"Ich reise mit einem lachenden und einem weinenden Auge heim", verriet die fließend deutsch sprechende Julia vor ihrer Heimkehr.
Freilich freute sie sich, nach so langer Zeit wieder heim zu ihrer Familie in Porto Alegre zu kommen. "Doch habe ich mich bei Emmerts so richtig wohl gefühlt", dankt die 16-Jährige dem Ehepaar Kerstin und Joachim Emmert aus vollem Herzen. "Da will man gar nicht weg fahren", meinte sie. In die Gemeinschaft der übrigen Emmertkinder Sarah, Felix, Lisa und Hannah fühlte sie sich bestens integriert.

"Wir waren gespannt"


"Im vergangenen Herbst waren wir gespannt, wen die Vermittlungsorganisation AFS, American Field Service, uns schicken wird", erinnerte sich Vater Emmert. Dass Brasilianerinnen nicht unbedingt dunkelhäutig sein müssen, zeigte sich, als die recht deutsch aussehende Julia kam. Große Bevölkerungsteile Brasiliens haben Vorfahren in Deutschland oder Italien. So auch Julia, worauf das Landgraf in ihrem Nachnamen deutet. "Meine Urgroßeltern waren Deutsche", bestätigte sie.
Die deutsche Sprache musste sie allerdings erst mühsam daheim erlernen. "Nach eineinhalb Jahren Sprachunterricht in Brasilien konnte ich noch nicht so viel, um mich flüssig mit Schülern des Frobenius-Gymnasiums zu verständigen", erinnerte sich Julia.
Deshalb seien ihre deutschen Alterskameraden anfänglich ein wenig auf Distanz gegangen. "In Brasilien ist das anders. Da geht man sofort aufeinander zu", meinte sie. Nach wenigen Wochen sei dieses Problem mit ihren besser werdenden Sprachkenntnisse aber verschwunden. "Heute verbinden mich etliche gute Freundschaften mit dieser Region", versicherte Julia.

Im In- und Ausland unterwegs


Besonders die tollen Reisemöglichkeiten hat sie hier schätzen gelernt. So besuchte sie zum Beispiel Würzburg, das Oktoberfest in München, Berlin und Hamburg. Auch Österreich, Frankreich, Dänemark und die Schweiz bereiste Julia. "Ich bin froh über diese Bewegungsfreiheit, die es so in Brasilien nicht gibt", bekannte sie. In ihrer Heimat ist das Reisen beschwerlicher, teurer und gefährlicher. Es drohen Überfälle und Belästigungen. "Auch tagsüber", betonte sie.
Fast schon wie im Einkaufs-Paradies kam sich Julia vor, weil es hier mehr stylische Klamotten als in ihrer Heimat - und auch noch preiswerter. "Und das Essen ist hier traumhaft", schwärmte die 16-Jährige von den vielfältigen Speisen auf fränkischen Tellern. In Brasilien gibt es zwar meistens ein großes Rindersteak, aber immer nur Bohnen als Beilage. "Diese Monotonie geht mit der Zeit auf die Geschmacksnerven", meinte sie.
"Ich werde mit meinen deutschen Freunden in Verbindung bleiben", hat sich Julia vorgenommen. Im Zeitalter des Internets mit Facebook, Twitter, per Chat oder E-Mail ist dies auch von Brasilien aus kein Problem.
Ob aber Rebecca Emmert mit ihrer amerikanischen Gastfamilie Kontakt hält, steht in den Sternen. "Ich war nicht zufrieden mit dem Quartier", berichtete Rebecca, die in Blue Springs war, einem Vorort von Kansas City (Missouri). Ein Stipendium des Bundes im Rahmen des Parlamentarischen Patenschaftsprogramms führte sie in die Vereinigten Staaten.

"Englisch geträumt"


Englisch hat Rebecca in der Schule gelernt. "Doch hat es schon einen kleinen Anlauf gekostet, bis ich mit den Amerikanern flüssig sprechen konnte", berichtete sie. Anfänglich hat sie nur zugehört, dann eifrig an Unterhaltungen teilgenommen. "Zuletzt habe ich sogar englisch gedacht und geträumt", schilderte Rebecca.
In der High-School erlebte Rebecca, wie sich schlecht motivierte Schüler von Test zu Test quälten. "Es ist dort schlechter als bei uns", meinte sie. Gut fand sie indes den Sport. "Auch den Gemeinschaftssinn und die vielen Clubs habe ich positiv als soziales Forum empfunden", sagte Rebecca.
Eine Unterscheidung zwischen Hauptschule, Realschule und Gymnasium wie in Deutschland gibt es nicht. "Die amerikanischen Schüler sind stolz auf ihre Heimatschule und zeigen dies auch gern durch ihre Kleidung im einheitlichen Stil öffentlich", hat Rebecca erlebt.
In den Vororten gibt es kaum einen Bus, die Menschen erledigen alles mit dem Auto. In Großstädten funktioniert das öffentliche Verkehrsnetz, doch in manchen Stadtteilen sollte man besser nicht in U-Bahn oder Bus steigen. "Es war sehr interessant in Amerika und ich habe trotz dieser Gastfamilie meine Reise nicht bereut", so Rebecca. Sie würde auf jeden Fall nochmal reisen.