Von Diebach nach Hollywood? "Warum nicht?", meint Andreas Veth mit einem Lausbubengrinsen auf dem Gesicht. Doch im nächsten Atemzug fügt er hinzu: "Mal langsam, soweit bin ich noch nicht." Seinen ersten Fernsehauftritt hat der Diebacher immerhin bereits hinter sich. Er ist in der RTL-Serie "Verdachtsfälle" zu sehen. "Club der gebrochenen Herzen" heißt die Folge aus dem Soap-Programm des Privatsenders.

Ein geübter Redner


Eine Annonce der Produktionsgemeinschaft Filmpool brachte den 42-jährigen Familienvater im Frühjahr 2011 auf die Idee, sich für eine Rolle zu bewerben. Die lange Praxis als Büttenredner bei Blau Weiß Elfershausen und als Darsteller in Aufführungen der Theatergruppe des FC, ermutigte ihn dazu. In mehr als 30 Jahren hat Veth auf der Bühne Erfahrungen gesammelt. Er ist freies Sprechen gewohnt - ein großer Vorteil, wie sich beim Casting in Köln-Hürth herausstellte. Veth musste einen emotional aufgeladenen Dialog mit einer Schauspielerin vortragen. Der Regisseur bemerkte die Erfahrung, und der Name des Diebachers wurde in eine Kartei aufgenommen.
Im Februar 2012 klingelte dann das Telefon bei Familie Veth. Ein Schauspieler war erkrankt. Veth musste sich innerhalb von zwei Stunden entscheiden, ob er dessen Rolle übernehmen wollte. Veth wollte und hielt einen Tag später das Drehbuch in der Hand.

"Faszinierend" fand Veth nicht nur das riesige Gelände der Filmstudios in Köln, sondern auch wie ein Film entsteht. "Da wurden sogar Häuser und Locations angemietet, in denen gedreht wurde. Und ich wurde immer von sechs bis sieben Begleitpersonen umgeben, die mich mit allem versorgten", erinnert sich Veth.
Drei Drehtage waren für Stefan Krappel - so heißt Veth in der Episode - angesetzt. Die Folge handelt von einem undurchsichtigen Vierecksverhältnis zwischen drei Freundinnen und einem Mann. "So, wie es im richtigen Leben auch sein könnte", sagt Veth. Einzelheiten werden nicht verraten. Die Geschichte soll ja eine Überraschung für die Zuschauer bleiben.

Tolle Erfahrung


Für den Diebacher war es auf jeden Fall "eine totale Bereicherung und natürlich was ganz anderes als ein Auftritt in der Bütt oder beim heimischen Theater". "Die machen das richtig professionell - mit Sprache, Licht und Körpersprache", erklärt Veth. Er sei eigentlich nur am ersten Tag aufgeregt gewesen.

Wie geht es nun weiter? "Es kann sein, dass nächste Woche wieder ein Angebot kommt. Wenn ich mal in deren Kartei bin, besteht durchaus die Möglichkeit, dass die mich drei- bis viermal im Jahr holen", so Veth. Der Traum des Lagerverwalters wäre es, "in einem Spielfilm oder konstant in einer Serie mitzuspielen". "Das wäre wie ein Sechser im Lotto."

Aber der 42-Jährige bleibt bei aller Euphorie auf dem Boden. "Ich rechne mir zwar Chancen aus, kann mir aber auch vorstellen, dass ich die geknüpften Verbindungen an meinen Sohn Niklas weitergebe."

Die Arbeitskollegen sind schon auf die Sendung gespannt. Veth bekommt jeden Tag Sätze zu hören wie: "Schmeißt du jetzt deinen Job hin?" Oder: "Wann müssen wir denn den roten Teppich ausrollen?" "Gemach", antwortete der Amateur-Schauspieler dann. "Wenn es soweit ist, lasse ich es euch wissen."