An das Leben in Ivochote musste sich Maria Emmert erst einmal gewöhnen. Fließend Wasser gab es nur nachts. "Dann mussten alle Kanister aufgefüllt werden, um tagsüber genug Wasser zum Kochen, Waschen und die WC-Spülung zu haben”, schildert sie. Auch Strom floss nur unregelmäßig. Deshalb haben die Menschen trotz der tropischen Temperaturen keinen Kühlschrank. Das Internet ist schon lange zusammengebrochen, allgemeine Bekanntmachungen werden übers Radio verbreitet, ein Handynetz gibt es nur selten.
Aber kein Grund zur Klage, Maria Emmert kam schließlich nicht als Touristin nach Peru. Sie war hier, um die Arbeit des Vereins "Frederic" als Praktikantin zu unterstützen. "Über meinen Vater Franz Emmert, der jahrelang im Weltladen in Hammelburg tätig war, hatte ich von dem Verein gehört", erklärt die junge Frau.
Gegründet wurde er von Françoise und Gerhard Wielgoss nach dem Tod ihres Sohnes.
Das Ehepaar empfing und begleitete Maria Emmert auch in Peru. So lernte sie den ökologischen Bauernverband kennen. Der Verein bietet den Landwirten Fortbildungen an, wobei sie viel über Mischanbau, Einsatz von Bodendeckern, Anlegen von Gemüsegärten und Kleintierzucht lernen. Ebenso subventioniert der Verein Saatgut und Kleinvieh. "Die Experten des Vereins besuchen die Höfe jährlich, um sicher zu sein, dass nur die Bauern unterstützt werden, die wirklich etwas für die Verbesserung ihrer Lebensumstände tun", erläutert Emmert.
"Frederic" unterstützt auch die Schulen der kleinen Dörfer. Sie verpflichten sich zum Anbau und zur Verarbeitung von Gemüse. Im Gegenzug erhalten sie finanzielle Hilfen für die Bezahlung von Lehrern und Unterrichtsmaterial.

Ärzte teuer und weit weg

"Die hygienische Situation vor Ort ist schwierig, und ärztliche Hilfe ist teuer und oft schwer zu erreichen", hat die Physiotherapeutin feststellen müssen. Daher lernen ausgewählte Gesundheitshelfer die Verarbeitung von Heilpflanzen. An einem dieser Kurse nahm Maria Emmert teil. Sie half bei der Herstellung medizinischer Salben und brachte den Helfern Massagen zur Entspannung bei. Wegen der schweren körperlichen Arbeit und der langen Fußwege haben viele Menschen eine ständig verspannte und schmerzenden Rücken- und Beinmuskulatur.
Auch die vom Verein angebotenen Frauengruppen besuchte die Deutsche. Hier lernen die Peruanerinnen selbstbewusster, eigenständiger und unabhängiger zu werden. "Zum Beispiel durch die Herstellung ausgewogener Nahrungsmittel für die Familie, durch den Austausch untereinander, durch Aufklärung über Frauen- und Menschenrechte", gibt die 26-Jährige einige Beispiele.

Der Tag beginnt um 5.30 Uhr

Zwei Wochen war Maria Emmert auch in der Mission in Koribeni, in der vier Dominikaner-Schwestern leben und arbeiten. Zur Mission gehört ein Internat mit etwa 30 Mädchen und acht Jungen. "Die Atmosphäre ist herzlich, die Schwestern haben für jedes Kind ein offenes Ohr und die Kinder schätzen das Leben im Internat", hat die junge Frau erlebt.
Schon morgens um 5.30 Uhr putzen die Kinder Toiletten und Duschen, misten den Stall der Meerschweinchen aus, fegen und wischen, kochen und bereiten den Speisesaal vor und waschen ihre Kleider. "Die meisten haben nur eine einzige Schuluniform, die sie wegen des Staubs fast jeden Tag waschen müssen", erklärt Maria Emmert.
Nach dem Frühstück geht es in die Schule, nach dem Mittagessen ist Zeit zum Duschen, Waschen und Ausruhen. Am Nachmittag steht Lernen und Hausaufgaben auf dem Programm. Nach dem Abendessen sehen alle zusammen fern: Nachrichten oder Volleyball und Fußball.
Die 26-Jährige hat ihnen jeden Tag bei ihrem Schulstoff geholfen, vor allem in Mathe und Englisch. Im Internatsalltag konnte sie beim Kochen helfen und den Schwestern Nachhilfe in Sachen Computer und Internet geben. Überall hat sie sehr freundliche und herzliche Menschen kennen gelernt. Auch die vielen Früchte, Bananen, Papayas, Orangen, direkt vom Baum geerntet, schmeckten ihr gut. "Und alle waren entsetzt, dass ich die Hühnerfüße und Meerschweinchen nicht probieren wollte", erzählt sie.
Die Arbeit von Françoise und Gerhard Wielgoss hat die 26-Jährige sehr beeindruckt. "Immer wieder Gespräche und Versammlungen, das alles in einer fremden Sprache. Immer wieder darum kämpfen, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen", hat Maria Emmert miterlebt. Jetzt weiß sie, welch "wahnsinnig ausdauernde und kontinuierliche Arbeit" der Verein in zwölf Jahren geleistet haben muss, damit die Bauern überhaupt Vertrauen zu dem deutschen Verein aufbauen konnten.
Ihren Gastgebern ist die 26-Jährige sehr dankbar. Sie haben ihr ermöglicht, Peru, seine Menschen und Kultur besser zu verstehen. "Sie haben mich am Alltag ihres jährlichen Aufenthalts in Peru teilhaben lassen und mir gezeigt, wie viel Verständnis und Feingefühl sie für die Arbeit mit den Menschen dort benötigen", betont Maria Emmert. red/mr