Die Straße hat ihren Spitznamen schon weg: Autobahn. Wegen der breiten Trasse, der teilweise völlig neu verlegten Straße haben einige Burghäuser ihr diesen Namen verpasst. Mit dem Verlauf der Bauarbeiten sind Verantwortliche und Betroffene höchst zufrieden. Voraussichtlich im September wird der Verkehrsweg wieder befahrbar sein.
Jürgen Dobler ist mehr als zufrieden. Die Tragschicht auf der ersten Seite der Straße zwischen Münnerstadt und der Zufahrt zum Thoraxzentrum ist bereits fertig, sagt der Leiter der Kreis-straßenbauverwaltung. Um rund zwei Meter wurde die Fahrbahn in diesem Bereich teilweise abgesenkt. Weil die Zufahrt zur Klinik jederzeit gewährleistet werden muss, ist dort eine Baustellenampel angebracht worden. Der Verkehr kann einseitig an der Baustelle vorbei fließen. Jetzt fahren die Autos bereits auf dem neuen Teil, die zweite Hälfte wird derzeit abgetragen.
Ganz anders sieht es beim weitaus größeren Teil der Strecke zwischen der Einfahrt zum Thoraxzentrum und Burghausen aus. Dort ist die Straße komplett gesperrt. Wegen der scharfen, gefährlichen Kurven wurde die Trassenführung teilweise verändert. Inzwischen ist kaum noch zu erkennen, wo die alte Straße verlaufen ist. In Burghausen wurde bereits eine Amphibientunnel eingebaut. Jetzt erfolgt der Bau der Leiteinrichtung für die Tiere. Damit wird der Krötenzaun, den freiwillige Helfer bislang immer zu Wanderzeit der Amphibien errichtet haben, hinfällig.
Weil die Arbeiten so schnell voran schreiten, seien auch alle zufrieden, dass der Bau durch eine Vollsperrung erfolgt, sagt Jürgen Dobler. "Die Beschwerden halten sich in Grenzen." Befürchtungen, dass der Münnerstädter Schindberg kaum noch durch den Omnibusverkehr angefahren wird, hätten sich nicht bestätigt. Die Verantwortlichen hätten entsprechend reagiert. Nur einen Fall habe es gegeben, als eine ältere Dame verzweifelt an der Bushaltestelle gewartet hat, weil ihr die Änderungen nicht bewusst waren.
Von den rund 1,1 Millionen Euro Baukosten trägt der Kreis den Löwenanteil. Lediglich für einen Teil der Linksabbiegespur zur Klinik und für einen Teil des Regenrückhaltebeckens (dort wird auch das Wasser von der Zufahrtsstraße zur Klinik eingeleitet) muss die Stadt Münnerstadt aufkommen. Insgesamt seien das zwischen 60 000 und 70 000 Euro, schätzt der Leiter der Kreisstraßenbauverwaltung. Das Positivste: Vermutlich bereits im September wird die Straße wieder frei gegeben.

"Richtige Entscheidung"


Das ist ein Argument, das auch Burghausens Ortssprecher Klaus Görlinger überzeugt. Er findet den Straßenbau "echt super.". Dabei gehörte er zu denjenigen, die die Vollsperrung eher skeptisch gesehen hatten. Inzwischen bezeichnet er das als absolut richtige Entscheidung. "Das würde ich sofort unterschreiben", bekräftigt er. Und das, obwohl er auf dem täglichen Weg zur Arbeit und zurück einen Umweg von rund zehn Kilometer in Kauf nehmen muss.
Durch die Vollsperrung sei es der bauausführenden Firma Stolz möglich, viel größere Maschinen einzusetzen, es gehe viel schneller voran, sagt der Ortssprecher. Er weiß, wovon er spricht. Weil er im Neubaugebiet wohnt, hat er die Baustelle quasi vor der Haustür. "Keine Probleme", sagt er. Die Burghäuser seien zufrieden und auch der Transport der Schüler über Reichenbach nach Münnerstadt klappe hervorragend. Das bestätigt die Rektorin der Freiherr-von-Lutz-Grundschule, Anneliese Albert, gerne. "Alles bestens, keine Beschwerden von Schülern oder Eltern", sagt sie.
Klaus Görlinger freut sich schon auf die Fertigstellung der neuen Straße. Von ursprünglich November, sei der Eröffnungstermin nun schon in den September verlegt worden.
Ganz ungetrübt ist die Freude aber nicht. Weil die Straße teilweise begradigt wurde, sei es nach der Fertigstellung möglich, noch schneller in der Ort zu fahren, gibt Klaus Görlinger die Befürchtung mancher Burghäuser weiter, die auch er teilt. Und gerade in diesem Bereich wohnen viele Familien mit kleinen Kindern. Zwar sei es ja möglich, die Geschwindigkeit bereits vor dem Ort durch entsprechende Beschilderung zu verringern, dies müsse dann aber auch kontrolliert werden. Momentan könne er diesbezüglich wenig tun, erst einmal müsse die Straße fertig sein, erst dann wird man sehen, wie sich die Verkehrsteilnehmer verhalten.
Ganz sicher indes ist ein Umstand, der auf die Stadt Münnerstadt zukommen wird. Durch den Bau der neuen Straße von Münnerstadt nach Burghausen wird noch deutlicher, in welch katastrophalen Zustand die Straße von Burghausen nach Reichenbach ist. "Man hätte doch die Straße nach Münnerstadt weniger aufwändig bauen können und das gesparte Geld für den Ausbau der Straße nach Reichenbach verwenden können." Diese Aussage hat Klaus Görlinger schon mehrfach von Burghäuern gehört. Natürlich weiß der Ortssprecher, dass die eine eine Kreisstraße und die andere eine Ortsverbindungsstraße ist, weswegen ein Verschieben der Gelder gar nicht möglich wäre.
Trotzdem zeigt dieser Wunsch auf, für wie dringend der Ausbau der Straße nach Reichenbach angesehen wird. Bürgermeister Helmut Blank (CSU) wird wohl demnächst wieder öfter von der Ortsverbindungsstraße zuwischen Burghausen und Reichenbach hören.