktion in Winkels am Donnerstag und gestrigen Freitag geruht und läuft am Montag, 5. November, wieder an. Die Anlagen für die 40- bis 75-Gramm-Packungen sind abgebaut und nach Zapfendorf verlegt, auch die Fünf- bis Zehn-Kilo-Eimer werden dort produziert. Quark in Magerstufe, 20 und 40 Prozent, Frucht- und Kräuterquark in 150- bis 500-Gramm-Packungen laufen noch, teilweise in drei Schichten. Das wird aber Stück für Stück im Laufe des November ebenfalls verlagert. Ebenso wie ein neuer Kräuterquark-Großauftrag der Supermarktkette Lidl.